Basics Referendariat

Wie viele Lehrer braucht das Land? Stellenaussichten: der aktuelle Stand

„Junglehrer: Trotz Einser-Examen keine Stelle“ vs. „Lehrermangel in Berlin“– die Schlagzeilen deutscher Zeitungen zu den Berufsaussichten von Lehrerinnen und Lehrern zeichneten Anfang dieses Jahres ein heterogenes Bild. Überfluss hier und Mangel dort. Doch wie sieht es wirklich aus? Wie viele Lehrer braucht das Land? Und wie sehen die Perspektiven nach dem Referendariat aus?
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Wie immer, wenn es um das Thema „Bildung“ geht, kann man auch hier keine einheitliche Aussage treffen. So hat man aktuell – wie in den Zeitungsschlagzeilen angesprochen – gute Aussichten auf eine Einstellung in Berlin, während vor allem Gymnasiallehrer in Bayern kaum eine Chance haben.

Aktuell sind an allen deutschen Schulen ca. 795.000 Lehrkräfte beschäftigt, die 11,3 Millionen Schüler unterrichten. Bis 2025 wird die Zahl der Schüler nach Berechnungen der KMK auf etwa 9,4 Millionen Schüler sinken (vgl. www.kmk.org/statistik/schule/statistische-veroeffentlichungen/vorausberechnung-der-schueler-und-absolventenzahlen.html 1).

Der sinkenden Schülerzahl gegenüber steht die große Zahl an Lehrkräften, die in den nächsten Jahren pensioniert werden. 2012 wurden mit 24.400 „Neu-Pensionären“ so viele Lehrkräfte in den Ruhestand verabschiedet wie nie zuvor. Eine Entwicklung, die auch in den folgenden Jahren anhalten wird. Nach einer Studie der EACEA aus dem Jahr 2009 ist fast die Hälfte aller Lehrkräfte in Deutschland über 50 (vgl. eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/key_data_series/105EN.pdf Seite 182 2).

Experten schätzen, dass zwischen 2007 und 2020 bis zu 460.000 Lehrkräfte in den Ruhestand gehen werden. Auf Basis dieser Zahlen kommt die KMK zu der Einschätzung, dass zwischen 2010 und 2020 „mit einem jährlichen Einstellungsbedarf von rund 28.000 Lehrerinnen und Lehrern in den 16 deutschen Ländern“ zu rechnen ist (vgl. www.kmk.org/presse-und-aktuelles/meldung/lehrereinstellungsbedarf-und-lehrereinstellungsangebot-in-der-bundesrepublik-deutschland-modellrec.html 3).

Die frohe Botschaft lautet also: Die Perspektiven auf eine Beschäftigung sind grundsätzlich gut. Sie unterscheiden sich aber je nach Region, Schultyp und Fächerkombination.

Regionale Unterschiede

Die besten Perspektiven auf eine Anstellung bieten die neuen Bundesländer. Hier werden jährlich mehr Lehrkräfte eingestellt, als in den jeweiligen Ländern ausgebildet werden. In den westlichen Bundesländern drängen hingegen jährlich 16 % (ca. 4.000) mehr Lehrerinnen und Lehrer auf den Markt, als tatsächlich benötigt werden.

Betrachtet man zusätzlich die prognostizierte Entwicklung der Schülerzahlen, spricht vieles für die östlichen Bundesländer. Die erwarteten sinkenden Schülerzahlen betreffen im Bereich der allgemeinbildenden Schulen ausschließlich den Westen. Im Osten werden bis 2025 sogar leicht steigende Zahlen erwartet. (1)

Schulformen

Den größten Bedarf an Lehrkräften haben die beruflichen Schulen. Hier ist seit vielen Jahren die Nachfrage höher als das Angebot. Dies wird nach den Prognosen auch in den nächsten Jahren weiter so sein.

An Grundschulen herrscht aktuell ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

Fächer

Der fächerspezifische Einstellungsbedarf unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Im Allgemeinen lässt sich Folgendes feststellen (im Folgenden werden im Wesentlichen die Inhalte des Bericht_Modellrechnung der KMK (S. 19 u. 20) zusammengefasst bzw. zitiert):

Im Primarbereich wird ein hoher Einstellungsbedarf für die Fächer Chemie, Physik, Englisch, Musik/Kunst/Gestaltung/Werken und Sport prognostiziert. Gute Chancen bestehen auch in Sozialkunde/Gesellschaftslehre/Politik und evangelischer Religionslehre. Relativ gering ist die Nachfrage bei Geschichte, Biologie und katholischer Religionslehre.

In den sonderpädagogischen Lehrämtern wird kurz- bis langfristig in nahezu allen Förderschwerpunkten Einstellungsbedarf erwartet.

Fazit

Die Bedarfsprognosen zeichnen ein positives Bild der Perspektiven für Junglehrerinnen und Junglehrer. Die KMK geht davon aus, dass bis 2020 90 % aller Bewerberinnen und Bewerber eingestellt werden. Hier wird es sicher interessant sein, in sechs Jahren zu schauen, ob sich diese Prognose erfüllt hat.

Der Autor Matthias Kley arbeitet seit über 15 Jahren als Texter und Autor für verschiedene Schulbuchverlage.

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