Schule mitgestalten

Der Pausenkiosk: Gesundes Essen statt Wurstbrot und Schokoriegel

Der Pausenkiosk bietet der Schule die Möglichkeit, ganz konkret zu einem gesundheitsbewussten Ernährungsverhalten bei Schülerinnen und Schülern beizutragen. Das Angebot soll aus gesunden, zahnschonenden, saisongerechten und regionalen Produkten bestehen und somit Alternativen zu Wurstbrötchen und Schokoriegel bieten. Die ausgewogene Zwischenmahlzeit trägt dazu bei, das Leistungs- und Konzentrationsvermögen der Schüler zu erhalten. 
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Der Pausenverkauf muss organisiert werden

Der Pausenverkauf wird von der jeweiligen Schulleitung organisiert. Sie bestimmt, ob ein Pausenverkauf eingerichtet wird und was dort verkauft werden darf. Traditionell wird der Pausenverkauf vom Hausmeister durchgeführt, es gibt aber mittlerweile auch die Modelle, Essenszulieferer oder aber eine oder mehreren Klassen zu beauftragen. Die Schülerinnen und Schüler kaufen die Produkte ein und verkaufen sie während der Pause zu einem günstigen Preis an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler.

Rechtsvorgaben für den Kiosk

Wenn ein Kiosk betrieben wird, muss auf folgende hygiene-, seuchen- und lebensmittelrechtlichen Bestimmungen geachtet werden:

1. Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene

Diese Verordnung stellt sicher, dass einheitliche Hygienestandards herrschen. Alle Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegungen unterliegen der Verordnung. Es werden vor allem drei Bereiche geregelt:

  • Allgemeine Hygieneanforderungen (= gute Hygienepraxis)
    Es werden konkrete Hygieneanforderungen an das Personal, an die Betriebsstätten, Räume, Gegenstände und an den Umgang mit Lebensmitteln gestellt.
  • Betriebseigene Kontrollsysteme
    Es muss ein Eigenkontrollsystem zur Risikoanalyse und Beherrschung kritischer Kontrollpunkte vorliegen. So sollen vorbeugende Kontrollmaßnahmen die Unbedenklichkeit der Lebensmittel gewährleisten. Kontrolliert werden z. B. die Speisentemperatur bei der Essensausgabe oder die Kühlschranktemperaturen für kühlbedürftige Speisen.
  • Mitarbeiterschulung
    Alle Personen, die mit Lebensmitteln umgehen, müssen entsprechend ihrer Tätigkeit überwacht und in Fragen der Lebensmittelhygiene unterrichtet oder geschult werden. Jeder Mitarbeiter muss zu Beginn des Arbeitsverhältnisses und dann regelmäßig mindestens einmal jährlich geschult werden.

2. Infektionsschutzgesetz

Das Infektionsschutzgesetz (01.02.2002) dient der Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen. Es gilt für alle Personen, die regelmäßig in der Schule andere mit Essen und Trinken versorgen. Es gilt auch für ehrenamtlich tätige Personen.

3. Kennzeichnungsvorschriften

Kennzeichnungsvorschriften gemäß der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung gelten in der Gemeinschaftsverpflegung nur für verpackte Lebensmittel, z. B. verpackte Brötchen im Schulkiosk. Für Speisepläne gilt die Zusatzstoff-Zulassungsverordnung. Jeder eingesetzte Zusatzstoff muss kenntlich gemacht werden.

Über den Tellerrand geblickt

Was vor dem Hintergrund einer Studie des Robert-Koch-Instituts sinnvoll klingt - rund 15 Prozent der deutschen Kinder gelten als übergewichtig, rund 6 Prozent als adipös –, stößt nicht immer auf Gegenliebe bei den Eltern: So musste z. B. der englische Sternekoch Jamie Oliver, der das britische Schulessen von Pommes und Würstchen auf gesunde, ausgewogene Ernährung umstellen wollte, erleben, dass drei Mütter an einer Schule in der Grafschaft Rotherham Burger, Pommes und Würstchen an den Schulzaun brachten und sie ihren und anderen Kindern zusteckten. Auch in anderen Schulen im Land blieben die Kantinen leer, wenn vegetarische Gerichte angeboten wurden. 

Das Erziehungsrecht des Staates in Deutschland

In Deutschland greift bei der Ernährungserziehung der Staat ein, weil Gesundheitsrisiken bei Schülerinnen und Schülern ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellen. Kinder und Jugendliche, die sich ungesund ernähren, ernähren sich häufig auch als Erwachsene ungesund und können an Folgekrankheiten wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck leiden.

Der Staat hat ein eigenes Erziehungsrecht für die Schülerinnen und Schüler, das gleichberechtigt neben dem elterlichen Erziehungsrecht steht (siehe Art. 131 der Bayerischen Verfassung). Bei dieser „Hilfe“ für die Kinder und Jugendlichen muss der Staat selbstverständlich das Selbstbestimmungsrecht der Kinder und das Erziehungsrecht der Eltern berücksichtigen. Die Schule kann den Schülerinnen und Schülern also freiwillige Angebote machen und Alternativen zu Wurstbrötchen und Schokoriegel aufzeigen.

Donnerstag ist Veggietag

Um nicht den gleichen Weg wie Jamie Oliver gehen zu müssen, erarbeiten Sie am besten zusammen mit Schulleitung, Eltern und Schülerinnen und Schülern z. B. im Rahmen eines Projekttages ein Konzept für ein ausgewogenes, gesundes Angebot am Pausenkiosk. Informieren Sie sich im Detail über die hygiene-, seuchen- und lebensmittelrechtliche Bestimmungen und entscheiden Sie sich für ein Modell. Tipp: Das Angebot muss ja nicht immer gleich grundlegend revolutioniert werden. Als erster Einstieg reicht auch ein Tag, am dem z. B. frisches Obst, frische Salate und Brötchen mit Frischkäse und Gemüse, Tee, Wasser und Saftschorlen angeboten werden.  MK

Wenn es um Sicherheit und Gesundheit geht, sollten Sie informiert sein. Lesen Sie deshalb auch unsere Beiträge über Schulordnung und Notfallplan, Rauchverbot an Schulen, Arbeitsschutz in der Schule und zum Mutterschutz im Referandariat.

 

 

 

Der Autor Matthias Kley arbeitet seit über 15 Jahren als Texter und Autor für verschiedene Schulbuchverlage.