Unterricht

Das Schweigen der Schüler – wortkarge Kinder im Unterricht motivieren

Jeder kennt sie aus seiner eigenen Schulzeit: den Klassenclown, den Streber, den Träumer usw. Es gibt unzählige Schülercharaktere, und das ist auch gut so. Eine perfekte Klasse würde dir am Ende die Herausforderung oder gar die Motivation nehmen. Dennoch ist der Umgang mit diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten nicht einfach. Über sogenannte „Störenfriede“ im Unterricht wurde bereits viel geschrieben. Doch wie steht es um wortkarge Schüler, die im Unterricht kaum auffallen?
Fotolia 68212097 XS ©contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Schüchtern oder teilnahmslos?

Als Referendar und künftiger Lehrer bist du immer in der Rolle eines guten und aufmerksamen Beobachters. Laute und selbstbewusste Schüler fallen meist sofort auf. Ruhige Schüler bemerkst du vielleicht erst nach ein paar Unterrichtsstunden. Schnell sollte hier nach den Gründen einer fehlenden Mitarbeit gesucht werden: Hat der Schüler eine schüchterne Persönlichkeit oder wirkt er häufig teilnahmslos und unkonzentriert?

Einordnung des Verhaltens

Wirkt ein Schüler teilnahmslos und häufig in Gedanken versunken, könnte dies an einer Konzentrationsschwäche liegen. Von voreiligen Diagnosen solltest du jedoch absehen. Genauso gut können vorübergehende private Probleme oder Sorgen das stille Verhalten begründen. Sprich den Schüler in einer ruhigen Minute an und erzähle von deinen Beobachtungen. Das direkte Gespräch kann dir Aufschluss über sein Verhalten geben.

Ob ein Schüler aber von seiner Persönlichkeit her schüchtern ist, kannst du insbesondere außerhalb deiner Stunde feststellen. Wirkt er auch hier eher ruhig und unauffällig, erklärt das zumindest sein Verhalten in deinem Unterricht.

Der Umgang mit ruhigen Schülern

Frage auch Kollegen, ob sich der Schüler in ihrem Unterricht ähnlich verhält und was ihre „Strategie“ ist. Vermutlich wirst du nicht mit jeder Umgangsform deiner Kollegen einverstanden sein. Ein Tipp, der daher immer funktioniert: Versetze dich in die Lage des Schülers. Welchen Umgang würdest du dir als schüchterner Schüler wünschen? Direktes Ansprechen und Redeaufforderungen bewirken meist das Gegenteil, daher gilt es zunächst, die Stärken des Schülers zu nutzen. Denn introvertierte Schüler beobachten häufig sehr genau, denken nach und können sich gut auf Aufgaben konzentrieren. Gruppen- und Projektarbeit sind daher gute Möglichkeiten, wortkarge Schüler zumindest innerhalb einer kleinen Gruppe zum Sprechen zu bringen.

Angst vor der eigenen Stimme

Nicht selten sind sehr ruhige Schüler von ihrer eigenen Stimme erschrocken. Du als Pädagoge kannst versuchen, jedem Schüler diese Angst zu nehmen. Es sollte für alle ganz natürlich sein, sich laut vor Mitschülern zu äußern. Hilfreich kann eine Übung sein, die zu Beginn jeder Stunde als Ritual wiederholt wird. Überlege dir für jede Stunde ein Wort – z. B. „Meer“. Die Schüler sollen dann in nur einem Satz sagen, was sie damit verbinden oder assoziieren. So hat jeder seine Stimme einmal laut gehört, und die Hemmschwelle, vor Mitschülern erneut zu sprechen, sinkt automatisch.

Nur nicht persönlich nehmen

Bemerkst du, dass ein Schüler aufblüht, sobald das Pausenzeichen ertönt, könnte dies auch mit deinem Unterrichtsfach zu tun haben. Hassfächer gibt es ebenso wie Lieblingsfächer. Gerade im Referendariat bist du gezwungen, deinen Unterricht ständig zu reflektieren und zu hinterfragen. Das solltest du beibehalten, denn dein Ziel sollte es sein, deinen Unterricht für alle Schüler gleichermaßen interessant zu gestalten. Und in Bezug auf schüchterne Schüler lautet die Devise: Es geht nicht darum, die Persönlichkeit eines Schülers zu verändern, sondern das Beste aus dieser herauszuholen. 

Hannah Thömmes-Bonart hat Germanistik, Multimedia und Deutsche Literatur in Karlsruhe und Berlin studiert und zeichnet sich durch mehrjährige Erfahrung in unterschiedlichen redaktionellen und multimedialen Arbeitsbereichen aus.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: