Gespräche

Konstruktive Konfliktlösung durch Klassengespräche

In einer Klasse bzw. an einer Schule treffen verschiedenste Persönlichkeiten aufeinander, weshalb Streitereien und Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers keine Seltenheit sind. Aus diesem Grund ist es wichtig, diese als normal und menschlich zu akzeptieren und einen guten Umgang damit zu finden.
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Konfliktherd Schule

An einer Schule treffen sich jeden Tag unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Biografien und Erfahrungen und treten miteinander in Kontakt. Sie können sich in vielen Bereichen voneinander unterscheiden, was immer wieder Konflikte hervorrufen kann.

Konflikte können überall entstehen: Es kann während oder vor bzw. nach dem Unterricht im Klassenzimmer passieren, in den Toilettenräumen oder auf dem Pausenhof. In vielen Fällen ist die Lehrkraft nicht anwesend und die Betroffenen sind in dieser Situation auf sich allein gestellt. Umso wichtiger ist für die Kinder und Jugendlichen, dass in der Klärungsphase danach die Bezugsperson bei der Lösung der Auseinandersetzung in Erscheinung tritt und hilft. Allerdings sollte sich deren Rolle im Laufe der Zeit weg vom Schiedsrichter hin zum stillen Beobachter entwickeln, der die Lernenden zu einer selbstständigen Konfliktlösung führt. Diese „Königsdisziplin“ muss jedoch langsam angebahnt und erlernt werden und kann bei den Schülerinnen und Schülern keineswegs vorausgesetzt werden.

Auf dem Weg zu einer konstruktiven Konfliktlösung

Damit Streitigkeiten möglichst ohne Einwirken einer Lehrkraft durch die Schülerinnen und Schüler selbst geklärt werden können, müssen vorher einige Grundlagen besprochen werden:

  • Konflikte sind normal. 
  • Jeder Konflikt ist lösbar.
  • Vereinbarte (Gesprächs-)Regeln müssen eingehalten werden.
  • Jeder darf sich einbringen.
  • Ehrlichkeit währt am längsten.
  • Ein Konflikt ist erst dann gelöst, wenn das alle Beteiligten so sehen.

Um zu einer konstruktiven Konfliktlösung zu gelangen, braucht es in jedem Fall Ruhe und Zeit. Wie viel davon in Anspruch genommen wird, bleibt im Ermessen des „Streitschlichters“, der die Bedeutsamkeit des Zwischenfalls einschätzen muss. Während manche Streitigkeiten problemlos „zwischen Tür und Angel“ behoben werden können, verlangen manche nach mehr Aufmerksamkeit, da sie für alle wegweisend sind.

Konfliktlösung im Klassenverband

Im Schulalltag können Konflikte entweder unmittelbar nach deren Auftreten besprochen und gelöst werden oder in einer eigens dafür festgelegten „Aussprachestunde“. Welche Vorgehensweise sich anbietet, muss von Fall zu Fall entschieden werden – manche Streitigkeiten sind aufschiebbar, manche erfordern nach einer unmittelbaren Lösung. In jedem Fall sollte das daraufhin „einberufene“ Plenumsgespräch geordnet und strukturiert ablaufen, um eine rasche Beilegung des Konflikts zu begünstigen.

 1. Jeder erzählt seine Sicht der Dinge. Was hat sich ereignet? Wie kam es zu dem Streit? Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten ungestört und ohne Unterbrechungen äußern dürfen.

 2.  Am Ende einer jeden Vorgangsbeschreibung äußern sich die Schülerinnen und Schüler dazu, was ihnen an der Verhaltensweise des anderen missfällt („Ich mag nicht, dass du…“).

 3.  An dieser Stelle gilt es nun, beide Sichtweisen abzugleichen und etwaige Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zu ergründen und zu reflektieren.

 4.  Nun geht es daran, Lösungen für den Konflikt zu finden. Hier darf und kann sich jeder einbringen und Vorschläge machen. Es geht an dieser Stelle nicht nur um die Lösung des akuten Konflikts, sondern vielmehr auch darum, ähnliche Streitigkeiten in Zukunft zu verhindern.

 5.  Am Ende wird die gefundene Lösung und das Gespräch mit den Beteiligten reflektiert: Sind beide damit einverstanden? Sehen sie ihre Auseinandersetzung als geklärt an?

Um sich als Lehrkraft möglichst weit im Hintergrund halten zu können, bietet es sich an, die Moderation zum Beispiel an die Klassensprecher abzugeben. Diese sollen aber keineswegs als Schiedsrichter in Erscheinung treten, sondern lediglich administrative Aufgaben übernehmen, wie z. B. einzelnen Schülerinnen und Schülern das Wort zu erteilen o. Ä.

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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