Unterricht

Rechenschaftsablage, Referate und Unterrichtsbeiträge: So bewerten Sie mündliche Leistungen

Um die mündliche Leistung der Lernenden zu beurteilen, steht den Lehrkräften eine Reihe von Sozial- und Kommunikationsformen zur Verfügung. Bei der Wahl der Gesprächsform sollte immer bedacht werden, dass die Lernkontrolle nicht zum Selbstzweck wird, sondern dass das Besprochene für die gesamte Lerngruppe relevant ist.

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Verschiedene Formen mündlicher Leistungsnachweise

Grundsätzlich können Sie die mündliche Leistung auf verschiedene Art erheben und setzen dabei je unterschiedliche Schwerpunkte – eher monologisches oder eher dialogisches Sprechen, Zweiergespräch oder Gruppengespräch. Unabhängig von der Form der mündlichen Leistungserhebung sollten Sie den Lernenden möglichst zeitnah die Bewertung mitteilen und sie begründen, damit die Leistung noch präsent ist. 

Rechenschaftsablage rekapituliert Stoff der Vorstunde

Da mit der Rechenschaftsablage an die vorherige Stunde angeknüpft wird, das Gelernte rekapituliert und für das neu zu behandelnde Thema aufbereitet wird, sollte die Abfrage höchstens fünf bis sieben Minuten dauern. Aufgaben, die vom befragten Schüler nicht gelöst werden können, geben Sie an die Klasse weiter, oder lösen sie gemeinsam im Anschluss an die Rechenschaftsablage, um sicherzustellen, dass die vorausgesetzten Kenntnisse präsent sind.

Aufgabenformen variieren

Achten Sie – wie auch bei schriftlichen Leistungsnachweisen – auf ein ausgeglichenes Verhältnis von reproduzierenden, reorganisierenden und Transfer-Aufgaben. Beginnen Sie mit den einfacheren Reproduktions-Aufgaben und steigern Sie das Anspruchsniveau kontinuierlich hin zu Fragestellungen, die komplexere Erklärungen erfordern.

Abfrage einzelner Kandidaten

Bei der Rechenschaftsablage zu Beginn einer Unterrichtsstunde wird in der Regel nur eine Schülerin oder ein Schüler zum Stoff der direkt vorausgegangenen Stunde befragt. Sie oder er kann dabei am Platz bleiben oder – falls kurze Tafelanschriebe vorgesehen sind – vor dem Plenum befragt werden. Als Lehrkraft sollten Sie darauf achten, im Wesentlichen die tatsächliche mündliche Leistung zu beurteilen. 

Referate schulen vielerlei Kompetenzen

Referate sind zusammenhängende Darstellungen eines umgrenzten Themas durch einen oder mehrere Schülerinnen oder Schüler vor dem Plenum. Je nach Jahrgangsstufe und Thema können Referate unterschiedlich lang ausfallen. Bei der Vorbereitung und dem Vortrag schulen die Lernenden selbstständiges Recherchieren und Erarbeiten eines komplexen Themas, freies Sprechen und adressatenbezogenes, anschauliches Präsentieren. 

Relevanz für die gesamte Klasse

Achten Sie darauf, dass die Referate sachlich motiviert sind, dass die Themen also aus dem Unterricht erwachsen. Das Präsentierte muss für die gesamte Klasse relevant sein, nicht nur für den Referenten und die Lehrkraft, denn das Publikum und die Zielgruppe des Vortrags sind die Mitschülerinnen und Mitschüler. Aus diesem Grund sollten Sie in und mit der Klasse auch Informationen und Darstellungen ergänzen und korrigieren, wenn ein Referat lücken- oder fehlerhaft ist.

Referenten hilfreich betreuen

Damit Referate gelingen können, sollten Sie mit der Klasse im Vorfeld die wesentlichen Kriterien besprechen, die ein Referat zu einem erfolgreichen Vortrag werden lassen, das Referieren üben und idealerweise auch modellhaft darbieten. Betreuen Sie die Schülerinnen und Schüler bei der Erarbeitung eines Referats, indem Sie das Thema genau definieren, begrenzen und auf mögliche Besonderheiten, Literatur oder andere Hilfsmittel hinweisen. Halten Sie mit den Referenten auch während der Vorbereitung Rücksprache, um ggf. Hilfestellung zu geben.

Handouts stützen den Vortrag

Sofern ein Handout erstellt wird, lassen Sie sich dieses rechtzeitig vor dem eigentlichen Vortrag zeigen. Dann können Sie gröberen Fehlern noch vorbeugen und unter Umständen ergänzendes Material vorbereiten. Das Handout sollte lediglich den freien Vortrag – durch Stichworte, Bilder, Skizzen o. Ä. – stützen, keinesfalls sollte aber der Referatstext auf dem Handout stehen und bloß abgelesen werden.

Unterrichtsbeiträge kontinuierlich beurteilen

Die Unterrichtsbeiträge einer Schülerin oder eines Schülers werden nicht punktuell erhoben, sondern die Lernenden werden – unangekündigt –  über mehrere Tage gezielt im Unterricht beobachtet und ihre Leistung während des gesamten Zeitraums wird beurteilt. Damit Sie einen repräsentativen Ausschnitt der Beiträge eines jeden Lernenden erhalten, sollten Sie immer nur eine überschaubare Zahl (drei bis fünf) von Schülerinnen und Schülern gleichzeitig zur Beurteilung beobachten. 

Qualität der Beiträge beurteilen

Wesentlich ist hierbei, dass Sie nicht die aktive Mitarbeit bewerten, sondern die Qualität der Beiträge. Rufen Sie daher auch diejenigen auf, die sich nicht melden, um zu prüfen, ob sie dem Unterrichtsverlauf folgen und etwas beitragen können. Ob sich Schülerinnen und Schüler von sich aus am Unterrichtsgespräch beteiligen, ist nämlich oftmals eher eine Frage der Persönlichkeit als der Leistungsfähigkeit.  SW

Die Autorin Stephanie Weiser ist Gymnasiallehrerin für Deutsch, Französisch und Spanisch und war pädagogische Mitarbeiterin (für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung für berufliche Schulen) im Bayerischen Kultusministerium. Zur Zeit arbeitet sie als Fachberaterin und Koordinatorin für Deutsch (für Argentinien und Paraguay) in Buenos Aires.

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