Basics Referendariat

Als Referendar eine Haltung entwickeln

Spätestens im Referendariat fragen sich angehende Lehrerinnen und Lehrer, wie sie der neuen Rolle begegnen sollen. Wie verhalte ich mich im Umgang mit den Schülern – wie mit Lehrkräften, Vorgesetzten und Eltern? Welche Themen privater Natur gehören auch in meinen beruflichen Kontext? Und an welchen Stellen lohnt es sich, die eigene – zum Teil auch konträre – Meinung einzubringen, wo halte ich diese eher zurück? Mit all diesen Fragen gilt es, sensibel umzugehen. Der folgende Beitrag liefert Ihnen eine erste Richtschnur.
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Die neue Rolle

Sie haben es vermutlich bereits in Ihren Praktika gespürt – mit dem Referendariat kommt eine neue Rolle auf Sie zu. Ihre berufliche Rolle als Lehrkraft. Nun wird es Zeit, darüber nachzudenken, wie Sie diese selbst empfinden und wie Sie ihr nachkommen möchten.

Denken Sie ein paar Minuten darüber nach, wie Sie als Lehrkraft wahrgenommen werden möchten und was Ihrer Meinung nach zu Ihrer Rolle als Lehrkraft gehört. Formulieren Sie dann die vier wichtigsten Inhalte als positive Sätze, um dieser Rolle eine Gestalt zu geben. Etwa:

  • Ich bin freundlich und aufgeschlossen.
  • Ich habe jede Schülerin und jeden Schüler bestmöglich im Blick.
  • Ich arbeite vorausschauend und nicht „auf den letzten Drücker“.
  • Ich bin meinen Schülerinnen und Schülern ein Vorbild darin, mich an die Klassenregeln zu halten.

Authentizität

Authentisch zu sein und es auch zu bleiben, ist ein wichtiger Faktor im Dasein von Lehrern und Lehrerinnen. Die eigenen vier Leitsätze zeigen Ihnen, welche Haltungen Ihnen im Rahmen der neuen Rolle besonders bedeutsam sind. Beherzigen Sie diese und geben Sie es auch vor Ihren Schülerinnen und Schülern einmal zu, wenn es Ihnen etwa nicht so gut gelungen ist, sich an eine bestimmte Klassenregel zu halten. Dies sollte natürlich die Ausnahme bleiben.

Im Konfliktfall mit Schülerinnen und Schülern sowie mit Eltern und auch mit Kolleginnen und Kollegen sollten Sie Ihre Authentizität stets wahren. Hier ist aber auch noch eine weitere Fähigkeit gefragt – die der Empathie.

Empathisch sein

Hören Sie der jeweils anderen Person gut zu und lassen Sie sich auf das ein, was gesagt wird. Praktizieren Sie etwa die Technik des Aktiven Zuhörens und bestätigen Sie Ihr Gegenüber durch Gesten oder zustimmende Worte. Fassen Sie kurz das von Ihnen Gehörte zusammen und fragen Sie nach, ob Sie es so richtig verstanden haben.

Nehmen Sie mögliche Ängste und Sorgen Ihres Gegenübers wahr und versuchen Sie, darauf objektiv einzugehen. Es ist bedeutsam, dass Sie sich einerseits auf das Gesagte und die Person dahinter einlassen – auf der anderen Seite sollten Sie stets verinnerlicht haben, dass Sie trotz der Empathie mit der anderen Person eine gewisse Neutralität walten lassen.

Meinungen haben

Ihre Meinungen dürfen Sie gerne in angemessener Form vertreten. Achten Sie aber auch die Grenzen Ihrer Kolleginnen und Kollegen und Ihrer Schülerinnen und Schüler. Denken Sie daran, dass Sie fortan professionell handeln müssen – und ein stures Beharren auf bestimmten Ansichten etwa im Rahmen von Prozessen innerhalb einer Schule nicht produktiv weiterführt.

Die neue Rolle als Lehrkraft erfordert von Ihnen ein gehöriges Maß an Professionalität. Es sind viele und vielschichtige Gegenüber, mit denen Sie nun in Ihrem Alltag umgehen. Daher ist es sinnvoll, sich eine allgemeine Haltung anzueignen, wie man sich grundsätzlich im schulischen Kontext verhalten möchte. Im Einzelfall sollten Sie dennoch gut reflektieren, wie Sie individuell handeln möchten.

Alexandra von Plüskow arbeitet seit 1998 als Grundschullehrerin im Landkreis Lüneburg. Sie ist derzeit vom Land Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis in die Stabsstelle Schulverwaltung, Bildung und ÖPNV in Soltau abgeordnet. Die zweifache Mutter verfasst als Fachjournalistin Texte und Materialien für verschiedene Verlage und Magazine.

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