Unterricht

Werte machen stark! Wertorientierte Persönlichkeitsentwicklung in der Schule

Unter dem Motto „Werte machen stark“ gründete das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus 2007 eine Initiative, die sich für eine wertorientierte Persönlichkeitsbildung von Kindern einsetzt. Dabei wendet sie sich in erster Linie dem Erziehungsauftrag der Schule zu, doch darf deren Umsetzung keinesfalls ausschließlich hier stehenbleiben. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ist unablässig.

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Machen Sie mit den Eltern gemeinsame Sache

In öffentlichen Diskussionen geht es immer wieder um einen drohenden Werteverfall der Jugend und wie man diesem entgegenwirken kann. Um wertorientierte Persönlichkeiten heranzuziehen und zu fördern, gilt es als Schule, mit den Eltern zusammenzuarbeiten und eine gemeinsame Linie zu finden, die von allen konsequent verfolgt wird. Nur so kann Werteerziehung erfolgreich und auf lange Sicht hinweg funktionieren. Ziehen Sie mit den Eltern an einem Strang und vereinbaren sie miteinander grundlegende Werte, die beiden Seiten wichtig sind.

Die erzieherischen Bemühungen sollten allerdings nicht dabei stehenbleiben, einzig und allein auf die Einhaltung der festgelegten Verhaltensnormen zu pochen, sondern auch deren Sinn für das tägliche Leben der Lernenden erlebbar zu machen. Diese sollen erfahren, was ein werteorientierter Umgang miteinander für sie selbst und für ihre Mitmenschen bedeutet und wie friedvoll ein Leben mit und nach Werten sein kann. Nur wenn Schülerinnen und Schüler sich des Warums bewusst sind, kann eine wertorientierte Persönlichkeitsbildung fruchten und Werteerziehung sinnvoll und dauerhaft sein.

Wählen Sie gemeinsam grundlegende Werte aus

Damit Werte auch als sinnvoll und lebenswert erfahren werden, bietet es sich an, diese in Zusammenarbeit mit den Lernenden und dem Elternhaus zu diskutieren und gemeinsam auszuwählen. Dies könnte anhand einer Umfrage bei den Beteiligten oder im Rahmen eines Elternabends erfolgen. Nehmen Sie die festgelegten Werte anschließend einzeln in den Fokus Ihres Handelns und arbeiten gezielt damit.

Besonders weitreichend werden Ihre erzieherischen Bemühungen auch dann, wenn Ihre wertorientierte Arbeit nicht innerhalb der eigenen Klassenzimmerwände stecken bleibt, sondern für die gesamte Schule als verbindlich angesehen wird. Um dies zu ermöglichen, sprechen Sie sich mit den Kollegen ab und legen ggf. im Rahmen einer Konferenz am Schuljahresbeginn Werte fest, die in allen Klassen und für die gesamte Schulgemeinschaft gelten sollen.

Welche Werte miteinander als „Basiswerte“ vereinbart werden, ist immer abhängig von verschiedenen Faktoren, zum Beispiel von

  • schulspezifischen Besonderheiten (Einzugsgebiet, Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler etc.),
  • klassenspezifischen Besonderheiten (auffällige Schülerinnen und Schüler, Zusammenleben etc.) oder
  • individuellen Wünsche der Beteiligten.

Im Folgenden sind einige Werte aufgezählt, die im Rahmen einer Umfrage, die Schülerinnen und Schüler wie Eltern umfasste, als besonders wertvoll festgelegt wurden. Die aufgeführte Reihenfolge sagt dabei nichts über deren Wertigkeit aus.

Besonders wichtig waren den Beteiligten demnach

  • Ehrlichkeit,
  • Treue,
  • Zuverlässigkeit,
  • Verantwortungsbewusstsein,
  • Höflichkeit,
  • Respekt,
  • Hilfsbereitschaft,
  • Toleranz und
  • Ordnungssinn.

Learning by seeing and doing

Wenn es darum geht, Schülerinnen und Schüler an Werte und deren Bedeutsamkeit im täglichen Leben heranzuführen, spielen Lehrkräfte wie Eltern eine zentrale Rolle. Seien Sie sich Ihrer kontinuierlichen Vorbildwirkung absolut bewusst. Gerade junge Schülerinnen und Schüler richten sich in ihrem Verhalten gern nach dem, was Sie von ihren Respektpersonen vorgelebt bekommen. So schaffen es die wenigsten Kinder Ordnung zu halten, wenn sie im privaten wie schulischen Umfeld nur Chaos und Unordnung erleben. Man braucht sich auch nicht darüber zu wundern, dass Kinder weder „Bitte“ noch „Danke“ sagen, wenn diese Wörter auch sonst von niemandem verwendet werden. Dementsprechend wichtig ist es, dass Lehrkräfte wie Eltern sich selbst an die vereinbarten Werte und Verhaltensnormen halten und dementsprechend agieren.

Gerade im Schulalltag ergeben sich immer wieder Gelegenheiten, die Wertevermittlung im Alltag erlebbar machen und für die Sie Vorbildfunktion einnehmen können:

  • Zuverlässigkeit: Kontrollieren Sie die Hausaufgaben Ihrer Schülerinnen und Schüler und würdigen Sie deren Sauberkeit oder Vollständigkeit. Kommentieren Sie die Schülerleistungen außerdem wenn möglich mit kurzen Bemerkungen. So fühlen sich Ihre Schülerinnen und Schüler in Ihrer Zuverlässigkeit wahrgenommen und wertgeschätzt.
  • Ordnungssinn: Beweisen auch Sie täglich Ihren Ordnungssinn und zeigen den Kindern bzw. Jugendlichen, wie man seine Lernumgebung ordentlich hält. Vermeiden Sie Papierstapel auf dem Pult und räumen auch Sie Ihren Arbeitsplatz auf. Durch Ihr Vorbild können die Lernenden Ordnungssinn hautnah erleben.
  • Hilfsbereitschaft: Zeigen Sie sich jederzeit hilfsbereit und stehen Ihren Schülerinnen und Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Ermuntern Sie diese ebenfalls dazu, anderen – auch einmal ungefragt – zu helfen.
  • Höflichkeit: Verwenden auch Sie höfliche Umgangsformen wie „Bitte“ und „Danke“ im täglichen Gespräch mit Ihren Schülerinnen und Schülern.

Planen Sie wertorientierte Projekte

Wichtig ist es, nicht nur über die Bedeutung von Werteerziehung zu sprechen, sondern gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, Kollegium und Schulleitung am Thema Werteerziehung zu arbeiten. Idealerweise sollte die im Rahmen von gemeinsamen Projekten geschehen. Welchen  thematischen Schwerpunkt Sie dabei setzen und wie Sie an die Sache herangehen, bleibt Ihnen überlassen. Machen Sie den Inhalt Ihres Projektes abhängig von den individuellen Bedürfnissen der Schüler- bzw. der Elternschaft oder diskutieren Sie Vorschläge im Kollegium. Egal an welchem Wert sie verstärkt arbeiten wollen und in welchem Rahmen Sie diesen umsetzen: Werterziehung lohnt sich immer.

Ein Praxisbeispiel: Das Wohlgefühl Ihrer Schülerinnen und Schüler

Um Ihnen die Umsetzung von Werteerziehung im Schulalltag näherzubringen, geht es im Folgenden um ein Beispiel aus der Praxis. Dabei handelt es sich um die Einführung sogenannter Wohlfühlmottos. Diese Mottos legen ihr Augenmerk auf verschiedenste Bereiche, die im Sinne der Werteerziehung persönlichkeitsbildend wirken sollen.

Die Auswahl der einzelnen Mottos kann durch verschiedene Personenkreise erfolgen, die damit natürlich auch ihre individuellen Bedürfnisse zum Ausdruck bringen können, z. B. durch

  • ein Schülergremium (z. B. anhand von Umfragen, im Rahmen einer Werte-AG etc.),
  • den Elternbeirat,
  • den Werteerziehungsbeauftragten der Schule oder
  • das Lehrerkollegium.

Welches Wohlfühlmotto die Beteiligten auswählen, hängt oftmals von jahreszeitlichen oder anderen aktuellen Begebenheiten ab. Um einen besseren Eindruck davon zu bekommen, wie diese Mottos aussehen können, seien im Folgenden einige Beispiele aufgeführt.

  • An unserer Schule lernen verschiedenste Persönlichkeiten voneinander und miteinander. Bringe deine Stärken ein, um anderen zu helfen! 
  • Es gibt viele Arten von Lärm, aber nur eine Stille! Verhalte Dich während des gesamten Vormittages ruhig und genieße die Stille.
  • In der Geborgenheit der Familie und Freunde (Weihnachten) zu feiern, ist wohl das schönste aller Geschenke. Sage den Menschen in deiner Gemeinschaft jeden Tag ein paar schöne Worte!     
  • Achtsamkeit und Höflichkeit gewinnen immer! Wenn du einen Raum durch eine Tür betrittst, halte sie deinem Hintermann stets auf.
  • Ordnung machen ist nicht schwer, Ordnung halten aber sehr. Halte im Schulhaus, auf dem Pausenhof und im Klassenzimmer stets Ordnung.
  • Gib acht, gib acht, der Frühling erwacht! Gehe achtsam mit der Natur um und genieße sie.  
  • Manche Dinge sind einfach immer wichtig und so gewinnt Höflichkeit stets. Deshalb grüße deine Mitmenschen und schaue ihnen dabei in die Augen.

Über welchen Zeitraum hinweg an einem Motto gearbeitet wird, ist Ihnen freigestellt. Manche Schulen wechseln dieses schon nach einer Woche, andere stellen sie einen Monat lang ins Zentrum ihres täglichen Miteinanders. So können Sie es entweder als Wohlfühlmotto der Woche oder auch des Monats titulieren.

Wichtig ist in jedem Fall mit dem ausgewählten sozialen Thema auch aktiv zu arbeiten. Hängen Sie das Motto nicht einfach nur kommentarlos irgendwo im Schulhaus bzw. im Klassenzimmer auf, sondern setzen Sie sich gemeinsam mit Ihren Schülerinnen und Schülern täglich damit auseinander. Führen Sie das Motto eventuell auch im Rahmen einer sozialkundlichen Einheit ein.

Im Laufe des Geltungszeitraumes sollte immer wieder reflektiert werden, wie gut die Einhaltung des jeweiligen Mottos innerhalb und außerhalb der Klassengemeinschaft funktioniert. Wird in der Pause zum Beispiel darauf geachtet, den Müll nicht auf den Boden zu werfen? Werden die Worte „Bitte“ und „Danke“ tatsächlich sinnvoll eingesetzt? Wird Hilfe gegeben bzw. auch angenommen?

Entfällt die Reflexion bzw. die gezielte Arbeit mit den Mottos, besteht die Gefahr, dass diese im Sande verlaufen. Dabei sollte es stets Ziel sein, Wege zu finden, die helfen, werteorientierte Persönlichkeiten heranzuziehen. Das geht natürlich nicht von einem Tag auf den anderen, sondern verlangt viel Geduld und Fingerspitzengefühl auf Seiten aller Beteiligten.  JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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