Unterricht

Leistungen in der Schule messen und beurteilen

Schülerleistungen messen und beurteilen ist seit jeher eine zentrale Aufgabe von Lehrern. Die Benotung erfolgt dabei im Rahmen der geltenden juristischen Vorgaben, die die Grundsätze des gültigen Noten- und Punktesystems definieren. Diese Form der Bewertung erzeugt jedoch häufig sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern und Eltern einen gewissen Unmut, und die klassischen Ziffernzensuren geraten immer wieder in die Kritik. Mit den Veränderungen im Bildungsbereich wird darüber hinaus zunehmend die Forderung nach dem Einsatz neuer, alternativer Formen der Leistungsbewertung laut. Es lohnt sich also, sich bereits zu Beginn der Lehramtsausbildung intensiv mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen.
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Leistungsmessung und Beurteilung

Meist werden diese beiden Begriffe zusammen genannt, da i. d. R. der Leistungsmessung die Beurteilung folgt. Mit der Leistung eines Schülers wird seine intellektuelle Leistung zum Erlernen bestimmter Inhalte oder Fähigkeiten bezeichnet. Zunächst wird im schulischen Kontext die Schülerleistung in Bezug auf eine Norm gemessen und diese dann bewertet.

Diese Bewertung wird zumeist durch Noten ausgedrückt, wobei der Lehrkraft ein gewisser pädagogischer Ermessensspielraum bleibt, um dem jeweiligen Kontext gerecht zu werden. Der Bewertung von Schülerleistungen können unterschiedliche Bezugssysteme zugrunde gelegt werden: kriterienorientiert (Sachnorm, bspw. Lehrpläne, Bildungsstandards), sozial (Sozialnorm, bspw. die jeweilige Lerngruppe) oder individuell (Individualnorm, frühere Leistungen des gleichen Lerners).

Bedeutung und Funktion

Die Beurteilung von Schülerleistungen erfüllt zahlreiche Funktionen und steht nicht zuletzt deshalb im Zentrum des Erlebens von Schule und Unterricht sowohl bei Schülern als auch Eltern:

  • Rückmeldefunktion: Leistungsbeurteilungen liefern Informationen über den Leistungsstand der jeweiligen Klasse und den Erfolg des Unterrichts. Diese Informationen bilden die Basis für weitere Fördermaßnahmen bzw. die weitere Unterrichtsplanung. Auch Eltern erhalten so Nachricht über den aktuellen Leistungsstand ihres Kindes.
  • Berechtigungs- und Selektionsfunktion: Leistungsbeurteilungen ermöglichen bzw. verhindern u. U. den Zugang zu weiterer Bildung.
  • Erziehungsfunktion: Schüler sollen durch gute bzw. schlechte Noten motiviert werden, sich weiterhin bzw. intensiver als bisher mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen.

Fehlerquellen

Selbstverständlich kann es auch bei der Leistungsmessung und -beurteilung zu (subjektiven) Fehlern kommen. Das Wissen um diese Tatsache und ein professioneller Umgang damit ist daher unerlässlich. Behalten Sie beim Korrigieren und Bewerten die folgenden häufigsten Fehlerquellen im Auge, um sie möglichst zu vermeiden.

  • Effekt des ersten Eindrucks: Der erste Eindruck des Lehrers von einem Schüler prägt die nachfolgende Wahrnehmung und Einschätzung sowie die Bewertung der Leistungen dieses Schülers.
  • Effekt der Zusatzinformationen: Zusätzliche Informationen zu einzelnen Schülern – positive wie negative – beeinflussen Korrektur und Benotung.
  • Sympathieeffekt: Manche Lehrer neigen dazu, Schüler, die ihnen sympathisch/unsympathisch sind, besser/schlechter als angebracht zu bewerten.
  • Urteilsfehler: Bei Strengefehlern neigt der Lehrer zur Vergabe vor allem schlechter Noten, bei Mildefehlern zur Vergabe von vor allem guten Noten. Häufig lässt sich, vor allem in Fächern, bei denen die Unterteilung in richtig und falsch diffiziler ist, eine Tendenz zur Mitte feststellen, d. h., es werden überwiegend durchschnittliche Noten vergeben.
  • Halo-Effekt: Ein auffälliges Merkmal eines Schülers veranlasst den Lehrer, auf andere, nicht beobachtbare Merkmale zu schließen. So kann z. B. das Verhalten eines Schülers im Unterricht Einfluss auf die Benotung haben.
  • Reihenfolge-Effekt: Die erste Arbeit bei der Korrektur setzt den Maßstab für alle weiteren Arbeiten, die in der Folge mit dieser Arbeit verglichen und bewertet werden.

Grundprinzipien

Da Leistungsbewertung und Benotung i. d. R. im aktuellen Schul- und Bildungswesen eine zentrale Rolle spielen, sollten Sie dabei größte Sorgfalt walten lassen und folgende Prinzipien berücksichtigen:

Die Transparenz der Leistungsanforderungen ist bei der Erstellung von Prüfungsarbeiten oberstes Gebot. Skizzieren Sie immer vor der Prüfung den Erwartungshorizont.

Die Leistungsermittlung muss sich unmittelbar aus Ihrem Unterricht ergeben und den Anforderungen des Lehrplans entsprechen. Didaktische Prinzipien wie Prozess- und Lernerorientierung sollten berücksichtigt sein.

Die Prüfungsform sollte mit Ihrem Unterricht und dem bisher Geübten konform sein, d. h., die Schüler sind mit der gestellen Aufgabenform vertraut. Die Prüfungsaufgabe sollte den behandelten Stoff proportional abbilden: Was lange geübt wurde, sollte verstärkt abgeprüft werden.

Peilen Sie einen mittleren Schwierigkeitsgrad an: Die Mehrzahl der zu bearbeitenden Aufgaben sollte auch von der Mehrheit der Schüler in der Prüfungszeit zu bewältigen sein. Das Niveau der Prüfung sollte dem Niveau des Unterrichts entsprechen.

Achten Sie auf eine motivierende äußere Gestaltung, eine verständliche Formulierung der Aufgaben, eine sinnvolle Anordnung der einzelnen Teilaufgaben (vom Einfachen als „Warm-up“ zum Komplexen, die schwierigsten Aufgaben im Mittelteil und nicht gegen Ende, wenn die Konzentration nachlässt etc.) sowie eine breite Fülle an verschiedenen Aufgaben bzw. an ausreichend komplexen und ganzheitlichen Fragestellungen.

Bemühen Sie sich, die drei Gütekriterien aus der klassischen Testtheorie zu berücksichtigen: Objektivität (ein Test ist objektiv, wenn das Ergebnis vom Beurteiler unabhängig ist), Valiabilität (ein Test muss das messen, was er vorgibt zu messen), Reliabilität (Grad der Gültigkeit, mit dem ein Test misst, was er vorgibt zu messen).

Achten Sie abschließend auf eine transparente Korrektur und sinnvolle Punktevergabe. Eine Positivkorrektur ist gerade für schwächere Schüler motivierender als eine Negativkorrektur, die ihnen lediglich ihre Schwächen und Defizite vor Augen führt.

Alternative und neue Formen

Nutzen Sie vor dem Hintergrund der zunehmenden Kompetenzorientierung des Unterrichtsgeschehens auch alternative und neue Formen der Leistungsbeurteilung. Binden Sie die Schüler in diesen Prozess mit ein. Scheuen Sie sich nicht, zu experimentieren und neue Wege zu beschreiten und auch nichtfachlich-inhaltliche Lernbereiche wie methodisch-strategische und sozial-kommunikative Leistungen (→ erweiterter Lernbegriff) in die Bewertung miteinzubeziehen:

  • Lernberichte
  • Portfolio
  • Beurteilungsgespräche
  • Beobachtungsbogen
  • Selbstevaluation der Schüler
  • Orientierungsarbeiten zur Standortbestimmung etc.

Juliane Stubenrauch-Böhme, München, ist Lehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch; Referentin in der Lehrerfortbildung; derzeit abgeordnet an die Staatliche Prüfungsstelle für Übersetzer und Dolmetscher sowie pädagogische Mitarbeiterin für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

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