Basics Referendariat

Wer die Wahl hat ...

... hat bekanntlich die Qual. Sie möchten Lehrer werden, da sind Sie sich schon seit einiger Zeit sehr sicher. Aber gehen wir noch einen Schritt weiter: Haben Sie für sich auch schon festgelegt, welche Stufe Sie unterrichten möchten? Denn Vor- und Nachteile haben beide Schularten. Mehr dazu in folgendem Artikel.
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Sollten Sie sich auf die Sekundarstufe festgelegt haben, so mag vielleicht einer Ihrer Gründe gewesen sein, dass Sie mit Schrecken daran gedacht haben, im Mathematikunterricht jedes Jahr von Neuem ganz von Vorne anzufangen oder in Deutsch immer wieder die Buchstaben erklären zu müssen. Das ist sicherlich erst einmal eine logische Antwort. Dahinter steckt natürlich auch der Wunsch, das Studienfach, das später zum Unterrichtsfach werden wird, vertiefen zu können.

Werfen wir nun einmal einen Blick in die Zukunft, auch wenn Sie das jetzt, im Referendariat, noch für verfrüht halten. Aber nach mehreren Jahren Unterricht macht es wahrscheinlich keinen großen Unterschied mehr, ob Sie immer wieder das kleine Einmaleins unterrichten oder Schülern stets aufs Neue den Satz den Pythagoras beibringen müssen. Und Sie werden auch merken, dass die Disziplinprobleme an der Grundschule genauso groß wie an den weiterführenden Schule sind, nur vielleicht auf einer anderen Ebene gelagert.

Wenn sich bei Ihnen Ernüchterung einstellt, bereuen Sie es dennoch nicht, diesen Beruf ergriffen zu haben. Denn Ihr Beruf ist wunderbar und schön, weil Sie die Aufgabe gewählt haben, jungen Menschen etwas beizubringen und sie einen Teil des Lebens zu begleiten. Erinnern Sie sich an Ihre eigene Schulzeit, dann werden Sie merken, wie viele Lehrer Sie positiv in Erinnerung haben und welche dieser Lehrer einen gewissen Einfluss auf Ihre Berufswahl hatten.

Machen Sie einen Mix aus Altbewährtem und Neuem: Legen Sie einerseits einen Grundstock an Bildung an, ganz egal, in welchem Alter sich die Schüler befinden. Machen Sie es sich zur Aufgabe, jedes Jahr neu zu überdenken, ob der Unterrichtsstoff, den Sie vermitteln, noch aktuell ist. Die Art und Weise, wie Sie in einem Jahr den Stoff vermitteln, muss im anderen nicht mehr gut ankommen.

Bemühen Sie sich, Witze nicht immer an derselben Stelle zu erzählen, und seien Sie offen für Neues. Nehmen Sie zum Beispiel im Deutschunterricht immer andere Texte für die unterschiedlichen Aufgaben, suchen Sie neue Textaufgaben oder neue Lieder. Natürlich können Sie Dinge, die gut funktionieren, öfter einsetzen, aber denken Sie darüber nach, ob es wirklich Sinn macht. Behalten Sie die Begeisterung für den Stoff bei, den Sie vermitteln wollen, und sehen Sie es jedes Jahr als eine neue Aufgabe an, den Schülern den Stoff auf interessante Art und Weise beizubringen.

Auf der anderen Seite ist es in jeder Altersstufe Ihre Aufgabe, die Schüler beim Heranwachsen zu unterstützen und Ihnen mit Hilfe zur Seite zu stehen. Es gibt in jeder Altersstufe Schwierigkeiten zu bewältigen, bei denen die Schüler Ihre Hilfe brauchen. Reden Sie mit Ihnen und seien Sie offen für die Probleme.

Nehmen Sie die Ratschläge jetzt am Anfang Ihrer Laufbahn mit und denken Sie jedes Jahr aufs Neue daran. Sie müssen nicht immer wieder neuen Lehrstoff entwickeln, aber Sie müssen Ihn überdenken. Versuchen Sie nicht, der Freund Ihrer Schüler zu werden, aber seien Sie ein fairer Ansprechpartner. Beobachten Sie Ihre Kollegen, die schon länger im Dienst sind, und schauen Sie sich an, wer Ihrer Meinung nach die richtige Balance gefunden hat.

Wenn Sie das schaffen, dann werden Sie auch lange Freude an Ihrem Beruf haben und ihn nicht nur als Job verstehen, den Sie schaffen müssen.

Ob Sie sich richtig verhalten, merken Sie, wenn Ihre Schüler sie freudig auf der Straße grüßen. In dem Moment werden Sie auch spüren, dass Sie den richtigen Beruf gefunden haben.

Und um auf die Überlegungen vom Anfang zurückzukommen: Es lohnt sich mitunter auch, die Stufe zu wechseln, wenn die Gelegenheit sich bietet. Neues zu tun und auszuprobieren bringt manchmal neuen Schwung. Versuchen Sie es einfach. Kindern die ersten Schritte in der Schule beizubringen ist gar nicht so leicht, wie es auf den ersten Blick scheint, aber auch die Jugendlichen können sehr nett sein, wenn man es schafft, ihr pubertäres Gehabe ein wenig zu handeln.

Und denken Sie daran: Jeder Mensch ist anders, und Sie können keine Klasse, keinen Schüler gleich behandeln. Nehmen Sie die Herausforderung an.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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