Unterricht

Wertevermittlung in heterogenen Klassen

Die Ideale und Ziele, die die Menschen für wichtig halten und die ihr Zusammenleben prägen, verändern sich ständig. Dieser Wertewandel spiegelt sich auch im Klassenzimmer wider. Geschlecht, Herkunft, soziales Umfeld, kulturelle und religiöse Zugehörigkeit oder auch die Lern- und Leistungsfähigkeit einzelner Schüler – das alles findet sich in einer Klassengemeinschaft. Diese bunte Vielfalt ist nicht nur eine Herausforderung, sondern bietet Schülern und Lehrern viele Chancen.
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Werte erfahren und lernen

Das Wertebewusstsein der Kinder und Jugendlichen wird zunächst in der Familie geprägt. Und so bringen die Schüler sehr unterschiedliche Erfahrungen mit in die Schule. Was der eine sehr intensiv erfährt („Wir gehen ehrlich miteinander um!“), ist für den anderen Schüler eine Mangelerfahrung („Der Ehrliche ist der Dumme!“). Somit bietet sich für dich als Referendar eine große Vielfalt an Möglichkeiten in der Werteerziehung. Vergiss dabei nicht, dass du hier als Pädagoge an die Grenzen deiner Bemühungen stoßen kannst. Sei dir dessen bewusst und akzeptiere sie.

Heterogenität – Herausforderung und Chance für Wertevermittlung

Zunächst ist es wichtig, nicht immer das Trennende im Blick zu haben. Die wichtige Frage lautet: Welche Werte sind hilfreich für die Entfaltung sozialer und persönlicher Kompetenzen? Welche Werte prägen eine Persönlichkeit und unterstützen die Gestaltung eines guten Lebens? Respekt, Verantwortung, Empathie, Höflichkeit, Toleranz, Dankbarkeit sind zum Beispiel Werte, die für eine Gemeinschaft grundlegend sind. Diese müssen über ihre Begrifflichkeit hinaus mit konkretem Leben gefüllt werden. Dazu bieten sich in einer Klassengemeinschaft vielfältige Gelegenheiten und Übungsfelder.

Das Klassenzimmer als Trainingsraum der Wertevermittlung

Zunächst ist es sinnvoll, mit Schülern konkret über Werte zu sprechen. Das Diskutieren, das Anschreiben von Werten an die Tafel oder das Erstellen von Plakaten sind sicherlich wertvolle Unterrichtselemente. Den Fokus der Wertevermittlung solltest du jedoch in die konkrete Anwendung von Werten in Unterrichts- oder Schulsituationen legen. In diesem Fall bist du das beste Vorbild für den Umgang mit Werten. Diese können exemplarisch im Schulalltag vermittelt werden.

Anwendungsbeispiele für Werteerziehung im Unterricht

Wenn zum Beispiel eine Schülerin aufgrund ihrer religiösen Überzeugung ein Kopftuch trägt, sollte dies von den Mitschülern toleriert und akzeptiert werden. Hier übst du mit den Schülern konkrete Toleranz und Respekt gegenüber einer Person und einer Religion ein. Damit diese Werte von den Schülern verinnerlicht und verstanden werden können, ist eine Information – hier über die Bedeutung des Kopftuchs im Islam – sinnvoll.

Wird ein Schüler aufgrund einer sprachlichen, psychischen oder körperlichen Behinderung von Mitschülern ausgegrenzt oder sogar gemobbt, ist nicht nur deine Achtsamkeit gefragt. Sensibilisiere deine Schüler für den Wert der Empathie. Einfühlsames und mitfühlendes Verhalten ist über das schulische Leben hinaus in vielen Lebenssituationen von Bedeutung. Du findest in deinem Schulalltag viele Situationen, in denen du aktive Werteerziehung konkretisieren kannst.

Sei dir deiner Vorbildfunktion bewusst

Kinder brauchen Vorbilder! Dieser pädagogische Ansatz hat eine besondere Bedeutung bei der Werteerziehung. Als Lehrer bist du eine Bezugsperson für die Schüler. Motiviere und sensibilisiere deine Schüler für die persönliche und soziale Bedeutung von Werten. Du als Lehrkraft und Wegbegleiter kannst und solltest dazu beitragen, dass deine Schüler ihre ganz eigenen Wertvorstellungen und -maßstäbe entwickeln.

Hannah Thömmes-Bonart hat Germanistik, Multimedia und Deutsche Literatur in Karlsruhe und Berlin studiert und zeichnet sich durch mehrjährige Erfahrung in unterschiedlichen redaktionellen und multimedialen Arbeitsbereichen aus.

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