Diagnose und Förderung

Begabte Schülerinnen und Schüler individuell fördern

Felix fällt im Unterricht immer durch seine kreativen und quergedachten Lösungen auf? Ayse zeigt eine besondere Begabung im Fremdsprachenunterricht? Und Max ist im Umgang mit Zahlen den Mitschülern weit voraus? Dann sollten Sie sich Gedanken machen, wie Sie diese Kinder in Ihrem Unterricht individuell fördern können. Welche Möglichkeiten haben Sie hierzu im Alltagsunterricht? Erste Ansätze stellt Ihnen der folgende Beitrag vor.

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Begabte Kinder erkennen

Differenzierender Unterricht gehört zu ihrem Alltag. Dabei fördern Sie jeden ihrer Schüler individuell. Methodisch gestaltet sich dies vielschichtig. Sie setzen einerseits individualisierte Arbeitsmaterialien und Hausaufgaben ein, oder aber Sie fördern und fordern Ihre Schützlinge gezielt mithilfe von verschieden Organisations- und Sozialformen wie etwa der Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit oder dem Lernen an Stationen.

Manchmal befinden sich in Ihren Lerngruppen aber auch Schülerinnen und Schüler, die eine besondere Begabung für bestimmte Lerninhalte zeigen. Haben Sie bei einem Schüler oder einer Schülerin aufgrund Ihrer Beobachtungen Anhaltspunkte hierfür, so sollten Sie in den Austausch mit den anderen Lehrkräften gehen.

Austausch, bitte

Bitten Sie die Klassenlehrkraft und die anderen Lehrkräfte, die in der Klasse unterrichten, informell um einen kurzen Austausch zu Ihren Beobachtungen. Dies kann beispielsweise in Form einer kurzen Teamsitzung nach dem Schultag stattfinden. Jede Lehrkraft sollte zuvor die Chance erhalten, sich auf das Gespräch vorzubereiten. Deshalb sollten alle Beteiligten um die Inhalte des Gespräches wissen.

Notieren Sie Ihre Beobachtungen aus dem Unterricht und tragen Sie diese vor. Bitten Sie die anderen Lehrkräfte um eine Einschätzung hierzu. Gemeinsam sollten Sie eine Strategie finden, wie eine besondere Förderung für das betreffende Kind stattfinden soll. Erfolgen kann dies beispielsweise mithilfe besonderer Aufgabenstellungen oder auch durch das Übertragen von Kompetenzen (etwa Expertenrollen) im Unterricht.

Partizipation

Im Sinne einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit dem Elternhaus und der Partizipation Ihrer Schülerinnen und Schüler sollten Sie auch in den Dialog mit den Eltern und dem betreffenden Kind treten. Erläutern Sie Ihre Beobachtungen und die möglichen Förderungen, die sich für Ihren Unterricht ergeben. Welche Beobachtungen haben die Eltern gemacht? Welche Vorschläge hat Ihr Schüler oder Ihre Schülerin für die weitere Vorgehensweise? Ist er oder sie einverstanden mit Ihren Ratschlägen?

Welche Möglichkeiten der außerschulischen Förderung gibt es darüber hinaus, die im Elternhaus oder im Rahmen eines Freizeitangebotes genutzt werden können? Halten Sie Ihre Vereinbarungen schriftlich fest.

Umsetzung

Setzen Sie dann gemeinsam die vereinbarten Angebote in die Tat um. Reflektieren Sie – zunächst in enger Zusammenarbeit mit Ihren Kolleginnen und Kollegen sowie mit dem Schüler oder der Schülerin –, ob diese individuell passen. Beziehen Sie von Zeit zu Zeit auch die Eltern ein und besprechen Sie, wie die Förderung daheim gelingt. Je nach Resultat sollten Sie im Gespräch die Ergebnisse an die individuellen Differenzierungsmöglichkeiten anpassen.

Differenzierender Unterricht soll alle Schülerinnen und Schüler ansprechen. Auch Kinder mit besonderen Begabungen müssen dort abgeholt werden, wo sie stehen, um ihnen individuelle Perspektiven zu eröffnen. Hierfür braucht es Ihre Aufmerksamkeit und Ihren Mut, Ihre Beobachtungen zu kommunizieren. Gemeinsam im Team mit Lehrkräften, Eltern und dem jeweiligen Kind können Sie diese Wege allerdings gezielt und nachhaltig Schritt für Schritt beschreiten.

Alexandra von Plüskow ist Lehrerin im Landkreis Lüneburg und ist derzeit vom Land Niedersachsen als Bildungskoordinatorin in die Stabsstelle Schulverwaltung und Bildung, ÖPNV des Landkreises Heidekreis abgeordnet.

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