Unterricht

So gelingt der Stundeneinstieg

Jede Stunde ist für Lehrende und Lerner ein neuer Anfang. Oft entscheidet sich in den ersten Minuten, ob eine Schulstunde einen für beide Seiten befriedigenden Verlauf nimmt. Gelingt es, das Interesse und die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler zu wecken, erleichtert dies erheblich das Vermitteln der Lerninhalte.

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Stundeneröffnungsrituale, Themen- und Stundeneinstiege

Im Gegensatz zu den üblichen Stundeneröffnungsritualen, wie Begrüßung, Kontaktaufnahme, Anwesenheitskontrolle sind Themen- und Stundeneinstiege bereits integraler Bestandteil der Stunde. Sie stellen die erste Phase der Stunde dar.

Während Themeneinstiege den Lernenden den Einstieg in einen neuen Themenbereich, eine neue Unterrichtseinheit erschließen, bereiten Stundeneinstiege auf die Arbeit in der aktuellen Unterrichtstunde vor.

Verschiedenen Funktionen von Stundeneinstiegen

Stundeneinstiege können viele Funktionen erfüllen. Sie sollen …

  • ... das „Ankommen“ erleichtern. 
    Durch den warming-up-Effekt eines Stundeneinstiegs erhalten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, den Kopf für die neuen Inhalte frei zu bekommen.
  • …eine effektive Lernatmosphäre herstellen. 
    Die Schülerinnen und Schüler werden (häufig auf spielerische Weise) zur Selbstdisziplin aufgerufen.
  • … die Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler stimulieren.
    Über die Darstellung eines Problems, das gelöst werden soll, wird der Entdeckergeist der Lernenden geweckt.
  • … die Neugier der Lernenden auf das neue Thema wecken und die Motivation fördern.
    Die Lernlust der Schülerinnen und Schüler wird geweckt, indem eine gewisse Spannung entsteht, wenn das Thema der Stunde zum Thema der Lernenden wird, mit dem sie sich beschäftigen möchten.
  • … einer passiven Konsumentenhaltung der Schülerinnen und Schüler vorbeugen und schülerzentriertes Arbeiten fordern und fördern.
    Die Lernenden werden mit ihrem individuellen Potenzial an Wissen, Fähigkeiten und Stärken von Anfang an aktiv in den Unterricht miteinbezogen.
  • … die Kreativität und Fantasie anregen.
    Die Schülerinnen und Schüler sollen durch Stundeneinstiege nicht nur auf der kognitiven, sondern auch auf der affektiven Ebene angesprochen werden. Auf diese Weise werden Emotionen, Einstellungen, Werthaltungen, Vorlieben und Interessen aktiviert und in den Unterricht einbezogen.
  • … zu einem Thema hinführen.
    Der Einstieg stimmt die Schülerinnen und Schüler auf das neue Thema ein und zeigt dessen Relevanz für die Lebenswelt der Lernenden.
  • …über den geplanten Unterrichtsverlauf informieren.
    Die Lehrkraft informiert die Schülerinnen und Schüler über Umfang und Aspekte des Themas sowie über die Ziele und den Verlauf des Unterrichts.
  • …bereits Gelerntes überprüfen und Wissen festigen.
    Der Einstieg kann (auf spielerische Weise) bereits erworbenes Wissen aktivieren, integrieren und durch die damit verbundene Wiederholung festigen.
  • … Vorwissen abrufen und daran anknüpfen.
    Der Zusammenhang mit früheren Themen, mit Vorkenntnissen der Schülerinnen und Schüler wird hergestellt und erläutert.
  • … bekannte Kenntnisse und Gewohnheiten verfremden und infrage stellen.
    Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine neue Sicht auf die Dinge und hinterfragen ihre Einstellungen und ihr bisher erworbenes Wissen.

Verschiedene Arten von Stundeneinstiegen

Allgemein unterscheidet man zwischen eher lehrerzentrierten oder lehrergesteuerten und eher schülerzentrierten oder schüleraktivierenden Stundeneinstiegen:

Bei lehrerzentrierten Stundeneinstiegen erfolgt die Hauptaktivität durch die Lehrkraft. Sie informiert, stellt Fragen etc., z. B. im Lehrervortrag, bei der Wiederholung, mittels einer thematische Landkarte oder einer Themenbörse.

Bei schülerzentrierten oder schüleraktivierenden Stundeneinstiegen hingegen liegt die Hauptaktivität bei den Schülerinnen und Schülern, z. B. in Form von einem Textpuzzle oder einem Rätsel, bei der Fehlersuche, anhand von Steckbriefen oder einer Karteikartenabfrage.

Ein gelungener Stundeneinstieg ist keine Garantie für eine gelungene Unterrichtsstunde

Auch wenn der Stundeneinstieg eine wichtige Phase ist, die grundlegend für den weiteren Stundenverlauf sein kann, so ist ein gelungener Einstieg noch keine Garantie für das Gelingen der Stunde. Allerdings ist ein missglückter Einstieg auch nicht bestimmend für die weitere Stunde.

Grundsätzlich sollten Sie immer einen Einstieg bzw. eine Methode wählen, die zu Ihrer Lehrerpersönlichkeit, zu Ihrem Unterrichtsstil und zu Ihrer jeweiligen Klasse passt.

Der Unterrichteinstieg – wie alle Phasen des Unterrichts – ist planbar. Allerdings hängt die Realisierung der Planung immer auch von vielen verschiedenen Faktoren ab: Thema, Lernlust, Lernatmosphäre, Uhrzeit etc. beeinflussen den Unterricht.

Generell sollten Sie sich die Freiheit lassen, spontan zu agieren und auch einmal zu improvisieren, um der Heterogenität jeder Klasse und dem unterschiedlichen Vorwissen der Schülerinnen und Schüler gerecht werden zu können.

Aspekte, die Sie bei der Planung von Stundeneinstiegen berücksichtigen sollten

  • maximale Dauer von 10 Minuten
  • keine Überforderung der Schülerinnen und Schüler – Anknüpfen an das vorhandene Vorwissen
  • Berücksichtigung gruppendynamischer Prozesse, insbesondere bei kommunikativen und kooperativen Stundeneinstiegen
  • klare Arbeitsanweisungen    JS

Die Autorin Juliane Stubenrauch-Böhme ist Gymnasiallehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch und Referentin in der Lehrerfortbildung.

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