Zusatzqualifikationen aufbauen

Was soll ich denn noch alles können?

Die ursprüngliche Vorstellung könnte so ausgesehen haben: zwei oder drei Fächer studieren (je nach Bundesland und Schulstufe), in denen man Experte ist und den Schülern Wissen beibringt. Man hat genug Zeit zur Vorbereitung, gibt Bewertungen ab und berät. Das sollte es eigentlich gewesen sein. Die Realität sieht meist jedoch anders aus: Vertretungsstunden. Erste Hilfe, Lernstrategien, Gesprächsführung, Bildungspartnerschaften, mediales Wissen, , Absprachen mit Kollegen im multiprofessionellen Team und so weiter. Von all dem war auf der Hochschule nie die Rede.
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Wie kann man das nun schaffen? Denn neben dem Unterricht gibt es auch noch die Arbeit im Seminar, und es stehen Unterrichtsbesuche an. Und irgendwann kommt auch das zweite Staatsexamen. An Fortbildung ist dabei eigentlich nicht zu denken, oder?

Lassen Sie sich nicht von dem ersten Praxisschock verunsichern – Sie kommen in ein völlig neues Metier und vieles ist erst einmal anders und ganz neu.

Konzentration auf die eigentlichen Aufgaben

Ihre Aufgabe ist es nun, sich mit der Schule und der Schulumgebung vertraut zu machen. Lernen Sie alle Menschen kennen, mit denen Sie ab jetzt zusammenarbeiten. Wer hat welche Aufgabe, welche Schülergruppen kommen auf Sie zu, was für besondere Angebote macht Ihre Schule. Dabei können Sie gleich ein wenig darüber nachdenken, wo Sie sich einbringen möchten. Und egal, ob es sich um sprachliche, musische, künstlerische oder technische Fähigkeiten handelt: Sagen Sie, was Sie machen können.

Ihre Hauptaufgabe besteht nun darin, sich selbst weiter auszubilden und dabei Praxiserfahrungen zu sammeln, Schüler zu unterrichten und das vornehmlich in den Fächern, die Sie studiert haben. Zwischendurch kann es immer wieder zu der einen oder anderen Vertretungsstunde in einem Ihnen fremden Fach kommen. Ihr Fach sollten Sie beherrschen – in einer Vertretungsstunde erwartet man aber eher, dass Sie die Inhalte auf der Grundlage des in Ihrer eigenen Schulzeit erworbenen Wissens vermitteln. Fragen Sie, wenn es möglich ist, den Lehrer, den Sie vertreten sollen, und lassen Sie sich im besten Fall von ihm Materialien geben, die Sie mit den Schülern bearbeiten können.

Vieles andere, wie z. B. das Führen von Elterngesprächen, können Sie lernen. Bitten Sie möglichst oft darum, Ihre Kollegen und Kolleginnen dabei begleiten zu dürfen. Auch das ist ein Teil Ihrer Ausbildung: Fragen, zuschauen, beobachten, und das, so oft Sie können. Sie werden bemerken, welche Strategien gut sind und welche eventuell Schwierigkeiten mit sich bringen.

Weiterbildung auf später verschieben

Es ist gut und schön und vor allem wünschenswert, wenn Sie sich weiterbilden möchten – aber eine Weiterbildung in der Ausbildung kann sehr anstrengend sein. Bewahren Sie dafür Ihre Begeisterung und planen Sie dies in den nächsten Jahren ein. Bei allem, was Sie sich diesbezüglich überlegen, sollten Sie in Ihrer zweiten Phase der Ausbildung neben Schule und Seminar nichts machen, was noch mehr Kraft und Aufmerksamkeit erfordert. Es ist jedoch gut, sich schon mal zu informieren, was es noch für Möglichkeiten gibt, die Ihnen helfen, sich nach Ihrer Ausbildung weiterzubilden.

Drei Dinge nicht aus den Augen verlieren

Über drei Sachen sollten Sie jedoch nachdenken: Es kann bei Ihren Schülern immer mal zu Unfällen und Verletzungen kommen. Da ist es gut, sich ein wenig auszukennen. Die Erste-Hilfe-Ausbildung aufzufrischen kann in keinem Fall schaden. Im Zuge der zunehmenden inklusiven Ausrichtung an Schulen erkundigen Sie sich auch danach, ob es Schüler in Ihrer Klasse gibt, die vielleicht besondere Förderung brauchen. Es ist gut, sich nicht nur darüber klar zu sein, dass irgendwann einmal ein Problem auftreten könnte, sondern zu wissen, was man in dem Fall tun muss.

Behalten Sie auch die mediale Entwicklung im Auge. Es muss nicht jede neue Technologie in der Schule eingesetzt werden, aber es muss auch nicht alles draußen bleiben. Es ist sinnvoll, Schüler an Anwendungen wie Recherche und den Umgang mit Textverarbeitung heranzuführen.

Außerdem können Sie ggf. darüber nachdenken, eine Ausbildung zu machen, die Sie berechtigt, mit Schülern schwimmen zu gehen. Das ist nicht nur gut, um Ausflüge und Klassenfahrten zu gestalten, sondern auch, um beim Schwimmunterricht als Begleitkraft eingesetzt werden zu können, selbst wenn man kein Sportlehrer ist.

Ausgleich schaffen

Was für Sie jetzt aber ganz wichtig ist – und dazu kann das Ablegen der Schwimmlizenz schon ein wenig beitragen – ist, einen Ausgleich zu schaffen. In Ihrem Beruf dreht sich eine Menge um die Schule – das muss es privat nicht auch noch tun. Sonst geht Ihnen bald die Energie aus, die Sie unbedingt für Ihren Beruf benötigen. 

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.