Basics Referendariat

... sich als Referendar nicht alles so zu Herzen nehmen

Warum möchtest du Lehrer werden? Auf diese Frage antwortet so mancher angehende Lehrer entweder, dass er einen tollen Lehrer hatte, der ihn inspiriert hat, oder aber, er hat genau das Gegenteil erlebt. Und gerade das hat ihn dazu gebracht, es besser machen zu wollen. Kennst du das auch? Und jetzt – nach ein paar Wochen oder Monaten im Schuldienst – fühlst du dich ziemlich ausgebrannt. Aber das muss nicht sein.
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Probleme der Schüler nicht zu den eigenen machen

Es hat gut angefangen. Die Schüler haben Vertrauen gefasst und dann begonnen, dir auch ihre persönlichen Sorgen und Nöte anzuvertrauen, darunter manch Schicksalsschlag, der nicht leicht zu verkraften ist. Wenn du deinen Beruf ernst nimmst, dann kannst du gar nicht anders – es beschäftigt dich. Also versuchst du, Lösungen zu finden, kommst alleine aber nicht weiter.

Viele Schulen haben inzwischen Sozialarbeiter bzw. Beratungslehrer, mit denen du reden kannst – ohne das Einverständnis der Schüler geht das natürlich nur in anonymisierter Form. Das wird dir helfen, denn die Kollegen sind schon länger im Dienst, haben mehr Erfahrung und können dir ggf. Beratungsstellen nennen, die dir bzw. deinem Schüler weiterhelfen. Versuch es nicht allein, denn dazu bist du nicht ausgebildet. Es ist nicht schlimm, dir und anderen einzugestehen, dass du Hilfe brauchst. Und nur so kannst du deinen Schülern helfen.

Schüleräußerungen annehmen – aber nicht verunsichern lassen

Du bereitest deine Stunden gut und gründlich vor. Und dann kommen die Schüler und benehmen sich einfach nicht so wie geplant, sind z. B. frech, stören und beleidigen. Oder sie werfen dir Dinge an den Kopf, die du gar nicht hören möchtest, z. B. dass dein Unterricht blöd oder langweilig ist.

Du musst lernen, hier zu unterscheiden. Das eine bist du, die Person, die noch lernt, und das andere ist dein Unterricht.

Dein Unterricht ist etwas, das du ändern kannst und auch dein ganzen Berufsleben immer wieder überdenken musst. Du machst Fehler, heute und auch später – arbeite an den Fehlern, lass dich von Kollegen beraten, hospitiere bei ihnen und sprich mit ihnen über verschiedene Möglichkeiten.

Das andere ist die Ebene, wie man mit dir umgeht. Natürlich schmerzt es, wenn das, was du mühsam vorbereitet hast, bei den Schülern nicht ankommt. Aber bei Schülern in diesem Alter stehen Diplomatie und Höflichkeit nicht gerade im Mittelpunkt, besonders in Gruppen, wie eine Klasse sie nun mal darstellt. Lerne nur, die Botschaft zu entnehmen, und finde einen Weg, damit umzugehen. Schau auch hier, wie andere Lehrer darauf reagieren, und probiere aus, welcher Weg der richtige für dich ist, deinen Schülern aber klar vermittelt, dass eine Meinungsäußerung nicht in unhöflichen Form geschehen darf.

Eltern und ihre Zweifel

Nach der ersten Zeit kommt dann plötzlich noch eine weitere Gruppe in die Schule: die Eltern. Sie beginnen, den Unterricht, dein Verhalten oder das Klassenklima zu kritisieren. Sie wollen nur das Beste für ihre Kinder, haben aber das Gefühl, dass du, unerfahren wie du bist, nicht genug Kompetenz besitzt. Hier sind Mentoren und Schulleiter gefragt. Gut ist es, wenn du im Vorfeld einen Brief schreibst, natürlich in Abstimmung mit der Schule, und erklärst, wer du bist, welchen Lehrer du unterstützt bzw. wer dich betreut. Kommen Fragen, dann solltest du diese gerade am Anfang in enger Abstimmung mit deinen Kollegen beantworten.

Fachleiter – finden (fast) immer etwas

Die Stunde war gut vorbereitet, und dann wird sie im Nachhinein heftig kritisiert. Tief Luft holen, durchatmen und auch hier die Botschaft entnehmen. Fachleiter möchten, dass sich dein Unterricht verbessert, das ist ihr Job. Nimm dir für die nächste Stunde, die du halten musst, einzelne Punkte heraus und arbeite an ihnen. Frag denjenigen, der dich betreut, ob sich eine Veränderung einstellt. Und auch hier gilt – nimm es dir nicht zu Herzen, sondern betrachte es als eine Möglichkeit, besser zu werden.

Und zuletzt: die Kollegen

Kollegen können eine Bereicherung sein, manchmal aber auch das genaue Gegenteil, mit Bemerkungen, die schon ziemlich weh tun können. Manche Äußerung wird unbewusst gemacht, andere sind gezielt gesetzt. Wenn es Kleinigkeiten sind, dann schluck es runter. Halte dich zurück. Geht es um größere Dinge, dann sprich den Kollegen in einem günstigen Augenblick an und frag, was damit gemeint war. Vielleicht lässt sich das schneller aus der Welt räumen, als du glaubst.

Und ganz wichtig …

… schaffe dir einen Ausgleich. Etwas, das nichts mit Schule zu tun hat: Sport, Kino, Bücher, Freunde, und denke erst dann wieder an Schule und Unterricht, wenn du bei der Vorbereitung bist. 

 

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Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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