Basics Referendariat

Kollegiale Hospitation – Analyse und Reflexion

Im Unterrichtsalltag hospitieren entweder Sie bei Kolleginnen und Kollegen oder diese in Ihrem Unterricht. Im Anschluss an den Unterricht wird dieser gemeinsam analysiert und reflektiert. Welche Regeln sollten Sie hierbei im Allgemeinen beachten? Der folgende Beitrag nennt Ihnen grundsätzliche Aspekte der kollegialen Hospitation.
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Analyse des Unterrichts

Vor der Unterrichtsstunde haben sowohl Sie als auch Ihre Kolleginnen und Kollegen sich gezielt Gedanken über den Unterrichtsgang, die Didaktik und auch die Methodik gemacht. Dazu gehörte ebenfalls, dass Sie sich Alternativen vergegenwärtigt und diese bewusst gegeneinander abgewogen haben, bevor Sie sich für bestimmte, auf Ihre Lerngruppe zugeschnittene Vorgehensweisen entschieden haben. Schon an dieser Stelle – nämlich bereits während der Vorbereitung – haben Sie so ganz bewusst den Unterricht analysiert. Nun, da der Unterricht vorbei ist, sollten Sie und Ihre hospitierenden Kollegen gemeinsam beraten, wie diese Vorbereitungen gefruchtet haben.

Fragestellungen

Fragen Sie sich hierzu etwa:

  • Wie war die Arbeitsatmosphäre während des Unterrichts?
  • Lagen Sie während des Unterrichts im Zeitplan?
  • Haben Sie alle Schüler gemäß Lerntyp und Lerntempo ansprechen können?
  • Sind Sie von der Planung abgewichen? Falls ja – wo und weshalb?
  • Waren die Inhalte ansprechend und altersgemäß gewählt?
  • Waren die Methoden tragfähig? Konnten alle Schüler angesprochen werden?
  • Konnten Sie Ihre Impulse gezielt setzen?
  • Haben Sie Ihre Schüler aktiviert? Haben diese sich somit erwartungsgemäß am Unterrichtsgeschehen beteiligt?
  • Welche Alternativen hätten sich im Verlauf des Unterrichts angeboten?
  • Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem eigenen Lehrerverhalten?

Würden Sie Ihre Stunde insgesamt als gelungen bezeichnen und diese wieder so abhalten? Falls nein, welche Änderungen würden Sie vornehmen?

Schritt für Schritt

Gehen Sie diese Punkte – zunächst für sich – Schritt für Schritt durch. Beraten Sie sich anschließend mit Ihren Kolleginnen und Kollegen darüber. Hören Sie sich deren Aspekte und Hinweise aufmerksam an und versuchen Sie, diese nicht zu werten. Sollten Sie auf die Argumente jedoch gezielt eingehen wollen, so sollten Sie dies sachlich machen.

Umgang mit Kritik

Oftmals fällt während der Reflexion des Unterrichtes auch Kritik. Fassen Sie diese nicht als Kritik an Ihrer Person auf – denn so ist dies auch nicht gemeint. Kritik ist stets als Information für Sie selbst zu verstehen, um lernend sich weiter auf dem Weg zur Lehrkraft weiterzuentwickeln.

Versuchen Sie, aufmerksam und neutral hinzuhören. Fragen Sie nach, wenn Sie Kritikpunkte nicht nachvollziehen können, oder fassen Sie bestimmte Inhalte mit eigenen Worten zusammen und erkundigen Sie sich, ob Sie Ihr Gegenüber richtig verstanden haben. Notieren Sie die Kritikpunkte, um diese direkt oder auch mit einem gewissen Abstand für sich selbst zu reflektieren. Was trifft wirklich zu, was erscheint Ihnen relevant – und wie können Sie der jeweiligen Situation begegnen?

Ausblick

Schließen Sie Ihre Reflexionsphase stets mit einem Ausblick. Welches Ziel setzen Sie sich nach dieser Unterrichtsstunde für die folgenden Stunden? Dieses Ziel kann sich auf Aspekte Ihres Lehrer- bzw. Lehrerinnenverhaltens beziehen (Loben der Schüler, Körpersprache, Unterrichtssprache etc.) oder auch darauf, in der nächsten Stunde einmal eine andere Methode zu versuchen. Fixieren Sie dieses Ziel gemeinsam mit den hospitierenden Kolleginnen und Kollegen und planen Sie Ihren kommenden Unterricht bewusst hinsichtlich dieses Punktes.

Und: Nach der Reflexion ist vor der Reflexion – überprüfen Sie auch diesen Aspekt nach dem nächsten Unterricht hinsichtlich seines Gelingens.

(Mehr zu diesem Thema und ein sehr interessantes Seminar-Angebot, passend für Ihre Schule, finden Sie unter: www.schilf-akademie.de/seminare/arbeitsorganisation-und-kooperation/kollegiale-unterrichtshospitation.html)

Alexandra von Plüskow arbeitet seit 1998 als Grundschullehrerin im Landkreis Lüneburg. Sie ist derzeit vom Land Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis in die Stabsstelle Schulverwaltung, Bildung und ÖPNV in Soltau abgeordnet. Die zweifache Mutter verfasst als Fachjournalistin Texte und Materialien für verschiedene Verlage und Magazine.

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