Gespräche

Elterngespräche multikulturell

Wie du als Referendar hierzu deinen Beitrag leisten kannst

Ein paar Monate sind nun ins Land gegangen, Schüler und Lehrer haben sich aneinander gewöhnt. Jeder weiß, wie er den anderen nehmen muss. Aber es gibt da noch eine weitere Gruppe, die mit Schule und Schülern zu tun hat: die Eltern. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Eltern kein oder nur wenig Deutsch sprechen und kulturelle Unterschiede und Vorerfahrungen die Kommunikation zusätzlich erschweren.
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Ein Willkommensgefühl verschaffen

Stell dir einmal vor, du betrittst ein unbekanntes Gebäude und man ist unfreundlich zu dir. Hinzu kommt, dass man sich hier ganz anderes kleidet als bei dir zu Hause, und du hast das Gefühl, angestarrt zu werden. Auch beherrscht du die Sprache nicht. Das mulmige Gefühl ist da, egal, was du vorher gemacht oder welche Ausbildung du hast. So ähnlich fühlen sich diese Eltern. Sie wissen nicht, was richtig und falsch ist, welche Räume man betreten darf und welche nicht. Alles das, was uns normal und selbstverständlich scheint, ist fremd für sie.

Nun können wir natürlich nicht auf jede Kultur eingehen. Wir können nicht Dolmetscher in allen Sprachen zur Verfügung stellen, aber wir können freundlich sein, fremden Personen Hilfe anbieten und uns bemühen.

Andere zur Mithilfe gewinnen

Es ist ja in der Regel nicht so, dass fremdsprachige Eltern – egal aus welchem Land – plötzlich in der Schule erscheinen und niemand Kenntnisse in diesen Sprachen hat. Frage bei Eltern, Kollegen und Schülern nach, wer welche Sprache spricht. So kann an Tagen, an denen neue Eltern aus anderen Kulturkreisen an der Schule erscheinen werden, wie z. B. bei Einschreibungen, Schulveranstaltungen oder Elternsprechtagen, ein Team bereitstehen, das bei Sprachproblemen einspringt.

Nicht nur Sprachbarrieren überwinden

Schule ist nicht gleich Schule. So gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, und die muss man kennen. Auch wenn das für manche in der Schule ganz klar ist und normal erscheint, finden sich andere überhaupt nicht zurecht und verstoßen immer wieder aus Unwissenheit unabsichtlich gegen diese Vorgaben. Damit eben das nicht passiert, sind ganz klare Regeln erforderlich, z. B.: Wann beginnt die Schule? Wann endet sie? Ab wann muss man da sein? Was muss mitgebracht werden?

Genaue Planung

Binde alle Eltern mit ein. Das bedeutet, alle Kinder haben eine Vorteil davon, wenn auch die Elternarbeit funktioniert. Damit das klappen kann, müssen alle Eltern verstehen, wie Schule bei uns funktioniert. Gib Eltern einen gemeinsamen Raum und Zeit, um sich regelmäßig zu treffen. Hier können Fragen zu Hausaufgaben, zum Schulfrühstück, zu Unterrichtszeiten, zum Bewertungssystem usw. geklärt werden. Es kann ein direktes Feedback zwischen Lehrern und dieser Gruppe geben. Ermutige Eltern, dies ins Leben zu rufen.

Hemmschwellen abbauen

Bei Eltern, die aus anderen Kulturkreisen kommen, wissen wir nicht, was sie erlebt haben und was sie mit Schule verbinden. Baue diesen Eltern Brücken, damit sie sich einbringen können. Ist es für diese Eltern schwer, sich im sprachlichen Bereich zu engagieren, können sie vielleicht Unterstützung bieten, wenn eine Bastelaktion ins Haus steht oder du bei einem Ausflug eine Begleitung brauchst. So kann man sich gegenseitig kennenlernen und ggf. austauschen.

Sprachbarrieren

Sprache ist der Schlüssel zur Verständigung – aber gleichzeitig auch das, was am meisten hemmt, nämlich dann, wenn einem die Worte fehlen. Verständigung mit Händen und Füßen und ein paar Sprachbrocken kann zwar ganz lustig sein, aber gerade wenn Probleme auftreten, muss die Verständigung klappen. Die eigenen Kinder als Dolmetscher einzusetzen, eignet sich nur bedingt. Wer übersetzt den eigenen Eltern schon gern, dass es mit den Hausaufgaben nicht weit her ist und auch mit dem Benehmen nicht klappt. Bei einem funktionierenden schulischen Umfeld, in dem sich Eltern gut aufgehoben fühlen, sind sie sicherlich damit einverstanden, wenn eine andere Mutter oder ein anderer Vater übersetzt. Kennen sich die Eltern z. B. von gemeinsamen Treffen, dann vertrauen sie sich eher.

Denke immer daran – alle haben eigentlich ein gemeinsames Ziel: das Beste für die Kinder. Nur manchmal muss die Gemeinsamkeit des Weges verdeutlich werden.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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