Unterricht

Vom Jahresplan zur Unterrichtsstunde

Da liegt es, das dicke Schulbuch. Daneben der Jahreskalender – die Schulwochen rot markiert. Obendrauf thront der Lehrplan, prall gefüllt mit wichtigen Themen, die alle untergebracht werden müssen in den Schulstunden von September bis Juli. Vom Jahresplan zur Unterrichtsstunde scheint es ein steiniger Weg zu sein. Wie du ihn beschreiten kannst, ohne zu stolpern, zeigt dir der folgende Beitrag.
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Schuljahresabschnitte

Das Schuljahr ist durch die Ferien vorstrukturiert. Hänge dir einen übersichtlichen Kalender neben deinen Schreibtisch und trage schon bekannte Termine ein:

  • Wann sind Feiertage?
  • Welche deiner Klassen ist wann auf Klassenfahrt?
  • Wann bist du selbst bei Seminartagen?
  • Welche Exkursionen oder andere schulinterne Termine stehen schon fest?
  • Für welche Klassen stehen Praktika oder Projektwochen an?

Im Laufe des Schuljahres kannst du diesen Kalender immer wieder ergänzen.

Grobplanung mithilfe des Lehrplans

Ziehe nun den Lehrplan heran und versuche, die einzelnen Sequenzen auf deinen Jahresplan zu verteilen. Das Schulbuch leistet dir hier unterstützende Dienste, da du anhand der Kapitelaufteilung und des Kapitelumfangs erkennen kannst, wie viel Zeit du ungefähr für ein Themengebiet einplanen solltest. Reserviere dabei am Ende eines Kapitels immer mindestens eine „Pufferstunde“, die du heranziehst, wenn die Zeit knapp wird.

Hilfreich ist es in dieser Planungsphase auch, die Sequenzen zu priorisieren. Arbeite mit verschiedenen Farben und markiere, welche Themen unerlässlich für Leistungserhebungen sind, welche sich bspw. für Referate oder Gruppenprojekte anbieten und welche eher die Kür darstellen, also nicht zwingend ausführlich behandelt werden müssen. Ein weiterer Tipp: Bemühe dich um einen korrekten thematischen Abschluss des Schuljahres, damit der Lehrer, der die Klasse im folgenden Jahr übernimmt, nahtlos anknüpfen kann.

Überlege auch, wann du Leistungserhebungen einplanen willst oder musst, und trage diese ebenfalls in deine Übersicht ein.

Unterrichtsplanung

Bevor du in die Planung deiner Unterrichtsstunden gehst, musst du dir einen Überblick verschaffen:

  • Was willst du vermitteln? (Inhalt)
  • Wie willst oder kannst du es vermitteln? (Methode)
  • Womit gelingt die Vermittlung am besten? (Medien) Ziehe das Schulbuch zurate und orientiere dich am dortigen Aufbau und den Aufgaben. Notiere Fachbegriffe, die unerlässlich sind, und die passende – schülergerechte – Erklärung dazu. Wenn du zusätzliche anschauliche Beispiele suchst, dann helfen oft Kinder- und Jugendsachbücher weiter. Sieh nach, welche Materialien die Fachsammlung deiner Schule bietet. Überlege, welche Medien du einsetzen möchtest und inwiefern diese zur Verfügung stehen.

Jede Unterrichtsstunde hat nun folgende Struktur:

  • Einstieg
  • Erarbeitungsphase
  • Ergebnissicherung
  • Abschluss

Und jede Phase hat natürlich ihre Aufgabe, es gibt aber unzählige Möglichkeiten, sie zu gestalten. Im Laufe des Lehrerdaseins eignest du dir ein breites Repertoire an methodischen Kniffen an, die es dir erlauben, flexibel, variabel und individuell zu unterrichten. Um diese Sicherheit zu erlangen, ist es aber wichtig, das Stundengerüst zu verinnerlichen und sich auch immer wieder darauf zu besinnen. Und auch nach langjähriger Lehrertätigkeit ist eines gewiss: Eine gut strukturierte Stunde läuft immer besser – es lohnt sich also, Zeit in die Planung zu investieren.

Hast du den Inhalt deiner Unterrichtsstunde oder -reihe festgelegt, musst du dir Gedanken über die Ziele der Stunde machen. Was sollen die Schüler fachlich lernen, welche Methoden sollen sie kennenlernen und einsetzen und welche sozialen Ziele strebst du an? Mehr als ein oder maximal zwei Ziele wirst du wohl nicht umsetzen können – das ist aber auch in Ordnung.

Beginne mit einem motivierenden, interesseweckenden Einstieg.

In der Überleitung zur Erarbeitungsphase legst du nun wieder Prioritäten fest: Was soll der Kern der Stunde sein? Sollen die Schüler möglichst viele Informationen zu einem Thema erhalten oder sollen sie eine spezielle Methode sicher anzuwenden lernen. Dementsprechend teilst du die Unterrichtszeit ein.

Räume anschließend auch für die Ergebnissicherung angemessene Zeit ein. Die Wiederholung der wichtigsten Fakten nimmt weniger Zeit in Anspruch als die Präsentation aller Ergebnisse einer Gruppenarbeit.

Den Abschluss bildet der Ausblick auf die nächste Stunde: Welche Hausaufgaben gibst du auf? Was wird Thema der kommenden Rechenschaftsablage sein? Wo werdet ihr thematisch anknüpfen? Und hier hast du dann vielleicht schon einen neuen Einstieg in die nächste Unterrichtsstunde …

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg.

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