Unterricht

Effizient korrigieren

Bereits im Referendariat werden Sie mit dem Thema Korrekturen konfrontiert, und von den meisten wird Korrigieren als notwendiges Übel betrachtet. Nichtsdestotrotz kann auch diese Aufgabe des Lehrberufs schneller und effizienter erledigt werden, wenn Sie einige Tipps und Tricks beachten.
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Korrekturen – wesentlicher Bestandteil des Lehrerberufs

Korrekturen stellen eine wesentliche Aufgabe des Lehrberufs dar. Bis zu 35-mal müssen in kürzester Zeit Arbeiten zu dem gleichen Thema gelesen, ausgewertet und bewertet werden, somit stellt Korrigieren von allen Aufgaben eines Lehrers eine der zeitintensivsten Arbeiten dar. Dabei lauern nirgendwo so viele Ablenkungsmöglichkeiten wie beim Korrigieren zu Hause, z. B. das Internet, Telefon/Handy, Küche etc.

Außerdem kommt es beim Korrigieren aufgrund des zeitlichen Ablaufs im Schuljahr immer wieder zu korrekturintensiven Stoßzeiten. Die folgenden Tipps sollen Ihnen Anregungen liefern, sich selbst zu disziplinieren und anstehende Korrekturen zügig und professionell zu erledigen.

Tipps und Tricks

1. Stellen Sie Störfaktoren ab und arbeiten Sie konzentriert.

Die wichtigste Regel lautet: Lassen Sie sich nicht ablenken und konzentrieren Sie sich voll und ganz auf Ihre Aufgabe. Stellen Sie in einem ersten Schritt mögliche Störfaktoren wie das Handy auf lautlos, schalten Sie den Anrufbeantworter ein und schließen Sie die Tür zu Ihrem Arbeitsplatz, um zu signalisieren, dass Sie ungestört arbeiten müssen.

Richten Sie in einem zweiten Schritt Ihren Arbeitsplatz so her, dass Sie nicht mehr aufstehen müssen – auch nicht, um sich etwas zu trinken zu holen. Viele Lehrer nutzen mittlerweile die sog. Pomodoro-Technik, d. h., dass man über eine festgelegte Zeitspanne (ca. 25 Minuten) nichts anderes tut, als zu korrigieren, und sich erst dann – z. B. nach Ertönen eines akustischen Signals – eine Pause von ca. 5 Minuten gönnt.

2. Nutzen Sie Hilfsmittel.

Nutzen Sie konsequent Hilfsmittel wie z. B. Tabellenkalkulationsprogramme zur Punkteberechnung. An vielen Schulen existieren Datenbanken, in die die Kollegen Prüfungsaufgaben einstellen, die Sie als Materialfundus nutzen können.

Auch standardisierte Korrekturbogen können Ihnen die Arbeit erleichtern. Insbesondere in der Vorbereitungsphase von Schulaufgaben und Klassenarbeiten können gut formulierte Erwartungshorizonte Rand- und Schlussbemerkungen weitgehend ersetzen. Schließlich ist der Erwartungshorizont nichts anderes als die Auflistung der Ihrer Korrektur zugrunde liegenden Bewertungskriterien.

3. Beachten Sie unbedingt schulrechtliche Grundlagen.

Sie sollten nicht aus den Augen verlieren, dass die Korrektur immer auch einen juristischen Aspekt beinhaltet. Die Leistungsbeurteilung einer Schülerarbeit ist in juristischer Hinsicht ein hoheitlicher Akt. Informieren Sie sich daher vor Beginn des Schuljahres über die geltenden Regelungen, Schulgesetze und Verordnungen in Ihrem Bundesland. In jedem Fall zu beachten ist, dass die Notengebung eigenhändig durch den Lehrer zu erfolgen hat und dass Art, Anzahl und Termin der Prüfung rechtzeitig in angemessener Form bekannt zu geben sind. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben muss der Klassenstufe und Schulart angemessen, die Aufgabenstellung klar und verständlich sein.

Achten Sie bei der Formulierung Ihrer Korrekturanmerkungen darauf, dass Kritik und Beanstandungen sachlich, neutral und unvoreingenommen erfolgen. Gute Leistungen sind durchaus zu loben.

Vergessen Sie nicht, sich zu Beginn des Schuljahres über gesonderte Regelungen, wie sie z. B. Legasthenie oder Dyskalkulie erfordern, zu informieren. Eine gute Übersicht über die schulrechtlichen Regelungen der einzelnen Länder finden Sie unter dem Link „Recht“ auf der Homepage des BVL/Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie: www.bvl-legasthenie.de

4. Korrektur einmal anders: Schüler korrigieren sich selbst und andere

In Übungsphasen können Sie die Korrekturarbeit auch einmal an Ihre Schüler delegieren: In Teams können die Schüler ihre Arbeiten anhand vorgegebener oder im Unterricht gemeinsam erarbeiteter Kriterien korrigieren und bewerten. Vielen Schülern bereitet dies Freude und einen nicht unerheblichen Lernzuwachs – auch wenn sie anhand bestimmter Korrekturkriterien ihre eigene Arbeit noch einmal überarbeiten.

Wenn Sie diese Tipps beachten, werden Sie ein nicht unerhebliches Rationalisierungspotenzial bei Ihren Korrekturaufgaben sehen – wenngleich sich die Korrekturbelastung auch nicht wie durch Zauberhand um die Hälfte reduzieren wird. Aber Sie werden immer auch erleben, dass Ihre Korrekturen und Leistungsbeurteilung die Schüler tatsächlich erreicht und nachhaltig fördert.

Juliane Stubenrauch-Böhme, München Lehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch; Referentin in der Lehrerfortbildung; derzeit abgeordnet an die Staatliche Prüfungsstelle für Übersetzer und Dolmetscher sowie pädagogische Mitarbeiterin für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

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