Gespräche

Schülerzentrierte Gesprächskultur

Unterricht ist Kommunikation. Und Unterricht sollte weitgehend schülerzentriert sein. Wie können diese beiden Maxime zusammengebracht werden? Welche Gesetze gelten in einer schülerzentrierten Gesprächskultur? Und wie kannst du diese ganz konkret in deinem eigenen Unterricht umsetzen? Der folgende Beitrag zeigt Grundlagen auf und gibt praxisnahe Tipps.
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In einem schülerzentrierten Unterricht wird das Lerngeschehen maßgeblich durch die Schüler, deren Interessen, Fragen, Impulse und Aktionen bestimmt. Im besten Fall verläuft das Unterrichtsgespräch von Schüler zu Schüler, die Lehrkraft greift nur lenkend ein. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht natürlich oft ganz anders aus, da ein geordnet ablaufendes Unterrichtsgespräch schon deshalb häufig nicht möglich ist, weil die Schüler sich gegenseitig nicht zuhören, sich nicht ausreden lassen oder alles Gesagte ungefragt kommentieren.

Planst du ein schülerzentriertes Unterrichtsgespräch, dann ruf dir zunächst die grundlegenden Gesetze der Kommunikation wieder ins Gedächtnis:

Wer soll mit wem kommunizieren?

  • z. B. alle Schüler der Klasse miteinander oder
  • die Schüler in Kleingruppen oder
  • zwei Banknachbarn

Wie ist deren Beziehung untereinander?

  • Wie gut kennen sich die Schüler?
  • Haben sie vorher etwas gemeinsam erarbeitet?
  • Gibt es „Experten“ und „Laien“?

Was soll Gegenstand der Kommunikation sein?

  • z. B. ein neuer Impuls zu Beginn der Stunde oder
  • ein intensiv erarbeitetes Thema oder
  • eigene, individuelle Erfahrungen

Unter welchen inneren und äußeren Bedingungen erfolgt die Kommunikation?

  • Muss man sich zu Wort melden?
  • Darf man sich spontan und impulsgesteuert einbringen?
  • Tritt man in einen Dialog?
  • Spielen Emotionen eine Rolle?

Wer beeinflusst die Kommunikation?

  • Welche Regeln gibt es zu beachten?
  • Welche Voraussetzungen familiärer oder schulischer Art bestimmen die Kommunikation?
  • Ist der Lehrer der Talkmaster?
  • Übernehmen Schüler eine lenkende Rolle?

Für ein ergebnisreiches Unterrichtsgespräch, bei dem die Beiträge der Schüler im Mittelpunkt stehen, ist es unerlässlich, klare Regeln aufzustellen und auf deren Einhaltung zu pochen.

Das heißt konkret:

Halte deine Schüler dazu an, laut und deutlich zu sprechen. Gibt es inhaltliche Verständnisschwierigkeiten, dann dränge auf klare, einfache und auch knappe Formulierungen.

Fordere von deinen Schülern ein, in ganzen Sätzen zu antworten und konkret auf den Vorredner einzugehen. Lass sie zudem ihre Aussagen begründen.

Schaffe eine wertschätzende Atmosphäre. Verdeutliche deinen Schülern unbedingt, dass zunächst jeder Gesprächsbeitrag Respekt verdient und dass niemand – auch bei absolut falschen Aussagen – verspottet werden darf.

Stelle klar, dass das Unterrichtsgespräch immer auf einer sachlichen Ebene geführt werden muss und niemand persönlich angegriffen oder beleidigt werden darf.

Greife als Moderator lenkend ein, vermeide aber jegliche Art von Monolog oder langatmige Ausschweifungen. Stelle lieber von Zeit zu Zeit konkrete Fragen. Aber Achtung: Vermeide Suggestivfragen und geschlossene Fragestellungen, denn die bringen das Gespräch kaum in Gang.

Führe ein, dass sich die Schüler untereinander bei ihren Namen aufrufen. Durch unterschiedliche Handzeichen sollen sie signalisieren, ob sie einen neuen Beitrag leisten möchten oder direkt auf den Vorredner eingehen wollen.

Am Ende einer Gesprächsrunde sollen die Schüler selbst die wichtigsten Ergebnisse zusammenfassen. Ist die Klasse mit den Gesprächsregeln vertraut und werden sie konsequent eingehalten, dann ist die schülerzentrierte Gesprächskultur eine gewinnbringende Unterrichtsmethode. Bedenke in diesem Zusammenhang aber auch die nonverbale Kommunikation, die das Unterrichtsgeschehen beeinflusst, und sensibilisiere deine Schüler für

  • ihre Mimik,
  • ihr Blickverhalten,
  • ihre Gestik,
  • ihre Körperhaltung,
  • ihre Bewegungen und
  • ihr Verhalten

und verdeutliche, dass diese Art der Kommunikation die Aussagen verstärken, aber auch verändern oder sogar verfälschen kann. Dass sie motivieren, aber auch demotivieren, und dass sie die verbale Botschaft in manchen Fällen sogar ersetzen kann.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg.

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