Gespräche

Wann soll ich eingreifen?

Die Arbeit mit heterogenen Gruppen dominiert den Lehreralltag. Charakteristisch für jede Gruppe sind verschiedene Rollen und damit immer wieder auch Rollenkonflikte, die durchaus eskalieren können. Natürlich kannst du als Referendar bestimmt immer auf die Hilfe erfahrener Kollegen zurückgreifen. Aber folgende Tipps helfen dir, selber tätig zu werden und spannungsgeladene Situationen zu beruhigen.
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Um Auseinandersetzungen fair und nachhaltig lösen zu können, ist es wichtig, dass du – schon bevor überhaupt ein Konflikt entstanden ist – die Gruppenstruktur kennst. Beobachte deine Schüler aufmerksam und finde heraus,

  • wer mit wem kommuniziert,
  • welche Ziele die einzelnen Gruppenmitglieder haben,
  • welche – selbstauferlegten – Normen gelten,
  • wer welche Rolle einnimmt.

All diese Informationen sind äußerst hilfreich, denn mit diesem Wissen kannst du sensibler und differenzierter eingreifen.

Kommt es nun zum Ernstfall und eine Auseinandersetzung unter Schülern droht zu eskalieren, solltest du selbst immer ruhig und sachlich bleiben und alle Beteiligten ermutigen, über den Vorfall und den Inhalt des Konflikts zu sprechen. Es ist wichtig, das Verhalten und die Verantwortung aller in den Blick zu nehmen! Wenn es die Situation erfordert oder ermöglicht, kann dieses Gespräch vor der Klassenzimmertür, nach der Schulstunde, in der Pause oder nach Schulschluss in Ruhe und ohne Publikum geführt werden.

Indem du die Schüler aufforderst, sich in die Lage und das Empfinden eines Opfers hineinzuversetzen, kannst du verdeutlichen, welche Auswirkungen bestimmte Verhaltensweisen haben.

Je nachdem, wie brisant sich die Situation darstellt, ist es bestimmt auch möglich, Opfer oder Täter oder auch beide zur Strafe oder zum Schutz ins Sekretariat bzw. Direktorat zu schicken. Damit kannst du den Vorfall dann auch mit den verbleibenden Schülern im Klassenverband thematisieren.

Auch für dich als Lehrkraft ist es keine Schande, sich Hilfe zu holen. Kollegen, die die betroffenen Schüler kennen, Vertrauenslehrer, Schulpsychologen oder andere pädagogische Fachkräfte, die oftmals an Schulen zu finden sind, unterstützen dich sicher gerne. Frage auch die Konfliktparteien, ob sie möglicherweise eine Lehrkraft ihres Vertrauens ins Boot holen wollen, um den Streit beizulegen.

Eine zusätzliche – oftmals recht hilfreiche Maßnahme – stellt das Gespräch mit den Eltern dar. Organisiere einen Elternabend, an dem die Eltern aller beteiligten Schüler anwesend sind. Erläutere nicht nur den Sachverhalt, sondern thematisiere auch Verhaltensregeln, die zukünftig gelten sollen. Damit sind die Eltern involviert und tragen ebenso Verantwortung.

An vielen Schulen gibt es mittlerweile auch zu Streitschlichtern ausgebildete Schüler. Diese Peer-Mediation hat einige Vorteile, da es beispielsweise kein Machtgefälle wie zwischen Lehrern und Schülern gibt. Das Vertrauen zwischen den Peers entwickelt sich rascher, und die Akzeptanz von selbst getroffenen Vereinbarungen ist oft größer als die von oktroyierten Lösungen.

Es gibt aber auch eine Reihe von Konflikten, bei denen nicht nur die Peer-Mediation, sondern auch die „normale“ pädagogische Kompetenz an ihre Grenzen stößt und andere Möglichkeiten der Konfliktbehandlung nötig sind:

  • (strafrechtliche) Delikte (Körperverletzung, Drogen, Vandalismus, sexuelle Nötigung und andere sexuelle Übergriffe)
  • Familienkonflikte, Geschwisterkonflikte
  • Konflikte zwischen einem Lehrer und einem Schüler

All diese Tipps sind einzeln oder gebündelt angewandt sicher hilfreiche Strategien, wenn Auseinandersetzungen zwischen Schülern zu eskalieren drohen. Die Frage nach dem Zeitpunkt des Eingreifens ist weitaus schwieriger zu beantworten. Du solltest als Lehrer allerdings immer tätig werden, wenn

  • dich Schüler darum bitten.
  • du selbst erkennst, dass einem Schüler durch das Verhalten eines anderen Nachteile drohen.
  • du eine Situation als unangemessen oder gefährlich empfindest oder erkennst.

Und du solltest dir immer dann Hilfe von erfahrenen Pädagogen holen, wenn

  • du das Gefühl hast, dass dir die Situation entgleitet.
  • du nicht objektiv, fair und gerecht entscheiden kannst.
  • du den Konflikt grundsätzlich nicht lösen kannst.
  • du einfach Rat brauchst und sei es, um selbst neue Aspekte der Konfliktbewältigung kennenzulernen.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg.

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