Gespräche

Stottern, Lispeln, Poltern – Umgang mit Sprechstörungen

Eine Schulklasse besteht aus Schülern mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Das wirst du als Referendar schnell feststellen. Hierbei ist es wichtig, jeden Schüler mit seinen individuellen Besonderheiten wahrzunehmen. Eine wirkliche Herausforderung. Als künftiger Lehrer kommst du daher zwangsläufig mit den unterschiedlichsten Problemen deiner Schüler in Berührung. So auch mit dem Thema Sprechstörungen.
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Abgrenzung von Stottern, Lispeln und Poltern

Stottern ist eine Redeflussstörung, bei der es immer wieder zu unfreiwilligen Pausen und auch Wiederholungen von ganzen Wörtern, Lauten oder Silben kommt.

Das Lispeln – auch Sigmatismus genannt – ist eine Artikulationsstörung. Bemerkbar macht sich diese Störung dadurch, dass statt eines klaren „s“ häufig ein Zischlaut, ähnlich dem englischen Laut für „th“, genutzt wird. Dieser wird durch eine fehlerhafte Stellung der Zunge verursacht.

Beim Poltern kommt es zu einer „verwischten“ Aussprache, die durch sehr schnelles Reden und das Verschlucken von Lauten entsteht.

Erst beobachten, dann ansprechen

Solltest du bei einem Schüler eine Sprechstörung bemerken, ist es wichtig, genau hinzuschauen. Wie wird der Schüler in der Klassengemeinschaft wahrgenommen? Wie äußert sich seine Störung im Unterrichtsverhalten? Verstummt er zunehmend aus Angst zu sprechen? Nachdem du das Verhalten des Schülers etwas beobachtet hast, solltest du ihn direkt und unter vier Augen ansprechen. Ganz sicher ist dieses sensible Thema nicht nur dir, sondern auch dem betreffenden Schüler unangenehm. Falle daher nicht direkt mit der Tür ins Haus und überlege dir vorab, wie du das Thema ansprichst. Im Gespräch solltest du herausfinden, ob sich der Schüler bereits in logopädischer Behandlung befindet und wie er selbst zu seiner Sprechstörung steht.

Wenn Mitschüler lachen

Ein offener Umgang ist nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für die Klassengemeinschaft von Bedeutung. Besprich zunächst mit dem betroffenen Schüler, ob er über seine Sprechstörung offen in der Klasse reden möchte. Häufig fehlt Mitschülern hier die richtige Aufklärung. Eine kleine Unterrichtseinheit zu diesem Thema kann daher nur förderlich sein. Vielleicht möchte der Schüler sogar selbst von seinen logopädischen Übungen und auch Fortschritten berichten.

Der richtige Umgang

Kein Schüler möchte im Unterricht als „Sonderling“ dargestellt und behandelt werden. Wurde das Thema einmal offen besprochen, muss es nicht ständig im Klassenfokus stehen, wenn sich der betroffene Schüler zu Wort meldet. Übermäßiges Loben und eine sensible Extrabehandlung sind hier fehl am Platz. Dennoch sollte der Schüler nach wie vor nicht unter Druck gesetzt werden: Gib ihm so viel Zeit, wie er zum Sprechen benötigt, und bewerte seine Antworten ebenso kritisch wie die seiner Mitschüler. Ganz unabhängig von Sprechstörungen: Jeder Schüler benötigt eine sichere Atmosphäre ohne Angst, Druck und Sonderbehandlung.

Wichtig: Dein Beruf hat Grenzen

Als erste Anlaufstelle empfiehlt sich das Lehrerkollegium, denn ein Schüler mit Sprechstörungen betrifft dich nicht alleine. Sprich das Thema und deine Sorgen offen an und frage nach Erfahrungen im Umgang. Dir sollte bewusst sein, wo deine Grenzen als Referendar liegen. Du bist kein Logopäde. Natürlich steht es dir frei, Rücksprache mit Logopäden zu halten. Sie können dir sinnvolle Tipps geben, die du eventuell direkt in deinem Unterricht umsetzen kannst.

Hannah Thömmes-Bonart hat Germanistik, Multimedia und Deutsche Literatur in Karlsruhe und Berlin studiert und zeichnet sich durch mehrjährige Erfahrung in unterschiedlichen redaktionellen und multimedialen Arbeitsbereichen aus.

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