Kolumne

Augen auf bei der Fächerwahl

Nicht alle Lehrer bleiben für den Lauf ihres Berufslebens zufrieden mit der Wahl ihrer Unterrichtsfächer. Daher sollte die Auswahl der Fächer unter Kriterien erfolgen, die eine Arbeitsbelastung und Berufszufriedenheit auch für die Zukunft mit berücksichtigen.
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Ich unterhalte mich mit meinen Schülern über Zukunftspläne und -träume.

„Ich werde Lehrer!“, ruft Jonas laut in die Klasse. „Morgens halte ich Unterricht, mache dann Mittags ein Schläfchen und treibe anschließend mehrere Stunden Sport. Abends lege ich dann als DJ im Club auf.“

„Da hast du aber viel vor“, entgegne ich ihm verwundert. „Wie willst du das denn alles schaffen? Du musst doch noch den Unterricht vorbereiten und vielleicht auch Klassenarbeiten korrigieren?“

Ohne lange zu überlegen, entgegnet er: „Ich mache Sport und Mathe. Für den Sportunterricht brauche ich nicht viel vorzubereiten. In Mathe reicht das Schulbuch, und die Arbeiten sind schnell korrigiert.“

Schüler beobachten ihre Lehrer genau und nehmen durchaus wahr, wie Fachlehrer ihren Unterricht inszenieren und wie sie zu ihrem Fach stehen. Sie sehen dabei auch die unterschiedlichen Belastungen in den einzelnen Unterrichtsfächern. Selbst im Lehrerzimmer zelebrieren Kollegen gelegentlich die Arbeitsbelastungen, die ihnen ihr Fach abfordert. In meiner Wahrnehmung beschweren sich Lehrer mit Fächern, die einen hohen Korrekturaufwand erfordern – wie etwa Deutsch oder Englisch – am häufigsten. „Ich sitze bis spät abends an den Arbeiten.“ oder „Die Hälfte der Ferien musste ich die Stapel an Arbeiten abarbeiten.“

„Dann hättest du genauer bei deiner Fächerwahl aufpassen sollen.“ Das ist sicher keine einfühlsame und kluge Antwort auf diese Klagen. Aber auch: „Wenn ich mein Fach liebe, bin ich bereit, entsprechende Mehrarbeit zu investieren“, ist als Antwort wenig hilfreich.

Sinnvoll erscheint mir, Wege zu suchen, um den Leidensdruck in Grenzen zu halten, um die Freude am Fach nicht zu verlieren bzw. sie wieder zu fördern. Positiv sind Gespräche mit Fachkollegen über Entlastungsmöglichkeiten oder -techniken. So können sich z. B. Kollegen im Rahmen einer Fachkonferenz gegenseitig stärken und inspirieren. Jammern über die Belastung führt nur zu Frust, Resignation und letztlich zu gesundheitlichen Beschwerden. Hilfreich sind auch Fort- und Weiterbildungen, die sich nicht nur mit der Fachdidaktik beschäftigen, sondern auch Impulse geben für das persönliche Zeit- und Ordnungsmanagement. Angebote wie kollegiale Fallberatung oder das Einüben von Entspannungstechniken können ebenso die Berufszufriedenheit trotz Arbeitsbelastung fördern.

Was bedeutet das nun für Lehramtsanwärter und Referendare? Praktika und Gespräche vor Studienbeginn helfen, bereits im Vorfeld Weichen zu stellen, auch wenn sie ebenso ernüchternde Wirkung zeigen können. Da in der zweiten Ausbildungsphase die Fächerwahl nicht mehr rückgängig zu machen ist, sollten Referendare in den Studienseminaren und Ausbildungsschulen frühzeitig in Richtung Berufszufriedenheit und Lehrergesundheit aktiv werden. Es wird positive Konsequenzen haben für den späteren Berufsalltag.

Übrigens traf ich den oben beschriebenen Schüler Jahre später zufällig im Wartezimmer einer Arztpraxis. Er machte leider keinen zufriedenen Eindruck auf mich.

Ich sprach ihn sofort auf das Gespräch an, das ich noch gut in Erinnerung hatte. „Und, Herr Kollege, wie geht es Ihnen?“

„Nichts mit Kollege“, entgegnete er, und berichtete mir, dass bei der Studienwahl für ihn das Geld große Priorität gehabt hatte. Er wurde Investmentbanker und beklagte sich über seine 80-Stunden-Woche und den drohenden Burn-out.

Da war wohl gründlich etwas schiefgelaufen. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, was aber nichts mit Schadenfreude zu tun hatte, sondern mit meinen freudigen Gedanken: Wie froh bin ich doch, ein zufriedener Lehrer zu sein!

Arthur Thömmes

Arthur Thömmes ist seit über 30 Jahren als Lehrer tätig und arbeitet als Fachleiter in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Er ist Autor zahlreicher pädagogischer Fachbücher.

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