Unterricht

Werteerziehung und Wertevermittlung durch Schule und Lehrer

Die Nachfrage nach einer an gesellschaftlichen Normen orientierten Werteerziehung und damit nach einer gemeinsamen Basis im Zusammenleben nimmt immer mehr zu. So wird der Ruf nach Verantwortungsgefühl, sozialem Miteinander und Achtung der Menschenwürde immer lauter. An dieser Stelle werden große Forderungen an die Schule gestellt, die neben dem Elternhaus den größten Teil der Erziehung übernimmt.
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Gesellschaftliche Veränderungen fordern Werteerziehung ein

Der gesellschaftliche Wandel betrifft Menschen in den verschiedensten Bereichen ihres Lebens und macht eine Anpassung daran unabdingbar. Im Folgenden werden nur einige wenige Punkte herausgegriffen und bezüglich ihrer Bedeutung für Heranwachsende skizziert.

  • Der Drang nach Selbstentfaltung ist groß und hat zur Folge, dass immer mehr Individualisten in den Vordergrund treten, die sich nur schwer gemeinsamen Strukturen unterordnen wollen.
  • Neue Familienstrukturen und damit einhergehende Veränderungen führen dazu, dass Sozialverband „Familie“ als erste Vermittlungsinstanz von Grundwerten nicht mehr vorausgesetzt werden kann.
  • Dies verändert den Anspruch an die Schule, deren Bedeutung in der Wertevermittlung noch mehr steigt.
  • Im Zuge der Globalisierung ist von den Menschen mehr und mehr Offenheit gegenüber fremden Kulturen und Lebensweisen gefordert, die interkulturelles Lernen und entsprechende Werte notwendig macht.
  • Auch die Berufswelt fordert Einsteiger, die sich an vorgegebenen gesellschaftlichen Werten orientieren und diese verinnerlicht haben.

 

Vereinbaren Sie Basiswerte

Da Werteerziehung nicht nur innerhalb des Klassenzimmers, sondern auch darüber hinaus wirksam sein sollte, bietet es sich an, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen sowie Eltern verschiedene Basiswerte festzulegen und gemeinsam an deren Umsetzung zu arbeiten. Wie sie dabei vorgehen können und worauf zu achten ist, können Sie im Artikel Wertevermittlung nachlesen.

Bauen Sie eine Klassenkultur auf

Auf der Basis gemeinsam vereinbarter Grundwerte gilt es, eine klasseninterne Kultur aufzubauen, die sich durch bestimmte Anforderungen an jeden Einzelnen auszeichnet. So sind verschiedene Bereiche einbezogen, die sich alles in allem zu einem wertvollen Ganzen verbinden.
Den Unterricht und das Zusammenleben der gesamten Schülerschaft betreffen vor allem drei Lernbereiche:

1. Bauen Sie eine Umgangskultur auf. Diese zeichnet sich u. a. aus durch

  • gemeinsame Regeln und Rituale,
  • Vertrauen,
  • Wertschätzung,
  • Toleranz,
  • Streitkultur,
  • Gewaltlosigkeit,
  • demokratische Strukturen und
  • Kompromissfähigkeit.

2.    Legen Sie den Grundstein für eine Arbeitskultur. Diese bahnt Arbeitstugenden an, die sowohl im schulischen Bereich als auch in der späteren Arbeitswelt gefordert sind. Dazu gehören u. a.

  • Zuverlässigkeit,
  • Pünktlichkeit,
  • Sorgfalt und Genauigkeit der Arbeit,
  • Sauberkeit und Ordnung,
  • realistische Selbsteinschätzung,
  • Kritikfähigkeit,
  • Teamfähigkeit und
  • Leistungsbereitschaft

3.    Setzen Sie sich für eine Verantwortungskultur ein. Diese zeichnet sich u. a. aus durch

  • einen verantwortungsbewussten Umgang mit Freiräumen,
  • das Übernehmen von Verantwortung für sich und den anderen,
  • die Fähigkeit für bzw. gegen etwas eintreten zu können und
  • die Eigenschaft vertrauenswürdig zu sein.

 

Seien Sie Vorbild

Gerade bezüglich der oben angeführten und von den Schülerinnen und Schülern geforderten Schlüsselqualifikationen spielen Sie als Bezugsperson eine tragende Rolle. Seien Sie sich Ihrer kontinuierlichen Vorbildwirkung absolut bewusst. Gerade junge Schüler richten sich in ihrem Verhalten häufig nach dem, was Sie von ihren Respektpersonen vorgelebt bekommen.
Durch Ihre Vorbildwirkung ergeben sich täglich mannigfaltige Möglichkeiten, wenn es darum geht Werteerziehung im schulischen Alltag anzuwenden.


Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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