Kolumne

Lachen ist gesund – auch im Unterricht

Seien Sie ehrlich: Wann haben Sie das letzte Mal so richtig gelacht und sich des Lebens gefreut? Wann wurde in Ihrem Unterricht das letzte Mal herzhaft gelacht? Mediziner und Psychologen bestätigen: Lachen ist gesund und macht im Leben vieles leichter. Daher ist das Lachen für mich auch ein grundlegender Aspekt eines guten Unterrichts. So wage ich die These: In einer guten Unterrichtsstunde sollte mindestens einmal herzhaft gelacht werden.
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Das gelingt oft, scheitert aber auch häufig an den Realitäten. So ließe sich ein dickes Buch mit Strafarbeiten von Schülern schreiben, die im falschen Moment lachten oder kicherten. Und wie viele Ohrfeigen wurden schon verteilt mit der Begründung: „Darüber lacht man nicht!“

Und hier zwei berufliche und persönliche Lacherfahrungen:

Ich betrete eine Klasse und blicke in mürrische Gesichter. Hier muss etwas Schlimmes passiert sein. Auf mein Nachfragen hin berichten mir die Schüler, dass eine Kollegin ihnen verboten habe, in ihrem Unterricht zu lachen. Zuwiderhandlungen würden mit entsprechenden Strafmaßnahmen belegt. Wir vereinbaren, dass in meinem Unterricht am Beginn der Stunde immer ein guter Witz erzählt wird und wir gemeinsam herzhaft darüber lachen. Das klärende Gespräch mit der Kollegin war übrigens alles andere als lustig.

Eine zweite Erfahrung konnte ich als Vater machen. Die Klassenlehrerin meiner Tochter hatte zum Elterngespräch geladen. Dabei versuchte sie, mir deutlich zu machen, dass meine Tochter in ihrem Unterricht zu häufig lachen würde. Sie fühle sich persönlich dadurch gestört. Das sei nicht akzeptabel. Dabei beklagte sie sich bitterlich über das Verhalten ihrer Schüler und schilderte mir in drastischen Worten, wie schwierig es heute für Lehrer sei, in solchen undisziplinierten Verhältnissen zu unterrichten. Ich könnte mir das überhaupt nicht vorstellen.

Ich hörte ruhig zu und outete mich schließlich als Lehrer. Sie erschrak sichtlich. Ich erläuterte der Kollegin, dass meine Schüler gerne lachen dürfen und dass eine positive Unterrichtsatmosphäre das Unterrichten einfacher machen könne. Doch damit stieß ich auf Widerstand bei der eifrigen Pädagogin. Ich erklärte der Kollegin schließlich, dass wir unsere Kinder dazu erzogen hätten, gerne und viel zu lachen. Wenn sie dies in ihrem Unterricht nicht akzeptieren wolle, würde ich meine Tochter in Zukunft mit einer grimmigen Maske zur Schule schicken. Aber das Lachen könne sie ihr nicht verbieten. Meine Tochter legte ein Grinsen auf, und wir verabschiedeten uns mit einem freundlichen Lächeln.

Die beiden Beispiele machen deutlich, dass das Lachen nicht unbedingt zum gängigen Unterrichtsverhalten zählt. Dabei liegen die pädagogischen und therapeutischen Vorteile des Lachens auf der Hand. Lachforscher fanden heraus, dass eine Minute Lachen 45 Minuten Entspannungstraining entspricht. Bis zu 300 Muskeln werden bei einem heftigen Lachen aktiviert. Der Stoffwechsel wird angeregt und das Immunsystem gestärkt. Und schließlich wird das Selbstwertgefühl gefördert und Angstgefühle werden abgebaut. Leider lacht der Deutsche im Durchschnitt täglich nur noch sechs Minuten. Erwachsene bringen es auf 15 Mal, Kinder bis zu 400 Mal am Tag.

Als Pädagogen sollten wir bedenken, dass das Lachen auch einen positiven Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen hat. Denn Lachen verändert die Sichtweise, wirkt entlastend und befreiend, macht Mut und steckt an. Es ist gleichsam das Schmiermittel der Seele. Und wer mit einem Lachen durchs Leben geht, hat mehr davon. Er lebt unkomplizierter und offener. Er ist zufriedener mit sich und der Welt.

Also: Lassen Sie bitte das Lachen in einer gesunden Dosierung in Ihren Klassenraum einziehen. Es kann ganz neue Lernerfahrungen in Gang setzen! Arthur Thömmes

Arthur Thömmes ist seit über 30 Jahren als Lehrer tätig und arbeitet als Fachleiter in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Er ist Autor zahlreicher pädagogischer Fachbücher.

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