Unterricht

So führen Sie Stegreifaufgaben durch

Stegreifaufgaben sind Instrumente, um kontinuierlich den Lernfortschritt einer ganzen Klasse zu prüfen. Ihre deutlich geringere Gewichtung gegenüber Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten muss sich in Umfang und inhaltlicher Anforderung widerspiegeln. 

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Stegreifaufgaben sind kleine Leistungsnachweise

Stegreifaufgaben sind unangekündigte kleine Leistungsnachweise, die sich auf den Inhalt von maximal zwei vorangegangenen Unterrichtsstunden einschließlich der Grundkenntnisse des Fachs beziehen. Sie dürfen in allen Fächern durchgeführt werden und ihre Anzahl pro Fach und Schuljahr ist nicht festgelegt. Da sie nicht angekündigt werden, werden sie auch bei Versäumnis nicht nachgeholt.

Geringeren Stellenwert berücksichtigen

Die Stegreifaufgabe sollte höchstens zwanzig Minuten dauern. Ihre Gewichtung im Verhältnis zu den anderen Leistungsnachweisen ist in der jeweiligen Schulordnung festgelegt. Achten Sie darauf, dass Sie eine Stegreifaufgabe nicht mit Inhalt überfrachten, damit ihr Stellenwert im Gegensatz zu Kurzarbeiten und erst recht zu Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten gerechtfertigt ist.

Keine Häufung schriftlicher Leistungsnachweise

Stegreifaufgaben dürfen nicht an Tagen gehalten werden, an denen auch Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten durchgeführt werden. Hingegen ist es möglich und unvermeidlich, dass in einer Klasse zwei oder mehr Stegreifaufgaben am selben Tag vorgesehen sind und stattfinden. Mündliche Leistungsnachweise können ebenfalls an denselben Tagen wie Stegreifaufgaben durchgeführt werden. Allerdings schließen sich Rechenschaftsablagen und Stegreifaufgaben an einem Tag in derselben Klasse aus, weil sich beide jeweils auf die vorausgegangene Stunde beziehen.

Arbeiten zügig zurückgeben

Geben Sie die Arbeiten so zügig wie möglich zurück, damit zwischen der Aufgabenstellung und der Besprechung nicht zu viel Zeit vergeht. Sofern sich eine Stegreifaufgabe auf völlig neue Inhalte bezieht, kann sie auch gehalten werden, bevor die vorausgegangene Arbeit im selben Fach zurückgegeben und besprochen wurde. Entscheiden Sie in dieser Frage nach pädagogischem Ermessen und der eigenen Arbeitsbelastung, ob dies im Einzelfall sinnvoll ist.

Arbeiten zur Fehleranalyse überlassen

In den meisten Schulordnungen ist geregelt, dass schriftliche Leistungsnachweise den Schülerinnen und Schülern zur Kenntnisnahme durch die Erziehungsberechtigten mit nach Hause gegeben werden sollen. Es ist sinnvoll, den Schülerinnen und Schülern ihre Arbeiten so lange zu überlassen, dass sie die eigenen Fehler eingehend analysieren und gezielt an ihren Schwächen arbeiten können. Wenn allerdings Schülerinnen oder Schüler wiederholt ihre Arbeiten nicht oder verspätet wieder zurückgeben, können Sie davon auch absehen und die Erziehungsberechtigten entsprechend informieren.

Drei Anforderungsbereiche berücksichtigen

Wie bei allen Leistungsnachweisen sollten die drei Anforderungsbereiche Reproduktion, Reorganisation und Problemlösung berücksichtigt werden. Wichtig ist auch, dass tatsächlich das gemessen wird, was gemessen werden soll, dass also Kompetenzbereiche nicht vermengt werden. In allen Fächern können Sie zudem die allgemeine Form und Sprachrichtigkeit einer Arbeit in die Beurteilung mit einfließen lassen.

Vertrautheit mit Aufgabenstellungen schaffen

Achten Sie darauf, dass die Schülerinnen und Schüler mit der Art der Aufgabenstellung vertraut sind, indem Sie im Vorfeld Übungen im entsprechenden Format anbieten und die Operatoren erläutern. Erstellen Sie schon vor der Durchführung einen Erwartungshorizont um zu prüfen, wie einfach oder schwierig und auf welche Weise eine Aufgabe lösbar ist.

Absprache mit Fachkollegen

Solange Sie noch keinen eigenverantwortlichen Unterricht geben, sind Sie gehalten, Stegreifaufgaben in enger Absprache mit den Seminarlehrkräften zu erstellen und durchzuführen. Wenn Sie im Referendariat eigenverantwortlich unterrichten, sollten Sie Ihren Aufgabenentwurf ebenfalls mit der Betreuungslehrkraft oder der Fachbetreuerin bzw. dem Fachbetreuer besprechen, sofern dies zeitlich möglich ist.  SW

Die Autorin Stephanie Weiser ist Gymnasiallehrerin für Deutsch, Französisch und Spanisch und war pädagogische Mitarbeiterin (für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung für berufliche Schulen) im Bayerischen Kultusministerium. Zur Zeit arbeitet sie als Fachberaterin und Koordinatorin für Deutsch (für Argentinien und Paraguay) in Buenos Aires.

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