Unterricht

Vom Umgang mit Gewalt und Konflikten in der Schule

Immer wieder taucht die Problematik von Gewalt und Aggression in der öffentlichen Diskussion auf, und nicht selten sind auch Schulalltag und Schulleben davon betroffen. Wie die Schule im Allgemeinen und die Lehrkraft im Speziellen darauf reagieren müssen und vor allem, wie den Schüler eine gewisse Konfliktfähigkeit beigebracht werden kann, ist Thema des folgenden Artikels.
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Durchsetzungsfähigkeit, Individualität, das Achten auf eigene Bedürfnisse und die Selbstentfaltung sind Tugenden, die in unserer Gesellschaft erwünscht sind. Die Schule hat die Aufgabe, diese zu vermitteln. In diesen Kontext gehört auch die Fähigkeit, Konflikte bewältigen und austragen zu können.

Folgende Ausdrucksformen der Gewalt finden sich häufig an Schulen:

  • direkte, physische Gewalt (Schlagen, Schubsen, Kneifen …)
  • verbale Gewalt (Spotten, Beschimpfen, Beleidigen …)
  • mittelbare Formen wie Zurückweisen, Ausschließen, Verbreiten von Gerüchten …
  • öffentliche Herabwürdigung im Internet

Opfer und auch Täter dieser Arten von Gewalt kann grundsätzlich jeder Schüler werden. Um den Täter-Opfer-Zusammenhang zu verstehen und derartige Konflikte zu lösen, müssen die Situation und die Gruppe innerhalb der Klasse bzw. Schule unter die Lupe genommen werden. Nicht selten handelt es sich nämlich um Konstellationen, in denen sich nicht nur klar abgegrenzt Opfer und Täter gegenüberstehen, sondern auch ein Kreis von Assistenten, Verstärkern und Verteidigern zu finden ist.

Um weitreichende Folgen für alle Beteiligten zu vermeiden, muss gegen Übergriffe konsequent eingeschritten werden.

1. Schritt: Tatbestand erfassen

Dies stellt schon die erste Schwierigkeit dar, da die meisten Aktionen für den Lehrer im Unterricht kaum zu erkennen sind. Zudem fürchten sich viele Opfer vor einem Sich-Anvertrauen aus Angst, dann erst recht weiteren Angriffen ausgesetzt zu sein.

Aber es gibt Warnsignale:

  • wiederholende Verspottung einzelner Klassenkameraden (lächerliche Spitznamen, Unterdrückung, Kommandierung …)
  • Beschädigung von Schulsachen oder Kleidung
  • Verletzungen
  • Isolation, Ausschluss aus der Gruppe (in der Pause, im Sportunterricht, in der Freizeit)
  • Schulangst
  • Leistungsabfall

2. Schritt: konkrete Maßnahmen ergreifen

Je nachdem, wie der Fall gelagert ist, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die die gesamte Schule, die einzelne Klasse oder eine spezielle Schülergruppe betreffen. Zudem kommt es darauf an, ob ein konkreter Fall vorliegt oder ob es darum geht, eine Grundhaltung und Entschlossenheit zu schaffen und sich dem Problem der Gewalt zu stellen.

  • Ermutigen Sie die Schüler, über Vorfälle zu sprechen!
  • Führen Sie eine Fragebogenaktion durch, um das Ausmaß der Gewalt zu erfassen.
  • Gestalten Sie einen Projekttag zum Thema Gewalt, Rücksichtnahme, Respekt, Miteinander, Hilfsbereitschaft
  • Stärken Sie die Klassen- oder Schulgemeinschaft durch gemeinsame Aktionen und auch gemeinsam ausgearbeitete Regeln.
  • Kooperieren Sie mit der Schulleitung, den Kollegen und den Eltern und kommunizieren Sie diese Zusammenarbeit.
  • Seien Sie wachsam und sensibel und ggf. absolut konsequent!
  • Schaffen Sie Möglichkeiten für die Opfer, sich anonym an jemanden zu wenden (z. B. Kummerkasten).
  • Gründen Sie eine Mediatoren-Gruppe.
  • Geben Sie den Tätern die Chance zum Neuanfang.

Es ist auch wichtig, den Schülern Verhaltensweisen an die Hand zu geben, die präventiv wirken oder in konkreten Situationen hilfreich sind. So stärken Sie deren Fähigkeiten, mit Konflikten selber fertigzuwerden. Die Schüler können beispielsweise

  • den Konflikt zunächst ignorieren oder vortäuschen, nicht betroffen zu sein.
  • mit Humor reagieren.
  • sich um neue Freundschaften und damit Verteidiger bemühen.
  • an der eigenen Körpersprache arbeiten, um sicher und selbstbewusst aufzutreten.
  • lernen, „Lass mich in Ruhe“ zu sagen.
  • lernen, den Tätern zu verzeihen und einen Neuanfang zu starten.

Thematisieren Sie dies alles im Gespräch mit der ganzen Klasse und üben Sie die Verhaltensweisen mithilfe von Rollenspielen ein.

Holen Sie außerdem die Eltern mit ins Boot und besprechen Sie in Einzelgesprächen oder auch auf eigens einberufenen Elternabenden, dass die Eltern

  • ihre Kinder stützen und aufbauen sollen.
  • offen und interessiert über Schule und Freundschaften sprechen sollen.
  • Freundschaften ermöglichen sollen.
  • Beratungsangebote wahrnehmen sollen.
  • konsequent verdeutlichen, dass gewalttätiges Verhalten nicht geduldet wird.
  • auch zu Hause Wert auf Normen und Regeln eines friedlichen Zusammenlebens legen.

Der Artikel vermeidet bewusst den Begriff „Mobbing“, der inzwischen Teil der Alltagssprache ist und zur Bezeichnung aller möglichen missbilligten Verhaltensweisen herangezogen wird. In der Schule müsste korrekterweise von „Bullying“ gesprochen werden.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg. Frau Mayer befindet sich ab Ende August 2014 im Mutterschutz mit anschließender Elternzeit.

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