Unterricht

Die Körpersprache redet mit

Wie Sie im Referendariat (und auch später) gezielt damit arbeiten

Svea ist enttäuscht. Nach einer Mitschau hat ihr Seminarleiter sie auf ihre Körpersprache angesprochen. Sie sei nicht präsent genug in der Klasse und müsste dringend daran arbeiten. Doch – worauf sollten angehende Lehrerinnen und Lehrer achten, wie viel Körpersprache ist gefragt? Der folgende Beitrag nennt Ihnen die Grundregeln für den Einsatz von Mimik und Gestik im Klassenraum.
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Im Blickfeld

Behalten Sie zunächst Ihre Mimik im Auge. Mit ihr sollten Sie zum Ausdruck bringen, dass Sie aufmerksam Ihren Schülern zugewandt sind und ihren Anliegen folgen.

Richten Sie gezielt den Blick auf Ihre Klasse, fokussieren Sie dabei aber nicht immer nur eine Person, sondern lassen Sie den Blick ruhig schweifen.

Blickkontakt punktuell zu einzelnen Schülerinnen und Schülern aufzunehmen, ist die einfachste Form der Kontaktaufnahme und ein Zeichen, dass Sie dem Geschehen konzentriert folgen.

Ein Lächeln, das Sie ernst meinen, signalisiert Ihren Schülern, dass Sie ihnen folgen und ihnen positiv gesonnen sind.

Konzentrieren Sie sich auf ein achtsames und aktives Zuhören. Zustimmung bringen Sie beispielsweise durch ein einfaches Kopfnicken und durch ein Lächeln zum Ausdruck.

Hände hoch

Erinnern Sie sich noch an Lehrkräfte, die mit den Händen in den Hosentaschen unterrichtet haben? Oder die ständig nervös in ihren Unterlagen blätterten? Oder gar fortwährend mit den Armen und Händen in der Luft herumfuchtelten?

Grund genug, das nicht zu tun. Aber wohin mit den Händen, wenn Sie vor der Klasse stehen? Abhilfe schafft es, beispielsweise einen Bleistift in die Hand zu nehmen oder auch Moderationskarten. Die Arme sollten auf Höhe der Taille sein und Ihre Bewegungen ruhig. Hektik, die von der Lehrkraft ausgeht, überträgt sich leicht auf die Lerngruppe.

Fester Stand

Aufrecht stehen hilft, denn eingezogene Schultern und ein gebeugter Rücken lassen erkennen, dass Sie unsicher sind. Nehmen Sie eine offene Haltung ein, indem Sie der Klasse zugewandt stehen und mit den Armen möglichst keine Barriere aufbauen. Diese entsteht beispielsweise durch das Verschränken der Arme, was Sie vermeiden sollten.

Bewegung

Bewegen Sie sich in der Klasse, aber moderat und ruhig. Schauen Sie vorher, welche Wege Sie ohne Hindernisse zurücklegen können und von welchen Plätzen im Klassenraum Sie einen guten Kontakt zur Klasse herstellen. Gehen Sie langsam und ruhig von Platz zu Platz und passen Sie Ihre Stimme der jeweiligen Entfernung zu den Schülerinnen und Schülern an. Vermeiden Sie auch hier Hektik, weniger ist mehr.

Während der Stillarbeit, Partnerarbeit oder Freiarbeit bewegen Sie sich frei im Klassenraum, achten Sie aber auch hier auf Ihre ruhige Ausstrahlung. Dazu gehört in allen Phasen des Unterrichtes unbedingt eine ruhige Atmung, die optimalerweise in den Bauch erfolgt. Eine Lehrkraft, die ruhig atmet, wirkt nicht verkrampft, sondern gelassen und souverän.

Bedeutsam

Ihre Körpersprache und Mimik sind für das Gelingen Ihres Unterrichtes von großer Bedeutung. Eine ruhige Lehrkraft vermittelt dies auch durch ihre Gestik, Haltung und Mimik. Dabei geht es nicht darum, nicht authentisch zu bleiben. Im Gegenteil, betrachten Sie sich einmal etwa in einer Filmaufnahme aus Ihrem Unterricht. Was ist typisch für Sie? Welche Eigenheiten sollten Sie eher abstellen, welche könnten Sie noch weiter hervorheben?

Fragen Sie andere Personen, welche Tipps diese hinsichtlich Ihrer Körpersprache und Mimik für Sie haben. Trainieren Sie diese gezielt vor einem Spiegel. Wie wirkt es, wenn Sie beispielsweise den Blick offen auf jemanden richten? In welcher Haltung wirken Sie weder verkrampft noch zu locker?

Körpersprache und Mimik, wohldosiert und überzeugend eingesetzt, wirken sich nicht nur positiv auf das Lernklima aus, sondern vermögen Ihr Engagement für Ihre Schülerinnen und Schüler sowie für Ihre Fächer unverfälscht zu vermitteln und fördern so gleichsam die Freude und Motivation aller Beteiligten im Klassenzimmer. Tag für Tag.

Alexandra von Plüskow arbeitet seit 1998 als Grundschullehrerin im Landkreis Lüneburg. Sie ist derzeit vom Land Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis in die Stabsstelle Schulverwaltung, Bildung und ÖPNV in Soltau abgeordnet. Die zweifache Mutter verfasst als Fachjournalistin Texte und Materialien für verschiedene Verlage und Magazine.

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