Unterricht

Mnemotechniken im Unterricht erfolgreich einsetzen

Das Wort Mnemotechnik ist ein Kunstwort aus dem 19. Jahrhundert. Es bezeichnet Techniken, mit denen man sich etwas merken kann. Dazu gehören Eselsbrücken, kleine Merksätze, Reime, Bilder und so weiter. Die Mnemotechniken basieren auf dem Prinzip der Assoziationskette. Eine interessante und spannende Sache.

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Einfache Beispiele

Kleine Merksätze helfen dabei, zum Beispiel Rechtschreibregeln zu behalten. „Wer nämlich mit H schreibt ist dämlich“, diesen Satz kennt fast jeder. Genauso einfach ist der Spruch „6 mal 6 ist 36!“ Durch häufiges Wiederholen dieser Sätze bleibt ihr Inhalt besser haften. Oft gilt dabei sogar, dass sie umso leichter zu merken sind, je sinnloser der Wortlaut scheint.

Ein anderes Beispiel sind ganze Sätze. „Welcher Seemann liegt bei Nacht im Bett?“ Die Anfangsbuchstaben zeigen die ostfriesischen Inseln von Ost nach West: Wangerooge – Spiekeroog – Langeoog – Baltrum – Norderney – Juist – Borkum.

Geschichten

Man kann sich auch kleine Geschichten ausdenken. Versuchen Sie dies einmal mit Ihren Schülern. Zum Beispiel die Länder der Europäischen Union, beginnend mit dem größten Land könnte so anfangen: Auf den Eiffelturm rast ein Stier zu. Dieser wird von einem großen Elch verfolgt. Beide Tiere tragen ein Brandzeichen in Form eines Tores auf dem Fell ... Ganz klar, der Eiffelturm steht für Frankreich. Dann folgen Spanien (Stier) und Schweden (Elch). Das viertgrößte Land ist Deutschland, das Brandzeichen weist auf das Brandenburger Tor hin.

Acht Vorgehensweisen

  • Fantasie: Man stellt sich einfach zu bestimmten Begriffen Dingen vor und verknüpft diese miteinander.
  • Visualisierung: Hier wird ein bestimmter Prozess in Gedanken durchgenommen.
  • Logik: Ein bestimmtes System wird erkannt und dann angewendet.
  • Emotionen: Verknüpfung von Lerninhalten mit bestimmten Gerüchen, Gefühlen und Begebenheiten.
  • Transformation: Bilder ersetzen abstrakte Informationen.
  • Lokalisation: Bei der Loci-Methode werden Begriffen gedanklich bestimmte Plätze und Räume zugeordnet. So können die Erdteile im Klassenraum abgelegt werden – das ist sogar tatsächlich durchzuführen. Afrika liegt auf dem Lehrertisch, Australien im Regal und so weiter. Nun muss der Schüler nur in Gedanken die Stationen abgehen und wird alle Erdteile wiederfinden.
  • Assoziation: Hier werden Dinge miteinander verknüpft.
  • Prozessabfolgen können wie Stationen auf einem Spaziergang assoziiert und immer wieder abgerufen werden.

Natürlich sind alle Techniken miteinander kombinierbar, sodass das gewünschte Ergebnis noch besser erreicht wird.

Die Zahl-Form- Methode

Bei dieser Methode werden Dinge, die man sich der Reihe nach merken muss, mit bestimmten Symbolen verknüpft und eignet sich von daher am besten für Menschen, die in Bildern denken. Dazu müssen die Symbole zunächst gelernt werden.

0 = Ball, 1 = Kerze, 2 = Schwan, 3 = Dreizack, 4 = Kleeblatt, 5 = Hand, 6 = Elefantenrüssel, 7 = Fahne, 8 = Sanduhr, 9 = Golfschläger, 10 = beide Füße, 11 = 2 Spaghetti, 12 = Uhr mit Zeigern auf 12 ...

Will man sich zum Beispiel an eine Telefonnummer erinnern, fügt man die Symbole in der entsprechenden Nummernfolge gedanklich zu einem Bild zusammen.

Auswendiglernen von Gedichten

Schreiben Sie ein Gedicht an die Tafel. Nun muss es von mehreren Gruppen zusammen immer wieder laut vorgelesen werden. Als Gruppen können Sie frei wählen: Jungen, Mädchen, Schüler im roten Pullover, Schüler ohne roten Pullover usw. Die Schwierigkeit ist, dass immer mehr Worte des Gedichts weggewischt werden. Zum Schluss wird noch immer jeder auf die Tafel schauen, auch wenn da nichts mehr steht – aber meistens kann die ganze Klasse nach spätestens 20 Minuten das Gedicht frei aufsagen!

Wer das an einem Whiteboard ausprobieren will, sollte das Wort nicht löschen, sondern xxx an die Stelle schreiben.

Mnemotechniken ersetzen sicherlich nicht das Lernen, aber sie können es erleichtern und hilfreich sein.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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