Unterricht

Der Praxisschock

Sie sind gerade ins Referendariat gegangen – und hatten sich so sehr auf die Praxis gefreut? Doch nun stellen Sie fest, dass genau diese Sie zunächst einmal überfordert? Der folgende Beitrag möchte Ihnen erste Ansätze liefern, den Praxisschock umzuwandeln in einen gelungenen Unterrichtsalltag. Tag für Tag.
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Wenn die Praxis schockt …

Zunächst einmal: Sollte die Unterrichtspraxis im Referendariat Ihnen das Gefühl geben, überfordert zu sein, so sind Sie mit diesem Gefühl nicht allein. Eine Untersuchung des Instituts für Demoskopie in Allensbach hat ergeben, dass jeder fünfte Junglehrer dies so empfindet. Die Gründe hierfür sind vielfältig, doch in der Regel nicht, weil Sie unzureichend auf Ihren Unterricht vorbereitet gewesen sind. Vielmehr ist es die Berührung mit den Schülern, deren Eltern und auch mit dem Schulalltag, die Referendare und Referendarinnen stresst.

Was tun bei Unterrichtsstörungen? Wie gehe ich auf aggressive Schülerinnen und Schüler ein? Was ist, wenn es im Elternhaus Probleme gibt? Wie organisiere ich den recht komplexen Schulalltag? All diese Fragen beschäftigen junge Lehrerinnen und Lehrer – und sie sind mithilfe gezielter Maßnahmen gut in den Griff zu bekommen.

Schülerinnen und Schüler

Sie treten vor eine Klasse und haben das Gefühl, diese nicht ruhig zu bekommen? In einer Klasse herrschen stets Konflikte zwischen bestimmten Schülerinnen und Schülern? Manche Ihrer Schüler verweigern die Mitarbeit? Was genau können Sie hier unternehmen?

Notieren Sie sich zunächst einmal in Form eines Clusters, was genau Sie an der Situation in der Klasse stresst. Ist es das Klassenklima, was sich negativ auf den Unterricht auswirkt – oder sind es einzelne Schülerinnen und Schüler, die Unruhe in das Geschehen bringen?

Sind Sie zu einem Ergebnis gekommen, so suchen Sie das Gespräch. Zunächst einmal mit den Lehrkräften, die Sie während Ihrer Ausbildungszeit betreuen. Erfragen Sie Hintergründe und wie diese Lehrkräfte mit der gegebenen Situation umgehen. An vielen Schulen sind Schulsozialarbeiter eingesetzt. Bitten Sie auch diese um ein Gespräch und fragen Sie nach Möglichkeiten, die Situation in Ihrer Lerngruppe aufzufangen.

Das können etwa bei einer unruhigen Lerngruppe freiere Unterrichtsmethoden sein. Bei schwierigen Schülerinnen und Schülern sollte gezielt mit dem betreffenden Jugendlichen gesprochen werden. Notieren Sie das Gesprächsergebnis und vereinbaren Sie gleich einen weiteren Termin, bei dem Sie die Umsetzung des Gesprächs und das Ergebnis reflektieren können.

Machen Sie sich ein klares Bild davon, wie Sie dieses Ergebnis in Ihrem Unterricht umsetzen können – und vereinbaren Sie gemeinsam mit Ihrer Klasse feste Regeln hierzu und auch Konsequenzen, wenn die Regeln verletzt werden. Halten Sie diese Vereinbarungen konsequent ein. Für Ihre Schülerinnen und Schüler ist es von immenser Bedeutung, dass Sie immer authentisch sind und handeln.

Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern

Von Anfang an, also auch in Ihrem Referendariat, ist eine gute Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Ihnen und dem Elternhaus Ihrer Schülerinnen und Schüler wichtig. Nutzen Sie die Gelegenheiten etwa im Rahmen von Schulveranstaltungen oder Elternabenden, die Eltern Ihrer Schüler kennenzulernen und sich ihnen vorzustellen. Bieten Sie etwa eine Telefonsprechstunde an – also eine feste Zeit, in der die Eltern Sie telefonisch erreichen können. Sollten Probleme in der Schule auftreten, so scheuen Sie sich nicht, den Kontakt zum Elternhaus zu suchen, und informieren Sie die Eltern darüber. Auch hier gilt: Authentizität ist das A und O für eine gelungene Elternarbeit.

Schulalltag

Auch der Schulalltag vermittelt zu Beginn der Lehrertätigkeit oftmals das Gefühl, besonders zu fordern. Neben der aufwendigen Unterrichtsvorbereitung gilt es, sich regelmäßig mit den Kollegen und Kolleginnen auszutauschen, an Konferenzen und Schulveranstaltungen teilzunehmen und Klassenfahrten und Ausflüge zu begleiten. Daneben stehen die Seminarveranstaltungen und natürlich die Unterrichtsbesuche, die Sie bei Ihren Mitreferendaren durchführen – und die auch bei Ihnen stattfinden.

Führen Sie einen Kalender, in den Sie rechtzeitig alle Termine eintragen. Überlegen Sie, wie viel Zeit Sie für bestimmte Dinge benötigen – und lernen Sie, etwa Vorbereitungszeiten angemessen einzuschränken.

Fazit

Durch die Vielfalt an Aufgaben ist es ganz normal, wenn Sie von der Praxis zunächst schockiert sind. Holen Sie sich rechtzeitig Hilfe, wenn Sie merken, dass der Schulalltag Sie überfordert. Und: Halten Sie sich an die vereinbarten Regeln und Zeitvorgaben. Gut strukturiert kommen Sie so gut durch die erste Zeit Ihres Referendariats. AvP

Alexandra von Plüskow ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin. Als solche sowie als Fachberaterin für das Fremdsprachenlernen in der Grundschule war sie an der Landesschulbehörde tätig. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin für verschiedene pädagogische Verlage sowie als Lehrbeauftragte.

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