Diagnose und Förderung

So begleiten Sie effektiv die Lernprozesse Ihrer Schülerinnen und Schüler

Um Ihre Lernerinnen und Lerner auf deren individuellen Lernwegen zu unterstützen und zum Lernen zu motivieren, sollten Sie ihnen Mittel an die Hand geben, mit deren Hilfe diese ihre Lernprozesse selbst einschätzen können. Lesen Sie hier, wie Sie dies wirksam anbahnen.
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Das große Ziel: Nicht für die Schule, fürs Leben lernen

Lernen ist ein lebenslanger Prozess – das erleben auch Sie während Ihres Vorbereitungsdienstes Tag für Tag. Um Lernen als etwas Positives, Gewinnbringendes zu erfahren, braucht es eine positive Einstellung zum Lernen und Mittel, um den eigenen Lernweg einzuschätzen und zu planen. Dies ist sowohl im Rahmen des Klassenunterrichtes als auch in einer Fördergruppe mithilfe von verschiedenen Maßnahmen der Lernreflexion möglich. Führen Sie diese behutsam ein. Etwa, indem Sie am Ende einer Unterrichtsstunde oder einer Unterrichtseinheit zunächst nur einzelne Aspekte mündlich erfragen:

 „Was hat dich besonders angesprochen? – Was war interessant? – Was hat dir nicht so gut gefallen? – Was kanntest du schon? – Welche Arbeitsform hat dir am meisten Freude gemacht? – Was möchtest du in der nächsten Stunde lernen?“

Sind Ihre Schülerinnen und Schüler damit vertraut, sich mit dem eigenen Lernen auseinanderzusetzen, können Sie schrittweise damit beginnen, Ihnen Möglichkeiten zur Selbstreflexion nahezubringen.

Portfolios

Portfolios werden inzwischen nicht nur im Fremdsprachenunterricht eingesetzt, sondern auch in den anderen Fächern und im Förderunterricht. Sie ermöglichen schon Grundschülerinnen und Grundschülern, den eigenen Lernweg zu dokumentieren und über diesen zu reflektieren. In Portfoliomappen finden beispielsweise ausgewählte Unterrichtsergebnisse und Selbsteinschätzungsbogen Platz. Schritt für Schritt trainieren Ihre Schülerinnen und Schüler, Unterrichtsergebnisse, die sie für besonders gelungen halten, auszuwählen und zu sammeln – und den eigenen Lernprozess auf einem Selbsteinschätzungsbogen zu bewerten.

Checklisten

Checklisten werden häufig auch auf Portfolioseiten eingesetzt. Diese sollten wohldurchdacht sein. Was etwa sollen die Schülerinnen und Schüler bewerten? Soll die eigene Leistung mithilfe von Symbolen eingeschätzt werden? Achten Sie darauf, dass die Einschätzungen positiv formuliert und eindeutig zu verstehen sind.

Lerntagebücher

Ein sogenanntes Lerntagebuch führen Ihre Schülerinnen und Schüler z. B. während eines zuvor gemeinsam vereinbarten Förderzeitraumes oder aber im Rahmen einer Unterrichtseinheit. Sie notieren während dieser Phase in Tagebuchform, womit sie sich beschäftigen, in welcher Arbeits- bzw. Sozialform sie tätig sind und wie ihnen bestimmte Lerninhalte gefallen – und ob ihnen die Aufgabenstellungen eher leicht- oder schwerfallen. Ferner finden Unterrichtsergebnisse in dem Tagebuch Platz.

Eine neue Rolle: Die Lehrkraft als Lernbegleitung

Während Sie Ihre Schülerinnen und Schüler bei deren Lernprozessen begleiten, kommt Ihnen als Lehrkraft eine besondere Rolle zu. Schulen Sie bedacht und schrittweise den Einsatz von verschiedenen Mitteln zur Selbsteinschätzung von Leistungen. Betrachten Sie diese gemeinsam mit den einzelnen Lernerinnen und Lernern und geben Sie Ihnen ein ehrliches Feedback, das sich auf deren Stärken bezieht. Beziehen Sie nach einer gewissen Zeit die Lerngruppe in die Selbstevaluation ein. Im Gespräch mit Mitschülerinnen und Mitschülern über diese Ergebnisse ziehen die einzelnen Lernerinnen und Lerner wertvolle Rückschlüsse für ihre weitere Arbeit. Für diese Gespräche muss es natürlich feste Regeln geben, um eine offene und konstruktive Lernatmosphäre zu gewährleisten und zu erhalten.

Die Mittel zur Selbstevaluation sollten in Ihrem Unterricht nach und nach geübt werden. Sie bilden einen maßgeblichen Anteil daran, dass Ihre Schülerinnen und Schüler sich als aktive Lernerinnen und Lerner begreifen – und sich somit für den eigenen Lernprozess verantwortlich fühlen.  AvP

Weitere nützliche Hintergrundinformationen finden Sie auch in unseren Beiträgen zur erfolgreichen Planung und Vermittlung von Unterrichtseinheiten, zur Schülerbeobachtung und dazu, wie Sie als Lehrkraft Unterrichtsgespräche erfolgreich lenken.

Die Autorin Alexandra von Plüskow ist Grund- und Hauptschullehrerin. Sie hat mehrere Jahre lang als Lehrerin und Fachberaterin für die Landesschulbehörde Lüneburg und als Lehrbeauftragte für die Universität Koblenz-Landau gearbeitet. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin und Referentin für verschiedene Verlage.