Unterricht

Als Referendar Aufsätze planen, schreiben und beurteilen

„In Deutsch kann man nur dann gut sein, wenn man die Meinung des Lehrers trifft …“ Aussagen wie diese kennt wohl jeder Deutschlehrer und man hat immer wieder damit zu tut, diese zu widerlegen. Andererseits ist es – gerade für angehende Deutschlehrer – auch eine Herausforderung, die einzelnen Aufsatzarten zu lehren und die Schülerarbeiten transparent zu korrigieren und gerecht zu bewerten. Natürlich kommt mit steigender Berufserfahrung auch die Souveränität in allen Bereichen, doch bis dahin musst du nicht verzweifeln. Folgender Artikel enthält Tipps für die Schreiblehre, die alle erfahrungserprobt sind und dir eine erste Hilfe sein können.
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Ich gehe hier nicht auf schreibdidaktische Grundlagen ein, halte mich nicht bei der Methodik des Schreibens auf und streife auch die Theorie der Schreiberziehung im Deutschunterricht nur am Rande. Das sind alles Schlagwörter, die allein ganze Bücher füllen. Ich berichte aus der Praxis, versetze mich noch einmal in meine Anfänge als Deutschlehrerin und fasse das zusammen, was mich persönlich weitergebracht hat, was mir Sicherheit gegeben hat und was auch heute noch die Grundlagen meiner Schreiberziehung sind.

  • Ausgangspunkt ist der Lehrplan, an dem du dich unbedingt orientieren musst.
  • Zugleich gibt es auch schulinterne Absprachen, die du beachten solltest. Hier sind Absprachen mit den parallel unterrichtenden Kollegen sehr hilfreich!
  • Wirf einen Blick in das Schulbuch und besorge dir am besten auch die dazu passende Lehrerhandreichung, denn die dort enthaltenen Lösungen und Musteraufsätze geben dir Orientierung.

Bewertungsrelevant sind drei Teile: Aufbau/Form, Inhalt und Sprache, und genau darauf musst du im Unterricht die Schwerpunkte legen.

  • Wie ist die Schreibform aufgebaut?
  • Wird eine Gliederung, ein Schreibplan o. Ä. verlangt?
  • Gibt es formale Kriterien, die du den Schülern beibringen musst?
  • Um welche Inhalte soll es gehen?
  • Welche grammatikalischen Phänomene können integrativ behandelt werden?
  • Welchen Sprachstil verlangt die Aufsatzart?

Die Kapitel der Schulbücher legen darauf die Schwerpunkte, und du hast somit ein Raster an der Hand, das dir hilft, den Ablauf der Sequenz und der einzelnen Stunden zu planen.

Gehe nun Schritt für Schritt vor und erläutere und übe die Teile einzeln. Manchmal ist es gut, zunächst die Reihenfolge aufzubrechen – vertraue hier auf dein Gefühl und überlege, was dir sinnvoll erscheint. Ich erkläre meinen Schülern oft, wie beispielsweise eine Einleitung in diesem oder jedem Fall auszusehen hat, und lasse sie die wichtigsten Kriterien ins Heft notieren. Dann bekommen sie eine Musterlösung und müssen zunächst „überprüfen“, ob alle von mir genannten Merkmale enthalten sind.

Anschließend sollen sie selber eine Einleitung verfassen, wobei sie sich sprachlich und formal an der von mir ausgeteilten orientieren dürfen – inhaltlich muss sie aber zu dem von mir gestellten Thema passen. Analog verfahre ich mit allen anderen Teilen der Schreibform. So haben die Schüler jeweils die theoretischen Merkmale in Merkkästen im Heft stehen, sie haben eine Musterlösung, mit der sie gearbeitet haben, und sie haben schon einen ersten selbst verfassten Text.

Danach bekommen sie ein neues Thema und müssen – unter Zuhilfenahme ihrer Hefteinträge und der Musterlösungen und auch der Kapitel im Schulbuch – einen vollständigen Aufsatz verfassen, den ich dann korrigiere.

Aus diesen Übungsaufsätzen „bastle“ ich einen äußerst fehlerhaften, den ich für alle kopiere und den wir gemeinsam verbessern. Hier baue ich all dies ein, was mir besonders wichtig ist. Somit wissen alle Schüler, worauf ich Wert lege und worauf sie besonders achten müssen.

Und auch ich habe die Bewertungskriterien vor Augen, was mir bei der Korrektur und der Schlussbemerkung zur Begründung der Note hilft. Ihren eigenen Übungsaufsatz müssen die Schüler im Anschluss individuell verbessern.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg.

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