Basics Referendariat

Mentoren - wenn die Chemie nicht stimmt

Sabine ist guter Dinge ins Referendariat gestartet. Sie hat sich fachlich gut vorbereitet und ihre Ausbildungsschule bereits vorher besucht. Nach den ersten Wochen ist sie jedoch ernüchtert. Sie und ihre Mentorin haben andere Auffassungen von gutem Unterricht. Sebastian hat sein Referendariat ebenfalls voller Elan begonnen. Doch mit der Zeit ist er immer mehr enttäuscht. Seine Mentorin an der Ausbildungsschule redet schlecht über ihn und greift ständig in den Unterricht ein. Was ist zu tun?
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Zwei Ausbildungsstätten

Im Referendariat haben Sie zwei Arbeitsplätze – einmal das Studienseminar, in dem Sie ausgebildet werden, und dann noch die Ausbildungsschule, an der Sie Ihre Unterrichtserfahrungen sammeln. Im Studienseminar sind die Lehrkräfte des Seminars für jeden ihrer Referendare und jede ihrer Referendarinnen zuständig. Ihre Aufgabe ist einerseits das Vermitteln theoretischer und fachlicher Inhalte und andererseits die Beratung hinsichtlich des Unterrichts.

An der Ausbildungsschule werden jedem Referendar und jeder Referendarin sogenannte Mentoren zur Seite gestellt. Diese unterrichten in der Regel in dem Fach der Auszubildenden und auch in der Klasse, in der zukünftig der eigenständige Unterricht stattfinden soll. Unter einem Mentor/einer Mentorin versteht man einen Ratgeber einer zumeist jüngeren Person.

Zusammenarbeit mit Mentor und Mentorin

Genau dies ist auch die Aufgabe des Mentors/der Mentorin. Er oder sie begleitet Sie im Referendariat durch den Alltag in der Schule. Gemeinsam besprechen Sie, welche Unterrichtsstunden bzw. Unterrichtseinheiten Sie in Ihren Ausbildungsklassen durchführen können. Sie sichten Lehrpläne und Materialien und besprechen deren Einsatz in den einzelnen Lerngruppen. Ihr Mentor zeigt Ihnen seinen Unterricht und begleitet Sie auf Ihren ersten Schritten in den eigenständigen Unterricht. Hierbei ist die Beratung von großer Bedeutung.

Kleinere Probleme

Dabei kann es dazu kommen, dass Sie und Ihre Betreuungslehrkraft vonseiten der Ausbildungsschule unterschiedliche Auffassungen von gutem Unterricht haben. Hinterfragen Sie bei Besprechungen evtl. Ihre eigene Auffassung von gutem Unterricht und versuchen Sie, die Gedanken Ihres Mentors/Ihrer Mentorin nachzuvollziehen. Welche Ratschläge können Sie gut annehmen, welche helfen Ihnen in Ihrem Unterrichtsalltag weiter? Wo müssen Sie allerdings eine Grenze aufzeigen?

Größere Probleme

Schwieriger wird es, wenn die Kritik Ihres Mentors/Ihrer Mentorin sehr persönlich wird oder auch, wenn er oder sie permanent in Ihren Unterricht eingreift, obgleich Sie das Gefühl haben, dass Sie mit der Situation souverän umgehen. Überlegen Sie zunächst für sich, wo genau Ihre Probleme liegen, und versuchen Sie, diese in einem klärenden Gespräch anzusprechen. Hierbei ist es sinnvoll, wenn Sie aus Ihrer Sicht möglichst sachlich schildern, wie es Ihnen in bestimmten Situationen geht. Versuchen Sie gemeinsam, eine Lösung zu finden, und besprechen Sie nach einer gewissen Zeit, ob diese Lösungen funktionieren. Zu einem solchen Gespräch können Sie beispielsweise auch die Beratungslehrkraft Ihrer Ausbildungsschule hinzuziehen.

Wenn es gar nicht mehr geht …

Sind Sie nicht in der Lage, eine gemeinsame Lösung zu finden, so sollten Sie sich an Ihr Studienseminar wenden. Bitten Sie um ein Beratungsgespräch und fragen Sie, welche Lösungen es gibt. Kann etwa eine Lehrkraft des Seminars mit der Schulleitung sprechen? Gibt es evtl. Möglichkeiten, die betreuende Kraft an der Schule oder auch gleich die Ausbildungsschule zu wechseln? Welche Möglichkeiten sind in absehbarer Zeit bzw. auf Dauer sinnvoll?

Probleme mit dem Mentor/der Mentorin können Sie in Ihrem Unterrichtsalltag ohne Zweifel sehr belasten. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Probleme angehen.

  • Notieren Sie für sich, wo genau die Probleme liegen.
  • Bitten Sie den Mentor/die Mentorin um ein Gespräch, evtl. sogar mit einer Beratungslehrkraft.
  • Bleiben Sie während des Gespräches sachlich und versuchen Sie, mit „Ich-Botschaften“ zu sprechen.
  • Legen Sie gemeinsam Lösungen für die Problematik fest und setzen Sie gleich einen Termin für ein zweites Treffen an, bei dem diese Lösungen evaluiert werden.
  • Sollte sich die Problematik verschärfen, so sollten Sie um Unterstützung im Ausbildungsseminar bitten.AvP

Alexandra von Plüskow ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin. Als solche sowie als Fachberaterin für das Fremdsprachenlernen in der Grundschule war sie an der Landesschulbehörde tätig. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin für verschiedene pädagogische Verlage sowie als Lehrbeauftragte.

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