Diagnose und Förderung

Innere Differenzierung - indivuelle Förderung

Innere Differenzierung oder Binnendifferenzierung wird in der Schule zunehmend notwendiger. Die Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit, ihre Leistungsbereitschaft, ihre Motivation, ihr Arbeitstempo, ihren Kenntnisstand sowie ihre Interessen und Vorlieben. Um jedem Schüler gerecht zu werden, ist ein individuelles Eingehen auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler erforderlich. Jede Lehrerin und jeder Lehrer sollte daher über ein breites Methodenreservoir verfügen, um den Unterricht entsprechend gestalten zu können.
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Begriffserklärung

Der Begriff „Differenzierung“ bzw. „Differenz“ stammt von lat. differentia ab und meint so viel wie „Unterscheidung, Verschiedenartigkeit“. Im Bereich der Didaktik wird damit das Bemühen bezeichnet, den individuellen Besonderheiten, Bedürfnissen und Lernvoraussetzungen der Schüler einer Lerngruppe gerecht zu werden. Innere Differenzierung bezeichnet dabei die Maßnahmen, die im aktuellen Unterricht ergriffen werden – im Gegensatz zur äußeren Differenzierung, die von der Schule im organisatorischen Bereich vorgenommen wird.

Im Alltag von Lehrkräften spielt die innere Differenzierung eine immer größere Rolle, um dem individuellen Leistungspotenzial jeder Schülerin und jedes Schülers gerecht zu werden.

Gründe und Ziele

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb Sie sich bereits während Ihres Referendariats mit den verschiedenen Möglichkeiten der inneren Differenzierung beschäftigen und sich ein breites Methodenrepertoire aneignen sollten.

Ziel jeder inneren Differenzierungsmaßnahme ist die Optimierung der Lernprozesse. Alle Begabungen sollen gefördert, Defizite ausgeglichen und sowohl Erfolgserlebnisse geschaffen als auch Lernziele erreicht werden. Denn jeder lernt auf seine eigene Art und Weise, unterschiedlich schnell, mit individuellen Lerninteressen, Bedürfnissen und Wünschen und verschiedenen Kenntnissen und Fertigkeiten. Dennoch soll ein gemeinsames Lernen und Unterrichten möglich sein.

Differenzierungsmöglichkeiten

Bei Ihrer Unterrichtsgestaltung sollten Sie im Auge behalten, dass die Binnendifferenzierung nicht über den Aufgabenumfang, sondern über den Aufgabeninhalt erfolgt. Leistungsstärkere Schüler sollen mit anspruchsvolleren Aufgaben gefördert und können auch als Tutoren für Schwächere eingesetzt werden. Nutzen Sie zur Differenzierung verschiedene Materialien, Unterstützungsangebote oder Medien. Verschiedene Schülergruppen können auch unterschiedliche Themen bzw. Aspekte eines Themas bearbeiten. Wichtig ist hierbei, dass die verschiedenen Lernergebnisse im Plenum für alle vorgestellt und zusammengefasst werden.

Grenzen

Als verantwortungsbewusste Lehrkraft dürfen Sie aber auch nicht die Grenzen der Differenzierung im Regelunterricht aus den Augen verlieren.

Vermieden werden sollte, dass sich durch die Differenzierungsmaßnahmen die leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler immer weiter von den leistungsschwächeren Schülern entfernen. Denn das kann durchaus zu Frustrationserlebnissen bei den leistungsschwächeren Schülern führen.

Den Aspekt der Leistungsbeurteilung müssen Sie ebenfalls berücksichtigen. Noten sollen die individuelle Leistung einer Schülerin, eines Schülers ausweisen. Dies wird in leistungsdifferenzierten Arbeitsgruppen erschwert, da die Vergleichbarkeit der Schülerleistungen nur bedingt gegeben ist.

Aber auch die Mehrbelastung der Lehrkräfte und der erhöhten Ressourcenbedarf dürfen nicht vernachlässigt werden. Der Unterricht im Klassenverband bedeutet für Sie als Lehrkraft immer, einen Mittelweg zu finden, sowohl dem Klassenverband insgesamt als auch jedem Einzelnen gerecht zu werden.

Tipps

Nichtsdestotrotz lohnt sich das Bemühen um jeden Einzelnen. Sie als Lehrkraft sollten daher die Unterschiede der Schülerinnen und Schüler gezielt und bewusst wahrnehmen und berücksichtigen, individuelle Lernziele und ein individuelles Lerntempo zulassen, individuelle Lernanregungen und Lernhilfen geben sowie den Ablauf und die Ergebnisse der differenzierenden Maßnahmen reflektieren.

Juliane Stubenrauch-Böhme, München Lehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch; Referentin in der Lehrerfortbildung; derzeit abgeordnet an die Staatliche Prüfungsstelle für Übersetzer und Dolmetscher sowie pädagogische Mitarbeiterin für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

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