Unterricht

Unterrichtsvorbereitung - so gelingt die Stunde

Fragt man Lehramtsstudenten, was das Schlimmste im Unterricht sei, dann antworten die: ungerechte Lehrer. Ein anderes Problem ist fast gleichwertig: unvorbereitete Lehrer. Schon im ersten Praktikum merken viele, dass es gar nicht so einfach ist, Unterricht wirklich gut vorzubereiten. Viele Faktoren müssen berücksichtigt werden. Und vor lauter Nervosität darf man nicht plötzlich alles vergessen.
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Zwischen den Stühlen

Zunächst einmal sitzt man als Referendar zwischen allen Stühlen. Das Seminar hat Ansprüche, das Kollegium hat Vorstellungen, die Eltern haben Erwartungen in Bezug auf den Standard, und auch die Schüler möchten interessanten Unterricht erleben. Und schließlich hat auch jeder seine eigenen Ideen. Aber wer nur ein ganz klein wenig den Blickwinkel ändert, kann darin große Chancen sehen. Referendare haben im Normalfall wesentlich weniger Stunden abzuleisten als Lehrer und daher mehr Zeit, sich auf den Unterricht vorzubereiten. Durch das Seminar und den Austausch mit anderen entstehen neue Ideen und Anregungen. Niemand erwartet den perfekten Unterricht. Und Referendare können sich noch eher in Schüler hineinversetzen.

Thema bestimmen und informieren

Egal, was Sie planen, Sie müssen sich selbst erst einmal mit dem Thema auseinandersetzen, damit Sie einen deutlichen Wissensvorsprung vor den Schülern haben. Ein Schulbuch kann eine erste Informationsquelle sein, aber keine alleinige. Denken Sie immer daran, dass die Schüler manchmal mehr wissen wollen, als in den Büchern steht. Sammeln Sie Informationen und schreiben Sie sie auf. Haben Sie keine Angst vor Schülern, die doch einmal mehr wissen als Sie – im Gegenteil, nutzen Sie deren Wissen.

Lerngruppe möglichst genau analysieren

Es ist wichtig für Ihre Planung, dass Sie Ihre Lerngruppe analysieren. Eine Stunde, die in der einen Gruppe gut funktioniert, kann in einer anderen Gruppe komplett anderes verlaufen. Das hängt von vielen Faktoren ab. Beziehen Sie folgende Punkte in Ihre Planung mit ein:

  • Wie setzt sich die Lerngruppe zusammen? Hier ist der Leistungsstand zunächst einmal unwichtig. Dafür stellt sich die Frage: Wie viele Jungen, wie viele Mädchen sind in der Klasse? Gibt es Kinder mit Migrationshintergrund, Schüler mit Defiziten im sozialen Bereich oder auch mit körperlichen Behinderungen? All das müssen Sie bedenken.
  • Gibt es besondere Auffälligkeiten? Beachten Sie die Arbeitsformen, die die Schüler kennen und beherrschen. Sie können nicht mit einer Klasse, in der bislang Gruppenarbeit nicht zum Einsatz kam, plötzlich eine große Gruppenaktion planen. Gibt es Formen, die in der Klasse besonders gut durchgeführt werden können? Und nicht ganz unwichtig: Wer kann nicht mit wem zusammenarbeiten?
  • Welchen Leistungsstand hat die Klasse? Hier ist es wichtig, zunächst den allgemeinen Stand im Blick zu haben, dann aber auch den individuellen. Gibt es vielleicht Schüler, die deutlich mehr können und andere Aufgaben bewältigen müssen? Brauchen andere Schüler dagegen noch Hilfen? Kann man dies eventuell kombinieren?

Zusammenführen der beiden Überlegungen

Nun müssen Sie diese beiden Bereiche zusammenfügen. Mit welcher Arbeitsform können Sie Ihren Schülern das Wissen bestmöglich vermitteln? Hier gibt es nicht die eine Lösung, sondern viele.

Beachten Sie aber bei all Ihren Planungen: Je mehr Schüler aktiv etwas tun, desto mehr Schüler wenden Wissen an und lernen etwas. Wechseln Sie immer mal wieder die Arbeitsformen.

Arbeiten Sie mehrkanalig (hören, sehen, fühlen, anwenden ...). Schreiben Sie konkret auf, was die Schüler mehr können oder wissen sollen.

Vergegenwärtigen Sie bei Ihrer Planung immer wieder, ob Sie das Ziel noch im Auge haben und wie Sie das in dieser oder der nächsten Stunde überprüfen können.

Hilfen bei der Durchführung

Punkte aufschreiben: Eine Ablaufliste kann helfen! In Form einer Tabelle sind alle wichtigen Punkte schnell erkennbar. Außerdem können Sie hier sowohl die Aktivitäten der Schüler als auch Ihre eigenen gut vermerken. Mit Farben können hier Punkte sichtbar gemacht werden, die den Ablauf erleichtern.

Satzanfänge notieren: Mit kleinen Klebezetteln auf dem Pult können hier schnell ein paar Sprachpausen überwunden werden.

Materialien und Geräte kontrollieren: Sind alle Materialien vorhanden und funktionieren sie auch?

Alternativen überlegen: Es ist niemals ganz sicher, dass alles so abläuft wie geplant – im Gegenteil. Alternativen, die man sich vorher überlegt, können helfen.

Direkt vor der Stunde: Bevor die Stunde anfängt, hilft es, noch einmal tief durchzuatmen und dann zu beginnen.(MS)

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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