Unterricht

Bausteine für spontane Vertretungsstunden

Gelegentlich kommen Sie in die Verlegenheit, eine spontane Vertretungsstunde halten zu müssen. 30 Minuten vor „Einsatzbeginn“ stehen Sie vor Rahmenbedingungen wie:
  • Ich kenne die Klasse nicht.
  • Ich habe kein Arbeitsmaterial erhalten.
  • Ich habe das zu vertretene Fach noch nie unterrichtet.
Wie Sie diese Stunde dennoch meistern, erfahren Sie in diesem Beitrag.
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Damit die Schüler nicht vor Langeweile anfangen, Unsinn zu machen, und die Stunde im Chaos endet, sollte man einige Ideen in petto haben, die den Schülern Spaß machen, die eigenen Nerven schonen und nicht völlig sinnfrei sind. Das können z. B. Spiele sein, die neben einem angenehmen Zeitvertreib auch noch weiteren Zielen dienen:

  • Stärkung der Klassengemeinschaft
  • Entwicklung von Selbstbewusstsein
  • Abbau von Spannungen
  • Förderung der Kreativität
  • Entspannung durch Auszeit aus dem Schulalltag
  • Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit

Eine weitere Möglichkeit, spontane Vertretungsstunden interessant zu gestalten, ist die Leseförderung. Lesen ist eine Schlüsselkompetenz, die jeder Schüler seine gesamte Schullaufbahn hindurch in jedem Fach benötigt. Hier trifft die Theorie „Lesen lernt man nur durch Lesen“ immer wieder auf die Problematik der fehlenden Lesemotivation. In einer Vertretungsstunde haben Sie Zeit und Raum, Lesen zum Ereignis werden zu lassen und als Möglichkeit anzubieten, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Nachfolgend finden Sie einige Anregungen, die sich spontan und einfach, ohne großen Aufwand oder weitere Vorkenntnisse verwirklichen lassen.

Reise nach Jerusalem mit Tierpaaren

Vorbereitung/Material:

  • Karten mit Tierpaaren
  • Platz in der Mitte des Klassenzimmers
  • Stühle (halbe Teilnehmerzahl minus eins)
  • Musik

Jeder Teilnehmer bekommt ein Kärtchen mit einem Tiernamen. Die Stühle sind wie bei der „normalen“ Reise nach Jerusalem aufgebaut. Läuft die Musik, müssen alle durcheinanderlaufen und die Kärtchen tauschen. Achtung: Hier wird gerne geschummelt. Es ist hilfreich, den Schülern nicht zu viel Zeit zu geben. Sobald die Musik aus ist, muss jeder sein Tier durch Geräusche und Bewegungen darstellen, seinen entsprechenden Partner finden und sich zu zweit auf einen Stuhl setzen. Das Paar, welches keinen Platz bekommt, scheidet aus.

Supergrips

Vorbereitung/Material:

  • Plakat bzw. Tafel mit dem Alphabet
  • eine Liste mit „Supergrips-Begriffen“, die man im Vorfeld gemeinsam sammeln kann
  • Edding
  • Einteilung der Klasse in zwei Gruppen

Gruppe A sucht einen Buchstaben aus, z. B. „M“. Die Spielleitung streicht den Buchstaben aus dem Alphabet und sucht aus der Liste einen Begriff heraus, zu dem eine Frage gestellt wird, z. B. „Welches ‚M‘ wird Kindern gerne vor dem Einschlafen erzählt?“ Wer sich zuerst meldet, darf die Antwort „Märchen“ geben. Jede richtige Antwort gibt einen Punkt, bei einer falschen darf es die andere Gruppe versuchen.

Variante: Die „Supergrips-Begriffe“ dürfen nur aus einem bestimmten Fach, einem speziellen Themenkreis usw. stammen.

Zahlentausch

Vorbereitung/Material:

  • Zettel entsprechend der Teilnehmerzahl
  • Platz in der Mitte des Klassenzimmers
  • Stühle

Die Schüler sitzen im Kreis, es wird durchgezählt und jeder merkt sich seine Zahl und schreibt sie auf den Zettel. Die Zettel werden anschließend eingesammelt und neu verteilt. Ein Freiwilliger steht in der Mitte und nennt zwei Zahlen (nicht seine eigene!). Die beiden genannten Teilnehmer müssen ihre Identität bzw. ihre Zahl vor dem Spieler in der Mitte geheim halten, es aber schaffen, sich gegenseitig nonverbal zu erkennen und den Platz tauschen. Der Schüler in der Mitte versucht während der Platz-Tausch-Aktion einen der beiden frei werdenden Stühle zu ergattern. Der Spieler ohne Platz nennt die nächsten Zahlen.

Varianten:

  • Tiernamen
  • Fantasienamen die von den Schülern an die Tafel geschrieben werden, während der Freiwillige vor der Türe wartet.

Fazit

Sie sehen: Mit nur geringem Einsatz und Aufwand im Vorfeld lassen sich auch spontane Vertretungsstunden bewältigen.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte am Gymnasium. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Hand-schriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg. Frau Mayer befindet sich ab Ende August 2014 im Mutterschutz mit anschließen-der Elternzeit.

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