Basics Referendariat

Mündliche Prüfung im Referendariat: gute Vorbereitung ist schon die halbe Miete

In der zweiten Hälfte Ihres Vorbereitungsdienstes stehen die mündlichen Prüfungen an. Sie beziehen sich in weiten Teilen auf die Didaktik Ihrer Fächer. Eine weitere mündliche Prüfung ist das Kolloquium. Hier ist Ihr psychologisches und pädagogisches Wissen gefragt. Die Aufgabe besteht darin, Wissen und Unterrichtserfahrung auf ein Beispiel anwenden zu können. 
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In der mündlichen Prüfung werden Ihnen Fragen oder Aufgaben gestellt. Die Prüferinnen und Prüfer geben Ihnen Gelegenheit, Ihre Gedanken zu sortieren und zusammenhängend darzustellen. Es kann aber durchaus vorkommen, dass Ihnen Zwischen- und Zusatzfragen gestellt werden. Achten Sie also darauf, was Sie sagen, und stellen Sie sich auf spontane Fragen ein.

Die mündliche Prüfung setzt sich aus folgenden Elementen zusammen:

  • Didaktik des ersten Faches (ca. 20 Minuten)
  • Didaktik des zweiten Faches (ca. 20 Minuten)
  • Schulrecht, Schulkunde, Grundfragen der staatsbürgerlichen Bildung (ca. 20 Minuten)
  • Didaktik des Erweiterungsfaches

Der Prüfungstermin

In der Regel findet die mündliche Prüfung nach der dritten Lehrprobe statt. Die Einzeltermine der Prüfung werden Ihnen jeweils spätestens zwei Wochen vorher schriftlich mitgeteilt. Diese Einzelprüfungen werden meist innerhalb eines Tages abgehalten. Falls Sie noch ein Erweiterungsfach studiert haben, findet diese Prüfung an einem anderen Tag statt.

Die Prüferinnen und Prüfer

In jeder Prüfung sind zwei Prüfer anwesend. Ihre Seminarlehrerin bzw. ihr Seminarlehrer ist dabei der Erstprüfer. Als Zweitprüfer ist eine weitere dafür qualifizierte Lehrkraft anwesend. Die Prüfungen werden protokolliert, um Ihre Leistungen nachvollziehbar für Dritte dokumentieren zu können. Der Zweitprüfer ist dabei als Schriftführer angehalten, ausführlich zu dokumentieren und sowohl Fragen als auch Ihre Antworten festzuhalten.

Die Benotung

Jede Einzelprüfung wird mit einer ganzen Note von 1 bis 6 bewertet. Die Gesamtnote ermittelt sich aus einem Durchschnitt, wobei die Note auf zwei Dezimalstellen berechnet wird. Sie erfahren sowohl Ihre Gesamtnote als auch die Einzelnoten nach der letzten mündlichen Prüfung.

Das Kolloquium: Die mündliche Prüfung in der Pädagogik und Psychologie

Das Kolloquium bezeichnet eine mündliche Prüfung mit erziehungswissenschaftlichem Schwerpunkt. Im letzten Viertel Ihres Vorbereitungsdienstes angesetzt, erfordert die Prüfung von Ihnen Kenntnisse in der Pädagogik und Psychologie. Sie werden spätestens zwei Wochen im Voraus über den Termin der 30-minütigen Prüfung schriftlich informiert.

Sie können einen der beiden Bereiche, Pädagogik oder Psychologie, als Schwerpunkt wählen. Ihre Wahl müssen Sie dem Seminarvorstand schriftlich mitteilen. In der Prüfung werden Sie in beiden Bereichen geprüft, wobei in den Aufgabenstellungen der von Ihnen gewählte Schwerpunkt berücksichtigt wird.

Der Ablaufplan im Kolloquium

Unter Berücksichtigung Ihrer Fächer wird Ihnen ein schriftlich formuliertes Praxisbeispiel vorgelegt. Formal sollte der Beispieltext den Umfang einer halben Seite nicht überschreiten. Das Beispiel kann eine konkrete Situation in einer Klasse, einer Jahrgangsstufe oder der ganzen Schule darstellen. Nach Erhalt der Aufgabe haben Sie 30 Minuten Zeit sich vorzubereiten. Hilfsmittel sind dabei leider nicht erlaubt. Das anschließende Kolloquium gliedert sich in zwei Teile:

  • Erster Teil: Im ersten Teil (ca. 10 Minuten) werden Sie gebeten, das dargestellte Praxisbeispiel zu analysieren. Ihre Aufgabe ist es, in einer pädagogisch-psychologischen Analyse Hintergrund- und Erklärungsmodelle für das Praxisbeispiel zu geben. Darüber hinaus sollten Sie auf konkrete Handlungsmöglichkeiten hinweisen, die sich unmittelbar auf das Beispiel beziehen.
  •  Zweiter Teil: Der zweite Teil des Kolloquiums (ca. 20 Minuten) wird in Form eines Prüfungsgespräches abgehalten. Entsprechend dem gewählten Schwerpunkt, Psychologie oder Pädagogik, beantworten Sie Fragen zur Analyse des Praxisbeispiels aus dem ersten Teil. Im letzten Abschnitt übernimmt der zweite Prüfer die Leitung des Gespräches.

Bereiten Sie sich gezielt auf die Prüfung vor

Sie werden bei den mündlichen Prüfungen nicht ins kalte Wasser geworfen. In der Regel erfahren Sie in Ihrem Fachseminar, welche Anforderungen an Sie gestellt werden. Wenn das nicht der Fall sein sollte, erkundigen Sie sich persönlich bei Ihrer Fachseminarleiterin oder Ihrem Fachseminarleiter. Auch ein Gespräch mit ehemaligen Prüflingen ist hilfreich.

Der Tag vor der Prüfung

In der Vorbereitungszeit haben Sie sich auf die möglichen Prüfungsfragen vorbereitet. Im besten Fall beherrschen Sie den Stoff perfekt. Falls nicht, sollten Sie den Tag vor der Prüfung nutzen, ein wenig abzuschalten. Was Sie jetzt nicht können, können Sie wahrscheinlich in der Prüfung auch nicht.

Wenn dann die Stunde der mündlichen Prüfung schlägt, können Ihnen diese Tipps weiterhelfen:

  • Stehen Sie zu Ihrem eigenen Urteil.
  • Versuchen Sie, Ihre Antworten systematisch und präzise zu formulieren.
  • Achten Sie dabei auf eine klare Ausdrucksweise.
  • Reagieren Sie flexibel auf Fragen und fixieren Sie nicht nur die Darbietung des Gelernten.

Weitere Informationen zur Vorbereitung auf mündlichen Prüfungen allgemein finden Sie im Handbuch „Mündliche Prüfungen“ von Albrecht Behmel, Sebastian Frey, Thomas Hartwig, und Ulrich A. Setzermann oder unter www.lis.bremen.de/sixcms/media.php/13/Kolloquium.pdf

Und wie bei allen Prüfungen gilt: Eine solide Vorbereitung gibt Ihnen die nötige Stütze und Selbstbewusstsein.

Hilfreich bei der Vorbereitung auf die Prüfung sind auch unsere Beiträge zum Thema Didaktik und Methodik und zu den allgemeinen Fächern.

 

 

Der Autor Matthias Kley arbeitet seit über 15 Jahren als Texter und Autor für verschiedene Schulbuchverlage.

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