Basics Referendariat

Typische Neulingsfallen im Referendariat

So umgehst du als Referendar Anfängerfehler

Rund 30.000 Nachwuchslehrer beginnen jedes Jahr ihr Referendariat. Dabei finden ca. nur 30 %, dass sie ausreichend auf den Schulalltag vorbereitet sind. Viele Referendare fühlen sich zunächst überfordert und erleben die „1.000 neuen Pflichten“ als Belastung. Vertraue darauf, dass eine mehrjährige Berufserfahrung den Schulalltag entlastet und Unterrichten durch Freude und Gelassenheit geprägt ist. Anfängerfehler gehören dabei zum Alltag eines Referendars. Folgende 10 Fehler solltest du vermeiden.
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1. Krach mit Lautstärke bekämpfen

Vermeide, wenn es laut ist, noch lauter zu werden. Schreien ist stets ein Zeichen von Schwäche und wird von den Schülern auch so empfunden. Erarbeite mit der Klasse klare Regeln und Prinzipien, und schaffe ein strukturiertes Lernumfeld.

2. Schüler mit falschem Namen anreden

Lerne ganz schnell die Namen deiner Schüler. Behilf dir zu Anfang mit einem Sitzplan oder Fotos. Schülernamen nicht zu kennen oder sie zu verwechseln, gilt als Zeichen mangelnder Wertschätzung!

3. Kein Methodenwechsel

Schüler zu aktiver Mitarbeit zu motivieren ist nicht einfach. Eine wirksame Voraussetzung dazu ist eine sinnvolle Methodenvielfalt, ohne die Langeweile und letztlich Unterrichtsstörungen entstehen.

4. Zu langer Lehrervortrag

Viele Lehrer reden im Unterricht zu viel. Vermeide lange Vorträge und sprich nicht über die Köpfe der Schüler hinweg. Unruhe und Unaufmerksamkeit sollten dich dazu veranlassen, auf lange Reden zu verzichten.

5. Zu viel „Stoff“

Mangelnde Erfahrung führt bei Referendaren oft zu einer Überfrachtung der Unterrichtsstunde, in der gleichzeitig mehrere Ziele verfolgt werden. Die für die Wirksamkeit des Unterrichts erforderlichen Phasen Anwendung, Konsolidierung und Reflexion des Gelernten können dann oft nicht erfolgen.

6. Missachtung der Lernvoraussetzungen

Effektives Lernen gelingt an der Gelenkstelle zwischen Wissen und Nichtwissen, zwischen Können und Nichtkönnen. Folglich ist es erforderlich, die Lernausgangslage, die Fähigkeiten, Stärken und Schwächen zu erfassen. Da Referendare die Kompetenzen, Interessen und Eigenarten ihrer Schüler nur unzureichend kennen, sind hier diagnostische Verfahren hilfreich.

7. Unverständliche Arbeitsaufträge

Werden Arbeitsaufträge nicht treffend formuliert, verstehen die Schüler nicht, was genau sie machen sollen. Grundsätzlich sollten Arbeitsaufträge schriftlich präsentiert werden und müssen immer mit einem Operator beginnen, der die Anforderungsbereiche abbildet (Nenne …, Beschreibe …, Erläutere …).

8. Stören bei der Einzelarbeit

Damit sich jeder Schüler mit einem Lerngegenstand auseinandersetzen kann, ist prinzipiell Einzelarbeit erforderlich. Das bewährte Unterrichtsprinzip des kooperativen Lernens ist durch die Schritte Einzelarbeit (Denkphase) – Partner-/Gruppenarbeit (Austauschphase) und Präsentationsphase gekennzeichnet. Übrigens: Die Person, die am häufigsten bei der Einzelarbeit stört, ist der Lehrer.

9. Keine Wertschätzung

Kinder und Jugendliche brauchen Wertschätzung beim Lernen. Zum einen müssen Schüler spüren, dass der Lehrer gern bei ihnen ist, zum anderen braucht jeder regelmäßig Feedback und positive Verstärkung. Es ist sehr hilfreich, wenn die Schüler Lern- und Prüfungssituationen unterscheiden können und die Lerngelegenheiten gewürdigt werden. Ein globales Lob ist unwirksam, ein gezieltes ist motivierend.

10. Die eigenen Bedürfnisse ignorieren

Du kannst nur gut unterrichten, wenn es dir selbst gut geht. Achte auf Ruhepausen und einen ausgewogenen Alltag. Gönne dir schöne Erlebnisse und pflegen deine sozialen Kontakte. Es liegt an dir, dein Leben eigenverantwortlich und bewusst zu gestalten, hin zu Gesundheit, Lebensfreude und Entscheidungsfreiheit.

Günther Hoppe verfügt über langjährige Erfahrungen als Lehrer, Schulleiter und Regierungsschuldirektor. Während seiner Dienstzeit lagen seine Arbeitsschwerpunkte vor allem in den Bereichen externe Evaluation, Qualitätssicherung und -entwicklung für Schulen. Zudem konnte Günther Hoppe zusätzliche Qualifikationen als EFQM-Assessor erwerben und war in der Qualifizierung neuer Schulleiterinnen und Schulleiter beschäftigt.

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