Unterricht

Tipps zu Wortgutachten und Zeugnisbeurteilungen

Auch im Referendariat durchaus relevant: richtig beurteilen und bewerten

Das Verfassen von Zeugnisbeurteilungen und Wortgutachten gehört zu den Aufgaben jeder Lehrerin und jedes Lehrers – unter Umständen auch bereits im Referendariat. Da Zeugnisse und Noten für die Schülerinnen und Schüler und auch deren Eltern von großer Bedeutung sind, sollten Sie sich schon im Referendariat intensiv mit der Notenvergabe und dem Verfassen von Zeugnissen beschäftigen.

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Wortgutachten versus Noten

Zeugnisse, die in Form eines Wortgutachtens ausgestellt werden, beschreiben die Leistung des einzelnen Schülers individuell und ausführlich meist als Bericht im Fließtext. In der Regel werden in der Grundschule sowie in alternativen Schulkonzepten Wortgutachten anstelle eines Notenzeugnisses erstellt.

Im staatlichen Schulsystem hingegen kommen meist Notenzeugnisse zum Einsatz. Den Jahresfortgangsnoten, die zum Schulhalbjahr und zum Jahresende in Zeugnissen zusammengefasst werden, liegen die verschiedenen fachspezifischen Einzelleistungen des jeweiligen Schülers zugrunde. Diese Zeugnisse enthalten ebenfalls eine verbale Zeugnisbemerkung zum Arbeits- und Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler.

Gutachten- und Notenzeugnissen ist gemeinsam, dass sie Auskunft über den Leistungsstand und eine pädagogisch sinnvolle Rückmeldung zu den Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler geben. Strittig ist, ob Gutachtenzeugnisse dabei individueller und differenzierter Rückmeldung geben und ob Notenzeugnisse die gezeigten Leistungen objektiver und vergleichbarer widerspiegeln.

Grundlagen

Basis sowohl der Noten als auch des Wortgutachtens bilden die im Laufe des Schul(halb)jahres gezeigten Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Hierzu zählen sowohl die schriftlichen als auch die sog. sonstigen Leistungen, wie Stegreifaufgaben, Referate, Projektbeiträge etc. Diese drücken sich im Zeugnis durch Noten aus, im Wortgutachten sind diese entsprechend zu beschreiben und darzulegen.

Bewertet werden in der Regel weiterhin das Verhalten insgesamt (Mitarbeit, Ordnung, Betragen), das Arbeitsverhalten (Leistungsbereitschaft, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit), Konzentration, Interesse sowie das Sozialverhalten (Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten, Kommunikation). Auf die jeweiligen Aspekte ist dabei in der Zeugnisbemerkung einzugehen.

Nutzen Sie bei der Erstellung der Zeugnisbemerkungen diese Kategorien, um Ihre Schülerbeobachtungen zu strukturieren und zu reflektieren und um so jedem einzelnen Schüler gerecht zu werden. Behalten Sie bei der Erstellung der Bemerkungen immer im Auge, welche Bedeutung das Zeugnis für die Schüler und deren Eltern hat. Unbedingt sollten Sie auf einen wertschätzenden Ausdruck achten. Profitieren Sie auch von Kolleginnen und Kollegen und tauschen Sie sich über das Formulieren von Zeugnisbemerkungen aus. Dabei müssen Sie jedoch unbedingt die geltenden Datenschutzregeln beachten.

Zeugnisprogramme

An den meisten Schulen steht Ihnen ein Zeugnisprogramm zur Erstellung der Wortgutachten bzw. der Bemerkungen im Notenzeugnis zur Verfügung, auch wenn es bei der Verbalbeurteilung im Schulzeugnis keine festen Konventionen gibt. Auch im Internet finden sich diverse Zeugnisprogramme, die Sie nutzen können. Meist werden hierbei leistungs- und verhaltensbezogene Textbausteine nach Notenstufen differenziert angeboten, aus denen Sie wählen können.

In einigen Bundesländern stellen auch die Landes- und Staatsinstitute Bausteine für Zeugnisformulierungen zur Verfügung. Es lohnt sich, die verschiedenen Programme zu sichten. Sie erhalten hier wertvolle Anregungen und können Ihre Formulierungen ausbauen.

Die Verwendung von Textbausteinen wird von den meisten Lehrkräften als komfortabel und zeitsparend erlebt. Allerdings sollten Sie bei allen Vorteilen, die sich dadurch ergeben, nicht vergessen, dass eine möglichst individuelle Rückmeldung an die Schülerinnen und Schüler erfolgt. Eine manuelle Überarbeitung der Textbausteine ist daher unerlässlich.

Juliane Stubenrauch-Böhme, München, Lehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch; Referentin in der Lehrerfortbildung; derzeit abgeordnet an die Staatliche Prüfungsstelle für Übersetzer und Dolmetscher sowie pädagogische Mitarbeiterin für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

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