Kolumne

Schuljahresanfangsrituale

Selbst für gestandene Lehrerpersönlichkeiten ist der Beginn eines neuen Schuljahres eine spannende Angelegenheit. „Hallo, wie war es auf Teneriffa“ oder „Ich habe gehört, dein Wohnmobil hat schlapp gemacht“, sind beliebte Begrüßungsformeln bei der ersten Lehrerkonferenz nach der langen Ferienzeit. Doch der erste Gang in die neue Klasse hat da mehr Spannungspotenzial.
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Besonders bei Einsteigern in den Lehrberuf kann dieser Gang für hohen Blutdruck und Schwitzattacken sorgen, und der Gedanke an eine bevorstehende Ohnmacht im Klassenraum verstärkt dieses Gefühl noch mehr.

„Da musst du durch!“, sagen alle. Also Augen zu und rein! Und plötzlich entpuppt sich die von vielen Kollegen prophezeite Löwengrube als eine Runde mit netten jungen Menschen, die begeistert von ihren Ferienerlebnissen erzählen. Und natürlich wollen sie auch wissen, wer der Neue ist. Und nun müssen Sie sich outen als der Frischling und als der AZUBI, der eine gewisse Zeit mit der Klasse verbringen wird.

Dazu einige Tipps:
  • Haben Sie keine Angst vor den Schülern und gehen Sie offen, vorurteilsfrei und neugierig auf sie zu! Relativieren Sie die Gerüchte aus dem Lehrerzimmer, die vor allem die neuen Referendare verunsichern sollen!
  • Nehmen Sie sich genügend Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen! Lassen Sie die Schüler von sich erzählen, von dem, was sie lieben und was ihnen Angst macht. Die übliche Ich-komme-aus- und Mein-Hobby-ist-Runde langweilt die Schüler nach einiger Zeit.
  • Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz! Hier gibt es Grenzen, die Sie einhalten sollten. Seien Sie experimentierfreudig. Dazu haben Sie viel Zeit, denn es kommen im Laufe Ihres Lehrerdaseins noch viele neue Klassen auf Sie zu. Lernen durch Versuch und Irrtum ist ein hilfreicher pädagogischer Ansatz.
  • Auch die Schüler sind neugierig auf Sie. Überlegen Sie sich genau, was Sie von sich erzählen wollen. Und da gibt es sicher schöne Geschichten aus Ihrem Leben, die sich als Türöffner in die Herzen der Schüler gut eignen. Bleiben Sie dabei authentisch, denn die Schüler erkennen schnell die wirkliche Persönlichkeit hinter der gespielten Fassade.
  • Natürlich sollten Sie auch von dem Fach erzählen, das Sie unterrichten. Und am schönsten wäre es, wenn Sie dabei von Ihrer Liebe zu Ihrem Fach berichten könnten. Das ist eine gute Motivation für einen erfolgreichen und interessanten Unterricht.

 

Ich wünsche Ihnen viele gute Begegnungen und Erfahrungen in Ihren ersten Wochen.

 

Arthur Thömmes

Arthur Thömmes ist seit über 30 Jahren als Lehrer tätig und arbeitet als Fachleiter in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Er ist Autor zahlreicher pädagogischer Fachbücher.

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