Kolumne Startklar

Ohne Moos nix los! – Nebenjobs im Referendariat

In unserer neuen Kolumne erhalten Sie aktuelle und praxisrelevante Themen rund um den Schulalltag. Nutzen Sie die Chance und informieren Sie sich über gegenwärtige Angelegenheiten.
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Ein Ratschlag taucht in meinen Veranstaltungen mit Referendaren immer wieder auf: Bleiben Sie Jäger und Sammler! Dieser Hinweis bezieht sich vor allem auf die Suche nach Materialien und Ideen für einen guten und spannenden Unterricht. Doch so mancher Junglehrer nimmt diesen Hinweis aus der Perspektive seiner finanziellen Situation sehr ernst und entwickelt sich zu einem emsigen Bonusjäger und Gutscheinsammler. Noch attraktiver sind die Materialien, die es für lau, kostenlos, umsonst oder gratis gibt.

Der Traum vom sicheren Job und das recht akzeptable Einkommen locken viele der Lehramtsanwärter. Doch zunächst muss die Hürde des Referendariats gemeistert werden. Dies betrifft nicht nur die pädagogische und fachdidaktische Ausbildung. Auch die Lebensqualität trägt zur Zufriedenheit und zum Wohlbefinden während der spannenden und gelegentlich anspannenden Lehrzeit bei. Und so träumt so mancher Lehrer-Azubi von der vergangenen Zeit der wohlwollenden elterlichen Zuwendungen, den strahlenden Gesichtern angesichts des BAföG-Bescheids oder dem lukrativen Job in der Kneipe. Plötzlich gibt es zwar ein festes Einkommen, aber größere Sprünge sind damit fast unmöglich. Auch das Zeitmanagement bringt mitunter unkalkulierbare Probleme mit sich. Der Tag ist straff durchorganisiert durch Unterrichtsvorbereitungen und -verpflichtungen, Seminarveranstaltungen, Beratungsgespräche, Konferenzen oder Elternabende. Da bleibt kaum Zeit, um das finanzielle Polster aufzubessern. Ohne Moos ist eben nix los! Doch was können und dürfen Sie tun?

Der rechtliche Rahmen ist durch die Nebentätigkeitsverordnungen der einzelnen Bundesländer geregelt. Der Zeitumfang kann von 4 bis 8 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit variiert. Natürlich sind Nebenjobs genehmigungspflichtig, da der Beamte oder Angestellte mit seiner Arbeitskraft in erster Linie dem Staat verpflichtet ist. Also muss die Nebentätigkeit formell beim Seminarleiter beantragt werden (Art der Tätigkeit, Zeitaufwand). Da ein Referendar sich in einer Ausbildungssituation befindet, wird natürlich auch der aktuelle Leistungsstand berücksichtigt. Ohne Fleiß keinen Preis. Und Achtung: Die Genehmigung kann auch wieder entzogen werden! Aus pädagogischem Blickwinkel bietet das Thema Nebenjob während des Referendariats viele interessante Aspekte. Zwar geht es nach wie vor in erster Linie darum, dass Finanzbudget zu erweitern, aber auch die Kompetenzerweiterung bietet hier viele interessante Ansatzpunkte. Also warum nicht das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden?

Machen Sie aus Ihrer Not eine Tugend! Lehrer sind Experten auf vielen Fachgebieten, und diese Kompetenzen sollten genutzt werden. Keine stinkenden Klamotten nach dem Job in der Kneipe. Kein Schlafentzug nach der Nachtschicht am Fließband. Nutzen Sie Ihre Fähigkeiten und Interessen für sinnvolle Nebenjobs: Als Übungsleiter im Sportverein, bei Sprachkursen in der Erwachsenenbildung, als Referent an der Volkshochschule oder bei Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, als Nachhilfelehrer oder Hausaufgabenbetreuer, als Deutschlehrer bei Kursen für Migranten.

Manchmal sind es auch Tätigkeiten, die erst entdeckt werden müssen: in Altenheimen oder in Kindergärten, in Vereinen oder Institutionen. Auch bietet sich die Ferienzeit – Verzeihung, die unterrichtsfreie Zeit – an, als Reisebegleiter oder als pädagogische Kraft bei Kinder- und Jugendfreizeiten tätig zu werden. Nur so nebenbei neue interessante Kompetenzen erwerben und dabei noch Geld verdienen. Probieren Sie es aus! Werden Sie aktiv, denn Jammern allein bringt Sie nicht weiter!

Arthur Thömmes

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