Unterricht

Quali, Mittlere Reife, Abitur: Das müssen Sie als Lehrer über Abschlussprüfungen wissen

Da Abschlussprüfungen zum Erwerb eines Schulabschlusses führen, werden sie in der Regel zentral durchgeführt und unterliegen strengen, einheitlichen Kriterien. Es ist daher besonders wichtig, dass die Lehrkräfte sich und ihre Prüfungskandidatinnen und -kandidaten rechtzeitig mit den Formalitäten vertraut machen, damit sie an den Prüfungstagen souverän mit den Prüfungen umgehen können.

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Abschlussprüfungen führen zum Schulabschluss

Abschlussprüfungen sind Prüfungen, durch die ein Schulabschluss erworben werden kann, wie beispielsweise der Qualifizierende Hauptschulabschluss (Quali), der Mittlere Schulabschluss, die Fachhochschulreife oder Hochschulreife. Je nach Schulabschluss bestehen Abschlussprüfungen aus unterschiedlich vielen schriftlichen und/oder mündlichen Einzelprüfungen in festgelegten oder zum Teil von den Schülerinnen und Schülern zu wählenden Fächern.

Prüfungen werden zentral gestellt

In den meisten Bundesländern werden schriftliche Abschlussprüfungen zentral vom jeweiligen Kultusministerium gestellt und zu einem festgelegten Termin durchgeführt. Die Korrektur wird von den Fachlehrkräften an den einzelnen Schulen wahrgenommen. Nachholtermine werden je nach Land und Schulart entweder ebenfalls einheitlich festgelegt und die Aufgaben werden zentral gestellt oder aber die Aufgaben werden individuell erarbeitet und die Prüfungen zu unterschiedlichen Terminen durchgeführt.

Prüfungsinhalte sind umfangreich

Die Prüfungen erstrecken sich pro Fach über den gesamten Inhalt einer bestimmten Stufe oder eines Ausbildungsabschnitts. Ihnen liegt in der Regel der Lehrplan des jeweiligen Faches zugrunde. Art, Dauer und Gewichtung jeder einzelnen Prüfung sind in der Schul- bzw. Prüfungsordnung festgelegt. Darüber hinaus gibt es für alle Fächer bestehende Regelungen bezüglich der zugelassenen Hilfsmittel (z. B. Formelsammlungen, Nachschlagewerke), über die Sie sich informieren und die Sie Ihren Prüflingen mitteilen sollten.

Mit Prüfungsformat vertraut machen

Die schriftlichen Abschlussprüfungsaufgaben der Vergangenheit sind häufig auf den Bildungsservern der Bundesländer veröffentlicht, sofern Urheberrechte dadurch nicht verletzt werden. Machen Sie die Lernenden unbedingt mit den Prüfungsaufgaben der Vorjahre vertraut, damit sie das Format und das Anspruchsniveau der Aufgaben, die Art der Aufgabenstellungen und ggf. die Zahl der Auswahlmöglichkeiten kennen und sich am Prüfungstag rasch zurechtfinden.

Korrektur und Einsichtnahme in Abschlussprüfungen

Für die Korrektur und Bewertung schriftlicher Abschlussprüfungen gelten prinzipiell dieselben Kriterien wie für alle übrigen schriftlichen Prüfungen. Auf Verbesserungsvorschläge auf den Prüfungsarbeiten – also die sog. „positive Korrektur“ – kann jedoch verzichtet werden, da Ziel der Abschlussprüfung nur mehr die Leistungsfeststellung ist; eine spätere Korrektur seitens der Prüflinge zum Zwecke der Leistungssteigerung erfolgt nicht mehr. Abschlussarbeiten werden im Allgemeinen auch nicht an die Absolventinnen und Absolventen zurückgegeben, sondern diese können unter Aufsicht Einsicht in ihre Arbeiten nehmen.

Gestiegener Stellenwert mündlicher Prüfungen

Wenn im Rahmen der Abschlussprüfung mündliche Prüfungen durchgeführt werden, sind diese dezentral organisiert und die Prüfungsaufgaben werden in der Regel von den Fachlehrkräften vorbereitet und gestellt. In den letzten Jahren ist der Stellenwert der Mündlichkeit bundesweit gestiegen, was sich auch in den meisten Abschlussprüfungen widerspiegelt: An vielen Schularten ist z. B. mittlerweile eine mündliche Partner- oder Gruppenprüfung verbindlicher Bestandteil der Abschlussprüfung in den modernen Fremdsprachen. 

Mitschrift bei mündlichen Prüfungen

Im Allgemeinen ist bei mündlichen Prüfungen eine zweite Lehrkraft anwesend, die über die Prüfung Protokoll führt. Diese Arbeitsteilung empfiehlt sich in jedem Fall, damit die Erstprüferin bzw. der Erstprüfer sich auf das Prüfungsgespräch konzentrieren, während die Zweitprüferin bzw. der Zweitprüfer eine gewissenhafte Mitschrift anfertigen kann. Achten Sie immer darauf, dass der Zeitrahmen, die Prüfungsfragen sowie die Art der Beantwortung sorgfältig dokumentiert sind: Im Falle eines Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht wird auf das Protokoll zurückgegriffen.

Die Autorin Stephanie Weiser ist Gymnasiallehrerin für Deutsch, Französisch und Spanisch und war pädagogische Mitarbeiterin (für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung für berufliche Schulen) im Bayerischen Kultusministerium. Zur Zeit arbeitet sie als Fachberaterin und Koordinatorin für Deutsch (für Argentinien und Paraguay) in Buenos Aires.

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