Basics Referendariat

Ab in den Keller – oder: Wo ist hier der Platz für Referendare

Du kommst den ersten Tag in die Schule. Die Kinder strahlen dich an. Die Rektorin freut sich, dich willkommen zu heißen, streckt dir beide Arme entgegen und lächelt dich an. Man geleitet dich ins Lehrerzimmer. Du darfst dich überall hinsetzen und alle Tassen und Teller nutzen, die im Regal stehen. Als du dich gerade umdrehen und Sachen in deinen Schrank legen willst, wachst du auf. Du seufzt tief. Alles könnte so wunderbar sein.
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Ist es aber leider nicht. Die Realität sieht, zumindest in vielen Fällen, anders aus. Natürlich gibt es Referendare, die davon berichten, wie schön es bei ihnen an der Schule ist ... bei dir aber leider nicht.

Man hat dir am ersten Tag ganz unmissverständlich gesagt, dass du es nicht persönlich nehmen sollst, aber Referendare habe man nicht so gern. Die machen nur Arbeit. Dann hattest du dich auf den falschen Stuhl gesetzt. Ganz am Ende darfst du nun sitzen. Mit der Tasse hattest du dich auch vergriffen, und die Kollegin scheint bis heute ein wenig säuerlich zu sein.

Du ärgert dich auch, weil du nicht direkt im Lehrerzimmer einen Platz für deine Sachen bekommen hast. Du musst diese zwar nicht im Keller lagern, wie eine Kollegin aus dem Seminar, aber in einem Raum hinter dem Lehrerzimmer. Irgendwie geht so viel Zeit verloren, weil du dort deine Sachen sammeln, ordnen und ablegen musst. Du hast aber auch Probleme, Kontakt zu bekommen, weil du immer von einem Ort zum anderen hetzen musst.

Abwarten und Tee trinken

Das sollte in diesem Fall wörtlich genommen werden. Nimm dir eine Tasse von zu Hause mit und stell sie in den Schrank zu den anderen Tassen. Besorge dir eine bunte Kiste und lege in diese Kiste alles das hinein, was du am Tag in der Schule brauchst. So musst du nicht mehr in einen anderen Raum laufen, während die Kollegen sich im Lehrezimmer treffen. Auch wenn dir die Schüler wichtig sind, verbringe deine Pause, wenn du keine Hofaufsicht hast, im Lehrerzimmer und trinke Tee oder Kaffee. Zeige Präsens!

Kontakte knüpfen

Es ist ganz wichtig, dass du mit den Lehrern der Schule in Kontakt kommst. Nachdem du schon mal niemandem mehr die Tasse wegnimmst, ist es gut, wenn du etwas für die Gemeinschaft mitbringst. Wie wäre es mit einem Kuchen zum Einstand, einer Platte mit frischem Gemüse und ein paar Dips oder ein paar frischen Früchten? Dadu hörst, dass jemand ein Hobby mit dir teilt, dann versuche, auf diesem Gebiet Kontakte zu knüpfen. Persönliches ist sehr wichtig.

Hilfe anbieten

Du bist sicherlich auf Gebieten bewandert, auf denen andere nichts können. Zum Beispiel kennst du dich gut mit Computern aus und hörst, dass ein Rechner im Klassenraum einer Kollegin streikt. Oder du kannst gut singen und bietest an, dich im Chor zu engagieren. Vielleicht hast du ein Händchen für Maschinen und kannst dich um den ewig streikenden Kopierer kümmern. Egal wie, dränge dich nicht auf, sondern nutze die Gelegenheit.

Bist du stark, dann biete an, beim Tragen zu helfen. Melde dich freiwillig für (ein paar) Aufgaben, die niemand gern übernimmt, und versuche, dich nicht zu verstecken. Wenn du merkst, dass jemand krank ist und es draußen nicht nett aussieht, biete an, die Hofaufsicht zu übernehmen. Du hörst, dass jemand eigentlich aus familiären Gründen schnell weg muss und willst sowieso noch länger bleiben – biete an, die Klasse in der letzten Stunde zu unterrichten. Du musst nicht alles auf einmal machen – aber dann, wenn es sich anbietet. Warte nicht darauf, dass andere damit beginnen, dir einen Gefallen zu tun, sondern beginn du damit, anderen zu helfen. Dann wird man auch dir Hilfe anbieten.

Du oder Sie?

Es wird in Schulen ganz unterschiedlich gehandhabt. Mal duzen sich alle, mal einzelne. Du solltest erst einmal beim Sie anfangen, du wirst sowohl altersgemäß als auch vom Dienstrang her der/die Jüngste sein. Warte also einfach ab, das wird sich schon ergeben.

Und wenn doch ein anderer Raum?

Es gibt Schulen, an denen mehrere Referendare sind und diese einen eigenen Raum zugeordnet bekommen haben. Das kann auch aus Rücksichtnahme geschehen. Hier könnt ihr euch wirklich in Ruhe unterhalten, eure Unterrichtsentwürfe austauschen, eure Freistunden sinnvoll nutzen. Es ist dann auch egal, wo dieser Raum ist. Und zum Austausch mit den anderen Kollegen, wird man euch das Lehrerzimmer sicherlich nicht verwehren. Aber denkt immer daran, die eigene Tasse mitzunehmen.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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