Unterricht

Druck lass nach … Entlastungsmöglichkeiten für ein stressfreies Referendariat

„Der Tag hat 24 Stunden – und wenn das nicht reicht, dann nehmen Sie die Nacht dazu!“ Solche „Witze“ entlocken Ihnen nicht einmal mehr ein müdes Lächeln? Was aber kann man nun wirklich tun, wenn einfach alles zu viel wird?
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Stress ist im Referendariat leider der psychische Zustand, der den meisten Raum einnimmt und wegen der Berge von Arbeit regelrechte Lähmungserscheinungen hervorrufen kann. Dabei muss man sich trotz dieses belastenden Zustands bewusst sein, dass es ohne Stress im Lehrerberuf nicht geht – nie gehen wird.

Sucht man einen Weg aus der Stressfalle, muss man zunächst wissen, was genau diesen negativen Distress verursacht. Im Referendariat entsteht diese Situation in erster Linie aus Ängsten und Konflikten. Hin und her gerissen zwischen den verschiedenen Anforderungen, birgt die Arbeit mit der Vielzahl unterschiedlicher Situationen, auf die reagiert werden muss, oft Konflikte. Gleichzeitig steht im Referendariat die ständige Beurteilung an. Neben den Seminarlehrern ist man aber auch von den Schülern gefordert, die es zu führen und zu leiten gilt. In diesem Zusammenhang hat man natürlich auch Ansprüche an sich selbst, die zu den im Gesetz festgeschriebenen BUBE-Aufgaben (Beurteilen, Unterrichten, Beaufsichtigen, Erziehen) hinzukommen, und denen man genügen muss und möchte.

Nicht zuletzt ist der Rollenkonflikt zu erwähnen, der aus dem Wunsch entsteht, eine respektierte, aber doch schülernahe Lehrkraft zu sein, eine von Eltern geachtete und ernst genommene Pädagogin und gleichzeitig auch die sympathische und umgängliche Kollegin, die von der Schulleitung geschätzt wird.

So entsteht ein Gefühl von innerer Unruhe, ausgelaugt sein und bleierner Müdigkeit. Man resigniert vor einem schier unüberwindbaren Berg von Aufgaben und wünscht sich einen Tag, der nach acht Stunden Schlaf 24 Stunden zum Arbeiten bereithält.

Aber es gibt Möglichkeiten, Stress zu begrenzen:

  • die Vorbereitung: Schlecht geplanter Unterricht kostet Nerven. Bereiten Sie sich deswegen nach Möglichkeit gut vor. So verschwinden auch die Albträume.
  • entlastender Unterricht: Ihr Unterricht sollte für Sie nicht belastend sein. Werden Sie zum delegierenden Chef, der seine Schüler motiviert und selbstständig arbeiten lässt. Möglicherweise kostet diese Art des Unterrichts mehr Zeit zu Hause am Schreibtisch. Sind die schüleraktivierenden Materialien aber erstellt, hat man während der Arbeitsphasen die Möglichkeit, einzelne Schüler individuell zu betreuen oder auch mal durchzuatmen.
  • Einsatz verschiedener Lerntechniken: Es hilft, den Schülern verschiedene Lerntechniken beizubringen. Beherrscht die Klasse Lernzirkelarbeit, Selbstkontrolle oder diverse Gruppenarbeitstechniken, können Sie diese immer wieder einsetzen, um sich selbst aus dem Fokus der Stunde zu nehmen.

Wenn Sie denken, diese Tipps bergen bisher keine Möglichkeit, Arbeit zu reduzieren, sondern fordern von Ihnen im Referendariat nur noch mehr Engagement und Einsatzbereitschaft, dann nehmen Sie sich folgende Ratschläge zu Herzen:

Legen Sie den eigenen Perfektionismus ab. Niemand kann immer alles perfekt erledigen. Vor allem Unterricht – eine Situation der komprimierten sozialen Interaktion – beherbergt unglaublich viele unvorhersehbare Faktoren. Es gibt einfach Stunden, die nicht gut laufen, und Schüler, die man nicht erreicht.

Eine weitere Möglichkeit, ökonomisch zu arbeiten, ist die Konzentration auf eine oder zwei Klassen, während die übrigen mit wenig Arbeits- und Vorbereitungsaufwand nebenherlaufen. Steht bspw. eine arbeitsintensive Klausurvorbereitung an, könnten Sie in Ihrer anderen Klasse einen Film zeigen, eine Lektüre mit vielen (Vor-)Lesestunden halten oder eine Übungsphase mit Aufgaben aus Schulbüchern, zu denen es oft gute Lehrerhandreichungen gibt, einschieben. Ist die aufwendige Phase in der einen Lerngruppe vorbei, können Sie sich auf die zuvor mit weniger Aufwand bedachte Klasse konzentrieren.

Vor allem: Behalten Sie Ihren Humor und versuchen Sie, stressauslösende Faktoren und belastende Situationen – den eigenen Unterricht, ein anstehendes Elterngespräch oder die bevorstehende Hospitation – objektiv und mit etwas Abstand zu betrachten. Sie werden merken, dass viele Stressoren doch nicht ganz so existenziell sind, wie sie zuerst scheinen.

Und zu guter Letzt: Lästern Sie sich den Stress vom Hals. Es hilft, mit Gleichgesinnten zu sprechen, zu schimpfen und auch mal zu weinen. Sind die Konflikte von der Seele geredet, können Sie wieder befreit durchatmen.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte am Gymnasium. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“. Frau Mayer befindet sich ab Ende August 2014 im Mutterschutz mit anschließender Elternzeit.

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