Unterricht

Von der Planung einer Schulaufgabe bis zur Rückgabe

Eine Schulaufgabe bzw. Klassenarbeit zu planen, zu konzipieren und durchzuführen, ist eine komplexe Angelegenheit, die sehr vorausschauend angegangen werden muss. Die Zusammenarbeit mit Fachkolleginnen und -kollegen ist hierbei günstig und notwendig.

Fotolia 10999332 XS picsfive - Fotolia

Schulaufgaben sind große Leistungsnachweise

Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten sind angekündigte große Leistungsnachweise, die sich auf den gesamten bisher behandelten Stoff beziehen können. Sie werden in Haupt- und Kernfächern durchgeführt, wobei die Anzahl pro Fach und Schuljahr sowie die Gewichtung im Verhältnis zu den anderen Leistungsnachweisen in der jeweiligen Schulordnung festgelegt sind. Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten müssen rechtzeitig angekündigt und bei entschuldigtem Versäumnis von den Schülerinnen und Schülern nachgeholt werden.

Keine Häufung schriftlicher Leistungsnachweise

Im Allgemeinen sollen die Lernenden nur eine Schulaufgabe bzw. Klassenarbeit und keine weiteren schriftlichen Leistungsnachweise pro Tag schreiben. Mündliche Leistungsnachweise können hingegen auch an denselben Tagen wie Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten gefordert werden. In den meisten Fächern und Jahrgangsstufen dauern Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten eine Unterrichtsstunde. Abweichungen davon gibt es jedoch in einzelnen Fächern und Jahrgangsstufen (z. B. in Deutsch).

Arbeiten zügig und diskret zurückgeben

In den Schulordnungen ist oftmals geregelt, wie lange der Korrekturzeitraum maximal dauern sollte. In keinem Fall darf eine Schulaufgabe bzw. Klassenarbeit geschrieben werden, bevor die vorausgegangene Arbeit im selben Fach zurückgegeben und besprochen wurde. Bei der Rückgabe sollten Sie diskret mit dem Ergebnis der einzelnen Schülerinnen und Schüler umgehen. So können Sie beispielsweise die Arbeiten verdeckt austeilen.

Schulaufgaben zur Fehleranalyse überlassen

In den meisten Schulordnungen ist geregelt, dass schriftliche Leistungsnachweise den Schülerinnen und Schülern zur Kenntnisnahme durch die Erziehungsberechtigten mit nach Hause gegeben werden sollen. Es ist sinnvoll, den Schülerinnen und Schülern ihre Arbeiten so lange zu überlassen, dass sie die eigenen Fehler eingehend analysieren und gezielt an ihren Schwächen arbeiten können. Wenn allerdings Schülerinnen oder Schüler wiederholt ihre Arbeiten nicht oder verspätet wieder zurückgeben, können Sie davon auch absehen und die Erziehungsberechtigten entsprechend informieren.

Drei Anforderungsbereiche berücksichtigen

Bei allen Leistungsnachweisen sollten die drei Anforderungsbereiche Reproduktion, Reorganisation und Problemlösung berücksichtigt werden. Wichtig ist auch, dass tatsächlich das gemessen wird, was gemessen werden soll. So wird z. B. in den modernen Fremdsprachen heutzutage eine Vermengung von Textverständnis und Textproduktion eher vermieden. In allen Fächern können Sie die allgemeine Form und Sprachrichtigkeit einer Arbeit in die Beurteilung mit einfließen lassen. Darauf sollten Sie ggf. im Vorfeld hinweisen, damit die Schülerinnen und Schüler ihr Augenmerk auch darauf richten. 

Vertrautheit mit Aufgabenstellungen schaffen

Achten Sie darauf, dass die Schülerinnen und Schüler mit der Art der Aufgabenstellung vertraut sind, indem Sie im Vorfeld Übungen im entsprechenden Format anbieten und die Operatoren erläutern. An manchen Schulen wird von den Fachbetreuern ein schriftlicher  Erwartungshorizont gewünscht. Auch wenn dies nicht der Fall ist, sollten Sie eine Lösungserwartung erstellen, um zu prüfen, wie einfach oder schwierig und auf welche Weise eine Aufgabe lösbar ist.

Schulaufgaben durch andere Prüfungen ersetzen

Inzwischen ist es vielerorts möglich, zuweilen sogar vorgeschrieben, Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten durch andere gleichwertige Leistungsnachweise zu ersetzen. Dies können zum einen Projekte, zum anderen mündliche Prüfungen sein. In vielen Bundesländern und Schularten werden insbesondere in den sprachlichen Fächern mündliche Partner- oder Gruppenprüfungen als Ersatz von Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten durchgeführt.

Absprache mit Fachkollegen

Solange Sie noch keinen eigenverantwortlichen Unterricht geben, sind Sie gehalten, Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten in enger Absprache mit den Seminarlehrkräften zu erstellen und durchzuführen. Wenn Sie im Referendariat eigenverantwortlich unterrichten, sollten Sie Ihren Aufgabenentwurf ebenfalls mit der Betreuungslehrkraft oder der Fachbetreuerin bzw. dem Fachbetreuer besprechen. Zuweilen liegen auch Fachschaftsbeschlüsse bezüglich der Themenwahl, Reihenfolge der Schulaufgabenarten o. Ä. vor, die Sie beachten müssen.

Gemeinsame Prüfungen in Parallelklassen

Häufig konzipieren Fachlehrerinnen und -lehrer, die Parallelklassen unterrichten, gemeinsam Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten und führen sie gleichzeitig durch. Dies hat den Vorteil, dass Kollegen die Aufgaben arbeitsteilig erstellen können und dass klassenübergreifend ein einheitlicher Standard gewährleistet ist. Allerdings erfordert ein solches Vorgehen einen intensiven Abstimmungsprozess schon während der Vorbereitung, der die Flexibilität der einzelnen Lehrkraft im eigenen Unterricht einschränkt.  SW

Die Autorin Stephanie Weiser ist Gymnasiallehrerin für Deutsch, Französisch und Spanisch und war pädagogische Mitarbeiterin (für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung für berufliche Schulen) im Bayerischen Kultusministerium. Zur Zeit arbeitet sie als Fachberaterin und Koordinatorin für Deutsch (für Argentinien und Paraguay) in Buenos Aires.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: