Unterricht

So optimieren Sie die Lehrer-Schüler-Interaktion!

Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler sind die Hauptakteure im täglichen Schulalltag. Ihr „Zusammenspiel“ bestimmt in erheblichem Maße die Qualität der Erziehungs- und Bildungsprozesse und muss für ein gutes Gelingen deshalb immer wieder hinterfragt werden. Dabei stellt sich die Frage, wie unterrichtliche Interaktion zwischen Lehrerinnen bzw. Lehrern und Schülerinnen und Schülern so optimiert werden kann, dass Lernen zielgerichtet vonstatten geht und für alle positive Erfahrungen mit sich bringt.

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Machen Sie sich die Bedeutung der Interaktion bewusst

Die Lehrer-Schüler-Interaktion birgt schon im Wortlaut wichtige Aspekte des täglichen schulischen Miteinanders. Zum einen führt der vordere Teil des Begriffes – Lehrer und Schüler – die am Unterricht beteiligten Akteure und damit die interagierenden Partner auf. Zum anderen bezeichnet der hintere Wortteil – die Interaktion – ein wechselseitiges Aufeinandereinwirken dieser Beteiligten. Sie beeinflussen sich in ihren Einstellungen, Erwartungen und Handlungen gegenseitig und zwar durch ihre Kommunikation (Sprache, Gestik, Mimik und Symbole).

Es gehört zum grundlegenden Handwerkszeug einer jeden Lehrkraft, die beschriebenen Interaktionen so zu gestalten, dass sich daraus gewinnbringende und zielorientierte Lernprozesse ergeben. Dabei gilt es jederzeit zu berücksichtigen, dass Interaktion niemals einseitig von nur einem Partner ausgehen kann, sondern beide Partner mit einbeziehen muss.

Geben Sie klare Richtlinien vor

Wollen Sie, dass sich Ihre Schülerinnen und Schüler nach Ihren Vorgaben richten, ist Klarheit gefragt. Geben Sie konkrete Anweisungen, denen die Kinder bzw. Jugendlichen folgen können und vermeiden Sie schwammige und zu offene Aussagen. Um Arbeitsaufträge für jeden verständlich zu formulieren, achten Sie darauf, diese kurz zu halten und nicht zu sehr auszuschweifen. Je prägnanter Sie diese ausdrücken, desto klarer kommen Sie auch bei den Lernenden an. Vermeiden Sie außerdem, Anweisungen zu oft zu wiederholen. Verlangen Sie von den Schülerinnen und Schülern während Ihrer Ausführungen bzw. Erklärungen konzentrierte Aufmerksamkeit und beweisen Sie Geduld, wenn es darum geht, sicherzustellen, dass Sie wirklich alle Zuhörer in der Klasse erreicht haben. 

Pflegen Sie eine ausgewogene Gesprächskultur

Unterricht hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte grundlegend verändert. Wo früher noch der Lehrervortrag weite Teile des Geschehens bestimmte, ist an dessen Stelle heute die Forderung nach einer hohen Schüleraktivität getreten. Der Redeanteil der Lehrerinnen und Lehrer ist zugunsten des Redeanteils der Schülerinnen und Schüler zurückgegangen, und weitschweifige Ausführungen und Monologe der Pädagogen sind mittlerweile nicht mehr erwünscht.

Diesem Ansatz liegen diverse lern- und entwicklungspsychologische Untersuchungen zugrunde, die die Nachhaltigkeit einer schülerorientierten Vorgehensweise unterstreichen. Es gilt, die Lernenden zu Wort kommen zu lassen, deren Weltanschauungen und Denkweisen Raum zu geben und einen Austausch unter den Schülerinnen und Schülern anzubahnen und zu fördern. Um dies zu ermöglichen, bauen Sie unter den Kindern bzw. Jugendlichen behutsam eine Gesprächskultur auf und pflegen Sie diese bei jeder Gelegenheit.

Geben Sie Ihren Schülerinnen und Schülern Raum

Um eine offene Gesprächskultur in Ihrer Klasse anzubahnen, gilt es, die Lernenden in ihrer Individualität wertzuschätzen. Kinder und Jungendliche möchten nicht nur gehört, sondern auch ernst genommen werden. Trauen Sie ihnen zu, sich Lerninhalte selbst zu erarbeiten und diese mit ihrem Vorwissen zu verknüpfen. Machen Sie den Lernenden Lust darauf, miteinander in einen sachlichen Diskurs zu treten und fachliche Gespräche zu führen.

Basis für eine gute Gesprächskultur ist, dass die Kinder und Jungendlichen grundlegende Gesprächsregeln kennen und achten. Dazu gehört, dass sie sich gegenseitig aussprechen lassen und sachlich miteinander sprechen bzw. diskutieren. Um die Schülerinnen und Schüler zu ausführlicheren Äußerungen zu bewegen und zu fördern, dass sie miteinander in ein fachliches Gespräch eintreten, gibt es einfache Tricks und Drehs, die in jeder Phase des Unterrichts anwendbar sind:

  • Lassen Sie keine Einwort-Antworten zu, sondern fordern Sie Ihre Schülerinnen und Schüler dazu auf, in ganzen Sätzen zu sprechen.
  • Stellen Sie selbst keine Fragen, die mit Ja oder Nein zu beantworten sind.
  • Formulieren Sie Fragen präzise und stellen Sie nicht mehrere hintereinander.
  • Verlangen Sie, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Aussagen begründen.
  • „Bohren“ Sie nicht zu viel nach.
  • Achten Sie auf die Sinngemäßheit der Antworten und warten Sie nicht, bis eine Schülerin bzw. ein Schüler wortwörtlich Ihre Erwartungen erfüllt.
  • Geben Sie exakte Arbeitsaufträge, sodass den Lernenden auch klar ist, was verlangt ist.

Mithilfe dieser didaktischen Feinheiten lenken Sie die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler langsam von Ihrer eigenen Person weg und geben Ihre zentrale Stellung im Unterrichtsgespräch ab. Damit sich die Lernenden allerdings noch besser aufeinander einlassen, helfen Sie ihnen mit den folgenden Gesprächsrichtlinien:

  • Die Schülerinnen und Schüler sollen sich beim Namen nennen und direkt ansprechen.
  • Die Gesprächspartner sollen sich beim Sprechen anschauen.
  • Fordern Sie die Schülerinnen und Schüler dazu auf, beim anderen nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
  • Die Schülerinnen und Schüler sollen sich gegenseitig aufrufen.
  • Führen Sie ein beliebiges Handzeichen ein, damit die Lernenden erkennen, wenn ein anderer direkt auf ihren Gesprächsbeitrag eingehen möchte (z. B. Meldung mit gespreizter Hand im Sinne von „Stopp, dazu möchte ich dir etwas sagen.“).

Schülerinnen und Schüler müssen sich in einer offenen und positiven Atmosphäre wiederfinden, die ihnen Selbstvertrauen gibt und ihnen auch bei falschen Aussagen kein Versagensgefühl impliziert. Vermitteln Sie vielmehr den Schülerinnen und Schülern einen konstruktiven Umgang mit konträren oder gar falschen Aussagen und animieren Sie sie, sich gegenseitig ernst zu nehmen und sich gegebenenfalls gegenseitig Hilfestellungen zu geben.

Verlagern Sie den Redeanteil weg von sich hin zu den Lernenden

Eine schülerzentrierte Gesprächskultur verlangt ein grundlegendes Vertrauen in die Fähigkeiten der Lernenden und größte Zurückhaltung aufseiten der Lehrerinnen und Lehrer. Nur so ist es möglich, vom Monolog des Lehrenden weg hin zur aktiven Beteiligung der Lernenden zu kommen. Auf welchem Wege Sie dies erreichen können, sollen Ihnen folgende Tipps verdeutlichen:

  • Halten Sie sich während Diskussionsrunden im Hintergrund.
  • Mischen Sie sich nur ins Gespräch ein, wenn es droht, am Thema vorbeizugehen.
  • Gehen Sie davon weg, Arbeitsergebnisse selbst zusammenzufassen, sondern übergeben Sie diese Aufgabe einem Lernenden.
  • Fördern Sie einen hohen Grad an selbstgesteuertem Lernen durch entsprechend ausgewählte Unterrichtsinhalte, Arbeits- und Sozialformen.
  • Beachten Sie die oben genannten Hinweise!

Geben Sie der etwas anderen Art der Lehrer-Schüler-Interaktion eine Chance und erleben Sie damit, wie viel Spaß es machen kann, aus dem Rampenlicht zu treten, um den Lernenden mehr Raum zu überlassen.  JS

 

 

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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