Basics Referendariat

Pädagogische Tage

Auch Lehrer haben die Pflicht, sich in Ihrem Beruf weiterzubilden. Dazu gehört vor allem, miteinander zu reden und gemeinsam aktuelle pädagogische Probleme der Schule zu besprechen. Hierzu stehen den Schulen sog. pädagogische Tage zur Verfügung, früher bekannt unter dem Namen schulinterne Lehrerfortbildung. Die Namensänderung soll zeigen, dass es nicht immer nur darum geht, sich fachlich weiterzubilden, sondern auch darum, pädagogische Probleme anzufassen und zu lösen.
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In den einzelnen Ländern wird die Durchführung unterschiedlich gehandhabt. So steht den Schulen in Bayern z. B. der Buß- und Bettag zur Verfügung. An diesem Tag haben die Schüler frei, die Lehrer hingegen sind aufgefordert, sich mit pädagogischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. In Baden-Württemberg soll diese Art der schulinternen Weiterbildung außerhalb der Unterrichtszeit erfolgen. Hessen hingegen gesteht den Lehren zu, diesen in begründeten Fällen und in Absprache mit Elternvertretern auch während der Unterrichtszeit in Anspruch zu nehmen. Alle anderen Bundesländer bewegen sich irgendwo dazwischen.

Aber was passiert an diesem Tag? Wer plant ihn, oder trifft man sich einfach so und überlegt sich mal, wo es denn haken könnte?

Um einen solchen Tag effektiv zu gestalten, ist es wichtig, im Vorfeld zu planen, welche Themen auf der Tagesordnung stehen könnten. Aktuell wären das z. B. die Umsetzung der Inklusion oder die interkulturelle Elternarbeit. Wenn es keinen Experten zum Thema im eigenen Haus gibt, sollte ein Referent eingeladen werden, der durch den Tag führt. Denkbar wäre auch die Zusammenkunft einer abgebenden und einer aufnehmenden Bildungseinrichtung (Kindergarten – Grundschule oder Grundschule – weiterführende Schule). Dabei können Themen angesprochen werden, die beiden Seiten „auf den Nägeln brennen“.

An pädagogischen Tagen kann sich das Kollegium z. B. auch mit dem Thema „Lernen lernen“ beschäftigen, einen verbindlichen Aufgabenkatalog ausprobieren und ggf. ein Paket für die Schüler zurechtschnüren.

Wichtig ist, dass hier Lehrer aktiv mitarbeiten, Dinge ausprobieren, Vorgänge hinterfragen und wirklich über das diskutieren, was ihnen zu der jeweiligen Problematik einfällt, was ihnen zusagt oder gerade eben auch nicht. Denn nur, wenn gemeinsam etwas Neues ausprobiert und der jeweiligen Schule angepasst wird, kann daraus ein gemeinsamer Teil für die eigene Schule werden.

Referendaren kommt nun häufig eine ganz eigene Rolle an einem solchen Tag zu. Möglicherweise haben sie sich gerade mit einem dieser Themen erst vor kurzer Zeit in einem Seminar beschäftigt. Vielleicht war dies auch gerade das Thema einer Prüfung oder gar einer Abschlussprüfung. So können Sie in dem Fall aus der Rolle des Lernenden an der Schule in eine ganz andere Rolle schlüpfen und dem Kollegium die theoretischen Grundlagen erklären, vielleicht einige Praxisbeispiel anfügen, Filme zeigen und so einen ganz anderen Stelle im Kollegium einnehmen.

Da Referendare in der Regel über ein aktuelleres theoretisches Wissen verfügen als Lehrer, die schon etwas länger im Dienst sind, ist es wichtig, dass Referendare sich aktiv in solche Planungen mit einbringen und anbieten, Teile des Tages zu übernehmen und zu planen. Vielleicht lassen sich auf diese Art und Weise z. B. auch einige Kollegen davon überzeugen, wie interessant offenere Arbeitsformen sind, die sie auch in ihren Unterricht integrieren können.

Pädagogische Tage können auch dazu beitragen, Kollegen von einer anderen Seite kennenzulernen und in Erfahrung zu bringen, mit wem man in Zukunft gern zusammenarbeiten möchte, bei wem sich eine Hospitation im Unterricht vielleicht lohnt oder anbietet und bei wem man auch einfach mal Rat suchen kann, wenn man nicht mehr weiter weiß.

Somit ist der pädagogische Tag eine Chance – eine Chance, Schule einmal anders zu betrachten, neue Wege zu diskutieren und eingefahrene zu verlassen … zumindest ein wenig.

(Interessante und weiterführende Informationen zu diesem Thema findest du auch unter www.schilf-akademie.de.)

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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