Unterricht

An einem Strang – Bildungspartnerschaften können mehr

Schule braucht Lehrer und Schüler. Schule braucht aber auch Eltern, die die Kinder und Lehrer unterstützen, um die bestmögliche Lernsituation für Kinder schaffen zu können. Das klingt im ersten Moment plausibel – doch aus Sicht der Lehrer haben Eltern oft nicht viel im Unterricht verloren, und Eltern sind meisten ganz froh, wenn sie nicht länger als nötig im Schulgebäude verweilen müssen. 
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Doch das ist schade. Es wird dabei so viel Potenzial und vor allem positive Verstärkung einfach verschwendet. Denn während der gesamten Schulzeit können Schüler von den Eltern profitieren. Und auch dem Lehrer und nicht zuletzt gerade den Referendaren kann die Zusammenarbeit mit Eltern sehr viel Zeitersparnis und auch Wissenszuwachs bringen.

Die klassische Variante wird oft belächelt, sollte aber als fester Bestandteil des Unterrichts angesehen und gebührend gewürdigt werden. Eltern helfen im Unterricht mit. Hier können ganz einfache Aufgaben übernommen werden, wie Übungen beim Lesen, Abfragen von Vokabeln oder auch zusätzliche Aufsichten beim Sport oder Schwimmen. Ganz klar ist, dass bei allem die Verantwortung bei den Lehrkräften liegt und die Eltern nur helfend eingreifen können. Dies Mithelfen im Unterricht kann jedoch eine große Arbeitserleichterung sein. So bleibt Zeit für andere Aufgaben, und die Schüler bekommen Sachverhalte noch einmal anders dargestellt. Aber: Eltern, die hier mithelfen, müssen die Schweigepflicht einhalten und sollten nicht mit ihren eigenen Kindern arbeiten.

Ausflüge und Unterrichtsgänge können von Eltern begleitet werden. Inwieweit ein Elternteil als Begleitung ausreicht oder evtl. noch eine weitere Person aus dem Kollegium dabei sein muss, hängt von den Vorgaben der Bundesländer bzw. der jeweiligen Schule ab. Aber auch hier gilt natürlich, dass eine zusätzliche Person immer gebraucht werden kann, wenn es um die Betreuung von Kindern geht. Ausflüge können ggf. auch eine gute Möglichkeit sein, mit Eltern ins Gespräch zu kommen, zu denen sonst kein guter Kontakt besteht. Das Austauschen über Allgemeines kann eine gute Basis für ein kommendes Gespräch sein.

Aber Eltern können noch viel mehr als einfach nur zuarbeiten. Eltern sind Experten – ob im Beruf oder als Hobby. Sie werden überrascht sein, wie viel Wissen da schlummert, das Sie in Ihrem Unterricht einsetzen können, wozu Sie sonst womöglich externe Experten hätten engagieren müssen. Die Mutter, die gern Kleider schneidert, kann in der Projektwoche miteinspringen. Die Zahnärztin informiert über Zahnpflege und -gesundheit und kann die Angst vor einem Zahnarztbesuch nehmen, und der Busfahrer erzählt den Schülern etwas über Sicherheit im Straßenverkehr und wie sich die Schüler zu verhalten haben.

Das sind nur ganz wenige Beispiele, in Wirklichkeit ist das Bild viel umfangreicher und jedes Jahr wieder ganz anders. Natürlich kann niemand zur Mitarbeit gezwungen werden, aber die meisten Eltern tun das gern – sie müssen nur gefragt werden.

Es lohnt sich, auf Elternabenden immer wieder zur Mitarbeit aufzurufen und eventuell ein Art Kartei anzulegen, die im Lehrerzimmer steht und befragt werden kann, wenn wieder ein Experte gebraucht wird.

Auf diese Art und Weise öffnet sich die Schule. Von dieser Öffnung können alle nur profitieren und gemeinsam zu echten Bildungspartnern werden, die Schule für die Schüler gestalten.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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