Kolumne

Ich liebe Ferien

Ich liebe meinen Beruf als Lehrer, weil ich zusammen mit jungen Menschen wichtigen Fragen und Themen des Lebens auf der Spur bleiben und mit ihnen nach Antworten suchen kann. Das ist eine spannende Sache. Und ich liebe meinen Beruf auch wegen der Ferien, weil sie mir die Möglichkeit bieten, zur Ruhe zu kommen und neue Kräfte zu sammeln. Doch für nicht wenige Mitmenschen ist die Ferienzeit der Lehrer viel zu lang.
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Wahrscheinlich kennen Sie die erstaunten und gelegentlich neidvollen Bemerkungen in Ihrem Umfeld: „Was, du bist Lehrer?! Dann hast du ja die meiste Zeit frei. Nachmittags bist du früh zu Hause, und die Ferien sind auch immer recht lang.“ Bei genauer Betrachtung sind zwölf Wochen „unterrichtsfreie Zeit“ eine angemessene Erholungszeit, für die ich mich nicht schämen muss. Lieber genieße ich die freien Tage und Wochen. Vor allem die Sommerferien bieten ausreichend Gelegenheit, sich am Leben zu erfreuen und die schulischen Angelegenheiten für eine gewisse Zeit ruhen zu lassen. Dabei kann auch ein Satz hilfreich sein: Du sollst nicht arbeiten!

Oh, jetzt höre ich schon wieder die Bedenkenträger unter den Lehrern. Ständig sind sie damit beschäftigt, über ihren Beruf, die Arbeitsbedingungen, Kollegen, Schulleitung oder Eltern zu klagen. Selbst vor den Ferien machen sie nicht Halt. Sie können es einfach nicht zulassen, dass auch ein Lehrer Zeiten zum Relaxen braucht, die er ausgiebig genießt. Ganz schnell sind sie wieder drin in der Rechtfertigungsfalle, mit der sie ihr Leben unnötig belasten. Und dann ist zu hören: „Ich brauche die meiste Zeit in den Ferien zur Unterrichtsvor- und -nachbereitung, zur Korrektur von Arbeiten und zur Vorbereitung von Projekten und Elternabenden, zur Fortbildung, zum Aufräumen des Schreibtischs und Ordnen von Unterrichtsmaterialien.“

Einerseits ist das durchaus eine Notwendigkeit in der Ferienzeit, weil wichtige Arbeiten erledigt werden müssen. In den meisten Berufen kommen die Menschen nach Hause und haben frei. Und wenn sie am folgenden Tag zu ihrer Arbeitsstelle kommen, beginnen sie wieder mit der beruflichen Tätigkeit. Hier ist Arbeit, dort ist Freizeit. Alles klar geregelt. Und es wird niemand auf die Idee kommen, in seinem Urlaub zur Arbeit zu fahren. Bei Lehrern ist alles anders. Wenn sie während der Schulzeit nach Hause kommen, ist die berufliche Tätigkeit noch nicht abgeschlossen.

Andererseits haben Lehrer die wunderbare Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann sie sich an den Schreibtisch setzen. Das gilt auch für die Ferienzeit. Natürlich muss ein Lehrer in den sechs Wochen Sommerferien nichts für die Schule tun. Dann hat er eben frei. Er kann sich aber auch Zeiten einteilen, in denen er für die Schule arbeitet, und Zeiten, in denen er sich erholt oder verreist. Wichtig ist der gesunde Rhythmus, den ein Lehrer im Laufe seines Berufslebens finden sollte. Das setzt Disziplin und ein gewisses Maß an Zeitmanagement voraus. Auch das sollte ein Lehrer in seiner Ausbildungszeit ausprobieren und lernen.

Ich will mir die Freude an meinem Lehrerberuf und die Kraft, die ich dazu brauche, bis zum letzten Arbeitstag erhalten. Und so brauche ich die Ferienzeiten zur Pflege meines persönlichen Wohlbefindens und meiner Gesundheit. Ich kann neue Kräfte sammeln und zur Ruhe kommen. Ich nehme mir bewusst Zeit für die schönen Dinge des Lebens, die mir guttun und die sonst zu kurz kommen. Und so kann ich mich nach den Ferien wieder gestärkt meiner pädagogischen Aufgabe widmen. Bis zu den nächsten Ferien.

Ich wünsche Ihnen eine schöne und erholsame Ferienzeit!

Arthur Thömmes

Arthur Thömmes ist seit über 30 Jahren als Lehrer tätig und arbeitet als Fachleiter in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Er ist Autor zahlreicher pädagogischer Fachbücher.

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