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Jeder Schüler ist anders: individuelle Förderung innerhalb und außerhalb der Klasse

Alle Schülerinnen und Schüler haben ihre Stärken und Schwächen in ganz unterschiedlichen Bereichen und Fächern. Dementsprechend gilt es, ihren individuellen Anlagen nachzukommen und sie gezielt zu fördern.
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Um ein Kind bzw. einen Jugendlichen überhaupt sinnvoll fördern zu können, bedarf es einer genauen Analyse des individuellen Leistungsstandes. Dies kann in besonderen Fällen auch mit Unterstützung einer Förderlehrerin bzw. eines Förderlehrers oder auch unter Anleitung eines Schulpsychologen geschehen. In Absprache mit den Eltern werden dann gemeinsam Stärken und Schwächen des Lerners zusammengetragen. In welchen Bereichen kann bzw. muss die Schülerin bzw. der Schüler unterstützt werden? Liegt vielleicht eine Hochbegabung vor? Wichtig ist vor allem auch, möglichst nah am und mit dem Kind bzw. Jugendlichen zu arbeiten und dementsprechend sensibel vorzugehen.

Förderung innerhalb der Klasse

Der Begriff der „individuellen Förderung“ ist keine didaktische Floskel, sondern vielmehr die Pflicht eines jeden Pädagogen. Schon lange werden die verschiedenen Schülerpersönlichkeiten nicht mehr gleichschrittig unterrichtet, sondern in ihrer Individualität wahr- und ernst genommen. So gilt es Unterrichtsinhalte, unabhängig vom Fach, möglichst sinnvoll und gewinnbringend zu differenzieren, um den verschiedenen Lernertypen und Leistungsständen innerhalb einer Lerngruppe gerecht zu werden. In der Praxis gibt es verschiedene Möglichkeiten diesem Anspruch gerecht zu werden, wovon im Folgenden nur eine kleine Auswahl angeführt werden soll:

  • Arbeit mit Knobel- bzw. Königsaufgaben: Starke Schülerinnen und Schüler setzen sich mit besonders schwierigen Aufgaben auseinandersetzen. Diese können direkt mit dem Thema zusammenhängen oder auch weiterführend sein. 
  • Arbeit mit offenen Aufgaben: Hier lässt die Art der Aufgabenstellung zu, dass die Lernenden individuell auf ihrem Niveau am gleichen Inhalt arbeiten.
  • Arbeit an verschiedenen Aufgabentypen: Die Aufgaben unterscheiden sich in Umfang  oder Schwierigkeitsgrad voneinander und werden den Schülerinnen und Schülern entweder explizit zugewiesen oder sind basierend auf deren Selbsteinschätzung frei wählbar.
  • Hilfestellungen für schwache Lerner: Angepasst an den Lerninhalt werden entsprechende Anschauungsmaterialien bereitgestellt.
  • Arbeit mit einem Helfersystem: Starke Lerner können schwächeren Lernern helfen und ihr Leistungsvermögen damit auch zugunsten anderer einsetzen.

Egal auf welchem Weg Sie Ihre Schülerinnen und Schüler fördern, geben Sie diesen in jedem Fall stets Rückmeldung über ihren Leistungsstand und über etwaige Fortschritte.

Förderung außerhalb des Klassenverbandes

Nicht nur innerhalb der Klasse können Schülerinnen und Schüler individuell gefördert werden. Auch außerhalb kann viel getan werden. Zum einen bietet sich eine enge Zusammenarbeit mit Förderlehrkräften an. Diese können in kleineren Gruppen mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten und dementsprechend gezielt auf die förderungswürdigen Bereiche eingehen. Um diese genau zu ermitteln, werden die Kinder bzw. Jugendlichen im Vorfeld beobachtet und individuelle Förderpläne erstellt.

Eine andere Möglichkeit der individuellen Förderung ist die der außerschulischen Nachhilfe. Im Idealfall arbeitet die ausgewählte Person mit der Lehrerin oder dem Lehrer zusammen. Sprechen Sie deshalb mit dem Helfer und ziehen Sie mit ihm an einem Strang. Geben Sie weiter, in welchen Bereichen der Lernende besonders arbeiten muss und wo ihre bzw. seine Stärken liegen. Erklären Sie außerdem, wie Sie bei fachlichen Problemen im Unterricht vorgehen.

Ebenso wichtig wie der regelmäßige Austausch mit den Lernern, den Förderlehrkräften und der „Nachhilfe“ ist der mit den Eltern. Auch diese müssen über den Leistungsstand ihres Kindes auf dem Laufenden gehalten bzw. informiert werden. Zudem können auf diesem Wege Absprachen stattfinden, die die häusliche Förderung mit der schulischen abstimmen. Nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten kann einer individuellen Förderung effektiv durchgeführt werden.

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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