Unterricht

Stressmanagement im Referendariat

Kaum jemand, der im Berufsleben steht, ist nicht mit Stress konfrontiert. Jeder Tag bringt immer neue Herausforderungen. Stress und Überforderung bis hin zu Burn-out sind in unserer Gesellschaft in erschreckendem Maße verbreitet – auch unter Lehrerinnen und Lehrern: 2010 ging jeder fünfte Lehrer aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Pension – viele von ihnen wegen psychischer Beschwerden und Stresserkrankungen. Aber auch Stress lässt sich managen und kontrollieren.
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Anforderungen und Erwartungen an Lehrerinnen und Lehrer

„Der Beruf des Lehrers ist abwechslungsreich, vielfältig, spannend und zukunftssicher“, so beschreiben zahlreiche Referendare die Gründe ihrer Berufswahl. Aber der Alltag in der Schule verlangt den Lehrkräften auch viel an Flexibilität, Belastbarkeit, Frustrationstoleranz und Empathiefähigkeit ab.

Lehrer sind nicht nur für die Wissensvermittlung zuständig, sondern sie übernehmen in zunehmendem Maße auch Erziehungsaufgaben, sind Ansprechpartner für ihre Schüler sowie deren Eltern bei Problemen. Dabei werden die Klassen im Hinblick auf den kulturellen Hintergrund und die kognitive Leistungsfähigkeit zunehmend heterogener. Hinzu kommen zahlreiche grundlegende Reformen und Veränderungen im Schul- und Bildungswesen wie die Umstellung auf das G8, die Einführung von Ganztagsschule, Inklusion etc. Oft fehlt es aber an personeller und finanzieller Ausstattung der Schulen, um diesen Anforderungen gerecht werden zu können.

Im Gegenzug rückt die Leistung der Schule aufgrund der starken Bedeutung von Bildung für die Zukunft von Gesellschaft und Wirtschaft stärker in den Fokus: Die Arbeit einzelner Schulen und Lehrkräfte wird zunehmend beobachtet und in nationalen und internationalen Vergleichsstudien bewertet.

Work-Life-Balance

Vor diesen Herausforderungen und in diesem Spannungsfeld stehen Referendare genauso wie Lehrkräfte mit vielen Jahren Berufserfahrung. Solange die Anforderungen als bewältigbar erlebt werden, reagiert der Mensch in Belastungssituationen mit Stressmechanismen, die dafür sorgen, dass man Probleme optimal lösen kann. Permanenter Stress hingegen schadet dem Menschen psychisch und physisch.

Geht die Ausgewogenheit zwischen Berufs- und Privatleben verloren und nimmt das Berufsleben zu viel Raum ein, bleibt nicht genügend Zeit für Erholung und Regeneration. Wenn die Anforderungen die Fähigkeiten und Möglichkeiten des Einzelnen übersteigen, kommt es zu Gefühlen der Unzulänglichkeit bis hin zur Verzweiflung. Aber gerade Lehrer benötigen für die Ausübung ihres Berufs eine stabile psychische Gesundheit. Sie sind immer auch Vorbild für ihre Schüler, an dem diese sich orientieren können müssen. Erhalten Sie sich daher die für Ihre Tätigkeit so wichtige Motivation, Begeisterungsfähigkeit, Ihren Idealismus und Ihr Engagement über viele Berufsjahre hinweg. Hierfür sind Strategien zur Stressvermeidung und Phasen der Erholung unverzichtbar:

1. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf.

Gerade in Zeiten hoher Belastung neigt man zu einer ungesunden Lebensweise mit Fast-Food-Produkten und zu wenig Pausen. Denken Sie daran, dass Abwechslung und Ruhephasen auch zu einem ausgeglichenen Leben sowie zur Gelassenheit beitragen, die Sie im Schulalltag dringend benötigen.

2. Nutzen Sie Maßnahmen des Zeitmanagements.

Eine hohe Arbeitsdichte und Zeitmangel sind die am häufigsten genannten Ursachen für Stress. Ein gutes Zeitmanagement hilft Ihnen dabei, sich Ihre Zeit optimal einzuteilen und das Wichtige in der richtigen Reihenfolge abzuarbeiten.

3. Überdenken Sie Ihre Prioritäten und eigenen Ansprüche.

Oft liegen die Ursachen für Stress auch an den eigenen überhöhten Ansprüchen. Berücksichtigen Sie bei der Bewältigung Ihrer Aufgaben die 80/20-Regel (auch Pareto-Prinzip genannt), die besagt, dass Sie 80 % der Aufgabe in 20 % der vorgesehenen Zeit erledigen, für die restlichen 20 % der Aufgabe allerdings die übrigen 80 % der Zeit benötigen. In den meisten Fällen reichen die 80 % der Aufgabe aber bereits aus, um sehr gute Ergebnisse zu erzielen.

Wahren Sie auch bei der Erledigung Ihrer dienstlichen Aufgaben eine professionelle Distanz und gestehen Sie sich ein erfülltes Privatleben zu.

4. Widmen Sie sich Ihren sozialen Kontakten.

Scheuen Sie sich nicht, erfahrene Kollegen um Unterstützung zu bitten. Streben Sie auch eine möglichst klare Trennung von Beruf und Freizeit an. Dazu gehört auch, dass Sie nicht alle sozialen Kontakte über den Beruf schließen, damit Sie in Ihrer Freizeit die Schule auch mal für ein paar Stunden ausblenden können.

Juliane Stubenrauch-Böhme, München, Gymnasiallehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch; Referentin in der Lehrerfortbildung; derzeit abgeordnet an die Staatliche Prüfungsstelle für Übersetzer und Dolmetscher sowie pädagogische Mitarbeiterin für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

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